Text-Bild-Ansicht Band 282

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zu machen. Man kann wohl annehmen, dass bei einer guten Condensation ein gutes Viertel des Brennmaterials erspart werden kann, gegenüber den Auspuffmaschinen. Eine solche Ersparniss ist aber in vielen Fällen für den Betrieb einer Anlage von entscheidender Wichtigkeit.

Das Haupthinderniss gegen die allgemeine Einrichtung der Condensationsanlagen war bisher die Beschaffung des Kühlwassers, dessen Kosten den Vortheil der Condensation in vielen Fällen weit übersteigen.

Um diese Schwierigkeiten zu vermeiden, sind vielfach Anstrengungen gemacht worden, die Verwendung des Kühlwassers durch andere Verfahrungsweise zu umgehen.

Ein Verfahren, welches sich in kurzer Zeit sehr gut eingeführt hat, ist das Patent Klein (D. R. P. Nr. 57020 vom 20. April 1890), welches von der Maschinen- und Armaturfabrik Klein, Schanzlin und Becker in Frankenthal (Pfalz) ausgeführt wird. Eine solche Anlage war bei Gelegenheit der Frankfurter Ausstellung in Betrieb und wurde dort vom Referenten in Augenschein genommen, wobei derselbe die dem Systeme zugeschriebenen Vortheile bestätigt fand.

Doch lassen wir den Erfinder selbst reden, indem wir einen von demselben in der Versammlung des Pfalz-Saarbrückener Bezirksvereins deutscher Ingenieure am 5. Juli 1891 gehaltenen Vortrag hier folgen lassen.

„Seit einigen Jahren sind die Kohlenpreise so erheblich gestiegen, dass man allerwärts bestrebt ist, den Dampfverbrauch von Maschinen durch Anbringung von Condensationen möglichst zu verringern. Früher ging man meist nur darauf aus, Niederdruckmaschinen mit Condensation zu versehen. Es ist leicht ersichtlich, dass eine Maschine, welche mit 2 bis 3 at Dampfdruck arbeitet, einen erheblichen Vortheil bringen muss, wenn dabei etwa ¾ at durch das Vacuum gewonnen werden. Bei Hochdruckmaschinen von 5 bis 6 at Spannung mit grosser Füllung ist der Vortheil der Condensation nicht sehr gross und man sah meistentheils von der Anlage derselben ab. In neuerer Zeit werden aber die Dampfmaschinen mit Dampf von ganz hoher Spannung (7 bis 12 at) und mit starker Expansion, 12- bis 20fach, betrieben. Bei diesen Maschinen ist der Gewinn, welcher durch die Condensation erzielt wird, ein sehr bedeutender. Dies ist sofort verständlich bei näherer Betrachtung eines entsprechenden Diagramms.

Die Arbeit, welche die Maschine verrichtet, ist proportional der Fläche des eingeschlossenen Diagramms. Es zeigt sich in vielen Fällen, dass die Fläche unterhalb der atmosphärischen Linie ungefähr 65 Proc. von derjenigen oberhalb benannter Linie beträgt. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass eine Auspuffmaschine mit etwa 0,25 at gegen die Luft arbeitet. Bei Abzug des Kraftverbrauchs für die Luftpumpe ergibt sich bei sehr guten Maschinen thatsächlich eine Ersparniss von 35 Proc. Meine Firma hat gegenwärtig eine Condensationsanlage für Oppenheim und Co. in Hannover auszuführen, für welche Maschine ein Dampfverbrauch von 7 k für die Stunde und garantirt ist, während die Maschine vorläufig mit Auspuff arbeiten muss und thatsächlich 1 l k braucht.

Hieraus geht hervor, dass die Anwendung von Condensationen in gegenwärtiger Zeit ausserordentlich wichtig ist. Wenn man trotzdem in der Praxis weitaus die meisten Maschinen mit Auspuff arbeiten sieht, so liegt der Grund darin, dass das Einspritzwasser für die Luftpumpe in der Regel nicht in hinreichender Menge zu beschaffen ist. Man braucht nämlich als Einspritzwasser das 30fache des entsprechenden Speisewassers. Für Maschinen bis zu 100 lässt sich meistens das Kühlwasser aus Brunnen holen; sobald aber mehr als 20 cbm in der Stunde benöthigt werden, so reichen Brunnen nicht mehr aus, und man muss alsdann fliessendes Wasser verwenden, oder das Abwasser der Condensation künstlich kühlen. Das Flusswasser ist oft sehr unrein und bringt Reiser und Lappen in die Luftpumpe, wodurch häufig Brüche in der Luftpumpe entstehen. Auch in Fällen, wo Brunnen grosse Wassermengen ergeben, lässt sich Condensation dann nicht anwenden, wenn die Kanalisation nicht in der Nähe des Maschinenhauses vorbeigeht, oder ein polizeiliches Verbot, heisses Wasser in die Kanalisation laufen zu lassen, besteht. (Letzteres ist z.B. in Berlin und Paris der Fall.)

Textabbildung Bd. 282, S. 103
Wasserleitungswasser kommt zu theuer, als dass man es bei Condensation verwenden könnte. Wenn nun das Kühlwasser in der Nähe des Maschinenhauses nicht zu haben ist, baute man besondere Pumpstationen, die das Wasser in einer besonderen Leitung nach dem Maschinenhause (und manchmal wieder zurück) führen. Eine solche Anlage besteht bei der elektrischen Centralstation in Wien, bei welcher Wasser von der Donau mittels Centrifugalpumpen, betrieben durch einen Elektromotor, nach dem Maschinenhaus gefördert wird. Solche Anlagen werden aber sehr theuer und verzehren einen grossen Theil der Ersparniss der Condensation. Bei Spinnereien und Hüttenwerken legte man grosse Kühlteiche an, in welche das Abwasser der Condensation geleitet wird, und aus denen