Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

Beim Beginn der Saugperiode entweicht die durch oben erwähnte Compressionspumpe erzeugte Druckluft aus dem Rohre F, saugt dadurch eine regulirbare Quantität Erdöl an und zerstäubt dasselbe in der bekannten Art; gleichzeitig saugt die Maschine durch das Luftrohr H atmosphärische Luft an, der erzeugte Erdölstaub ist also gezwungen, die Rohre BB zu passiren und an den heissen Wandungen derselben zu verdampfen. Der Erdöldampf wird dann weiter durch das Rohr G dem Einlassventil zugeführt, dort mit der zur explosiblen Mischung nöthigen Luft vermengt, in das Innere des Explosionsraumes eingesaugt und in geeigneter Weise zur Entzündung gebracht.

Um die Maschine gleich vom ersten Hube ab mit gewöhnlichem Erdöl (Leucht- oder Lampenerdöl) arbeiten lassen zu können, wird der Boden K3 des Verdampfers durch eine besondere Erdölheizlampe oder andere Mittel stark angewärmt.

Das Erdöl verdampft dann im Anfang der Inbetriebsetzung nicht innerhalb der Röhren BB, sondern an dem heissen Boden K3.

Eine Vorrichtung zum Einführen und Verdampfen von Erdöl innerhalb des Arbeitcylinders nach der Construction von F. Dürr in München (* D. R. P. Nr. 57449 vom 28. October 1890) ist in Fig. 18 dargestellt.

Textabbildung Bd. 282, S. 99
Der Kanal b bildet die Verbindung mit dem Compressionsraum a des Motors. In der Zeichnung ist c das Luftventil, welches durch einen entsprechenden Mechanismus während der Ansaugeperiode offen gehalten wird. Ueber dem Ventil c ist ein Ventil e angeordnet, welches durch ersteres beeinflusst wird.

Hebt nun der Winkelhebel w das Ventil c beispielsweise um 10 mm und ist der Abstand des unteren cylindrischen Theiles von Ventil e nur 5 mm, so wird das Ventil e im Ganzen um 5 mm gehoben. Sowohl der konische Theil des Ventils e als der konische Theil des Ventilsitzes d haben je eine Nuth g, die bei geschlossenem Ventil das ringförmige Ende des Kanals ii bildet.

Ventil e wird von einer Feder auf den Sitz angepresst; Kanal ii findet seine Fortsetzung im Zuleitungsröhrchen r, welches mit einem höher liegenden Erdölgefäss in Verbindung steht.

Der Ventilstift e1 ist um Weniges kleiner als die Bohrung seines Gehäuses, bezieh. es ist eine ganz minimale Verbindung zwischen dem Ventilsitz und dem darunter liegenden Ventilteller c geschaffen, so dass beim jedesmaligen Heben von e Erdöl herab auf die obere Fläche des Luftventils c fliesst. Dieses wird auf dem Ventilteller s verdampft. Dieses Verdampfen tritt während des Ganges des Motors stets ein und wird beim Anlaufen des Motors durch Aufschütten und Anzünden von Spiritus in dem hohl gehaltenen oberen Theil des Ventils erreicht. So ist auf diese Weise eine Verdampfung erzielt, welche sich im Innern des Motors vollzieht. Während der Ansaugeperiode entsteht Vacuum, so dass nur Erdöl und Luft hereingezogen wird. Der Federdruck, welcher auf e lastet, ist so gehalten, dass er nie von dem Explosionsdrucke überwunden werden kann.

Da Auspuff- und Luftventil in entsprechender Entfernung neben einander liegen und beide von oben durch Abheben eines Deckels zugänglich sind, so kann das Aufschütten von Spiritus auf das Ventil c leicht dadurch bewerkstelligt werden, dass man den Deckel des Auspuffventils öffnet und durch eine zweckentsprechend geformte Kanne Spiritus auf das Ventil aufschüttet, denselben entzündet und den Deckel wieder schliesst, sobald das Ventil c heiss genug ist, was beim Heben des Luftventils mit der Hand leicht zu constatiren ist.

Es ist dabei gleichgültig, ob Spiritus daneben fliesst, da ein weiteres Erwärmen des Ventilgehäuses nur vortheilhaft ist. Denn es tritt dann nicht so leicht eine Condensation des verdampften Erdöls bei Beginn der Arbeit ein.

Für Vergaser und Zündvorrichtung bringen J. D'Heyne, Comte de Nydprück und J. de la Hault in Brüssel (* D. R. P. Nr. 55035 vom 2. Juli 1889) nur eine Heizflamme in Vorschlag, siehe Fig. 19.

Textabbildung Bd. 282, S. 99
Die im Cylinderboden sitzende Zünd- (Platin-) Kapsel wird in unmittelbare Verbindung mit der Wandung des Feuerrohres gesetzt und um dasselbe Feuerrohr eine zweite Rohrleitung geführt, welche bestimmt ist, das Erdöl vom Behälter nach dem Motorcylinder zu bringen. Die Flamme des Oeldampfbrenners durchströmt alsdann das Feuerrohr und bringt dessen Wandung auf eine ungemein hohe Temperatur. In Folge dessen wird zunächst die erstgenannte Rohrschlange hoch erhitzt und das darin befindliche Brenneröl verdampft, weiter wird die eingesetzte Platinkapsel andauernd geglüht und endlich auch das durch die zweite Rohrschlange geleitete Oel stark erhitzt, um als Dampf in den Explosionsraum des Motorcylinders zu treten.

Abgesehen davon, dass durch Anwendung des Feuerrohres es möglich wird, die Zündkapsel für den Cylinder des Erdölmotors unmittelbar in die Lampe einzufügen und der letzteren eine zweite Nutzrohrschlange zu geben, erhöht dasselbe den Werth der Lampe noch anderweitig. Einmal verhindert das Feuerrohr eine Beschädigung der Brennerrohrschlange von Seiten der heissen durchströmenden Flamme und kann – selbst widerstandsfähiger – leicht ausgewechselt werden. Ausserdem ergibt das Feuerrohr einen Zugkanal zum Ansaugen der Verbrennungsluft, vergrössert auch die Heizfläche, welche zur Erlangung und Aufrechterhaltung der für die Verbrennung erforderlichen Oelhitze dienlich ist, und ermöglicht insgesammt eine ausgezeichnete blaue Flamme bis zu einem Hitzegrad von 1400° bis 1500°.

Um ein Feuerrohr A ist die aus einem engen Rohr gebildete Schlange B gewunden, deren eines Ende G derart