Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

der augenblicklichen Vorliebe für Metalldichtung, eine Dichtung von Fliesspapier (Fig. 30). Ueber diese Fliesspapierbandpackung schreibt das Journal für Gasbereitung und Wasserversorgung, Nr. 28 von 1891, Folgendes:

Als Packung für Stopfbüchsen bringt E. Misset in Stuttgart statt der Leinenbänder, welche manche Unzuträglichkeiten mit sich bringen, eine Fliesspapierbandpackung in den Handel, über deren Bewährung uns lobende Urtheile vorliegen. Statt der Leinenbänder verwendet Missel aufsaugefähige, besonders präparirte Papierstreifen in Verbindung mit leinenen Bändern, welche, den Stopfbüchsenmaassen entsprechend, in Ringform gebracht werden. Die fertigen Ringe werden aufgeschnitten geliefert und sind durch Aufbiegen leicht um die Kolbenstange zu legen. Der Umstand, dass das Papier auf der Hochkante zur Pressung gelangt, verleiht den Ringen Federkraft und eine ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit, welche durch die Präparirung mit Fett u.s.w. noch erhöht wird. Solange die Ringe gefettet sind, erweisen sich dieselben gegen die zerstörende Wirkung des Dampfes unempfindlich. Da die Ringe nach Maass gefertigt werden, so dichten sie sofort; bei warmen Stopfbüchsen wirkt die Dichtung noch präciser, weil die Ringe in der Wärme sich ausdehnen. Hierin liegt gerade der grosse Vortheil der Missel'schen Ringe anderen Systemen gegenüber, weil durch das Ausdehnungsvermögen der Ringe die Stopfbüchsen nur ganz leicht angezogen zu werden brauchen, wodurch ein leichter Gang der Maschine und Schonung der Stangen bedingt wird. Ein häufiges Nachziehen ist hier also sehr beschränkt. Die Ringe saugen im Verhältniss zu ihrer Fettabgabe das Oel wieder auf, welches die sich bewegenden Stangen aus der directen Schmierung mit sich führen.

Textabbildung Bd. 282, S. 80
Erweist sich das Anziehen später einmal nöthig, so kommen die Bänder in eine zweckdienliche Lage zur Stange. Die Bänder legen sich nur an einzelnen Stellen an die Stange und bilden so Vertiefungen, Fettrinnen, welche der Packung aus der directen Schmierung der Stangen Nahrung zuführen, die Dauerhaftigkeit sichern und gleichzeitig die Stangen fett erhalten. Missel's Patent-Stopfbüchsenpackung eignet sich sowohl für Pumpen (kalt und warm) als auch für Dampf, Säuren u.s.w. und soll dieselbe bereits in über 6000 Betrieben zur vollen Zufriedenheit iri Verwendung sein.

Bei Gelegenheit einer Sitzung der American Railway Master Mechanics Association wurde das Ergebniss einer vom genannten Verein veranstalteten Umfrage betreffs der Erfahrungen mit Stopfbüchsen mitgetheilt. Es ergab sich aus der Beantwortung der gestellten Fragen, dass die Ansichten über den Werth der verschiedenen Stopfbüchsenconstructionen noch sehr weit aus einander gehen. Wir begnügen uns damit, auf diesen Bericht, den Engineer vom 7. October 1887 brachte, hinzuweisen. Derselbe enthält Abbildungen verschiedener Stopfbüchsen und viele Betriebsangaben über die durchlaufene Weglänge, die Anlage- und die Unterhaltungskosten.

Die Dichtung der Kolben bei hydraulischen Pressen durch Ledermanschetten ist bekanntlich wenig haltbar.

Textabbildung Bd. 282, S. 80
Gegen das Durchdrücken der Liderung bei hydraulischen Pressen verwendet Wiechmann in Frankfurt a. M. einen Schutzring nach nebenstehender Fig. 31 (D. R. P. Nr. 51461 vom 11. October 1889). Der mehrtheilige Schutzring bildet an seiner unteren und oberen Fläche einen Kegel. Die gegen den Ring sich legende Lederstulpe zwingt denselben zum steten dichten Anschluss, indem sie ihn an den Kolben drückt. Ausserdem wird dadurch der unvermeidliche Zwischenraum zwischen Kolben und Cylinderwand abgeschlossen und ein Hineinzwängen der Lederstulpe vermieden.

(Fortsetzung folgt.)

Zugmesser zur Bestimmung des Zuges in Oefen, Schornsteinen und Windleitungen.

Mit Abbildung.

In der Thonindustriezeitung (Jahrg. 1891 S. 696) macht E. Cramer aus dem chemischen Laboratorium für Thonindustrie Mittheilungen über einen verbesserten Zugmesser, welche wir nachstehend auszüglich wiedergeben.

Der Zugmesser, ursprünglich von Scheurer-Kestner construirt und benutzt, ist soweit vereinfacht, dass jeder Arbeiter alle Schwankungen des Zuges sofort erkennen, und diesen mit Hilfe von Schiebern, Ventilen o. dgl. auf das vorgeschriebene Maass bringen kann.

Da wir die allgemeine Anordnung des Zugmessers bei unseren Lesern als bekannt voraussetzen, so können wir bezüglich der Neuerungen auf die Figur verweisen. Aus derselben ergibt sich, dass der Scala, um den Niveauunterschied hervortretender zu machen, eine Steigung von 1 : 10 ertheilt ist.

Textabbildung Bd. 282, S. 80
Auf Vorschlag A. Danneberg's in Görlitz wurde der Zugmesser dahin abgeändert, dass er sich selbsthätig wagerecht einstellt, indem der den Zugmesser tragende Blechkasten mittels eines Bügels auf einer Schneide aufruht, so dass er nach allen Richtungen frei beweglich ist. Der Kasten trägt auf seiner Oberseite einen durch eine Schraube mit durchgehendem Messingröhrehen versehenen Ansatz, welcher zur Einfüllung von Erdöl dient. Ueber das Messingröhrchen kann ein Gummischlauch gezogen werden, um die Verbindung herzustellen mit dem Punkte, an dem die Luftverdünnung gemessen werden soll. Die Glasröhre ist durch eine mit Längsschlitz versehene Metallröhre, das