Text-Bild-Ansicht Band 282

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es die Luftpumpe wieder ansaugt. Das Wasser wird aber in solchen Teichen im Sommer sehr warm und das Vacuum sinkt in dieser Zeit bis auf 40 cm Quecksilbersäule. Auch ist die Anlage der Teiche wegen der nöthigen Betonirungen sehr theuer und kostete z.B. eine solche für eine 1250pferdige Maschine der Spinnerei Hof 70000 M. In manchen Fällen pumpt man das Abwasser der Luftpumpe erst auf eine Höhe von 15 m, wie z.B. bei der Julienhütte in Schlesien, und lässt es dann durch eine grosse Anzahl von Streudüsen über dem Weiher zerstäuben (vgl. 1890 276 430). Es wird aber hierbei ein erheblicher Theil des Wassers durch die Luftströmung fortgetragen und ausserdem ist eine solche Anlage kostspielig.

Textabbildung Bd. 282, S. 104
In manchen Fällen wendet man Thalsperren an, wie z.B. bei dem Hochofenwerk in Redingen, wo das Regen- und Schneewasser für lange Zeit angesammelt wird. Eine solche Anlage ist ebenfalls theuer und hat manchmal noch den Nachtheil, dass das Niveau ungünstig liegt, so dass z.B. in Redingen das Wasser noch 25 m zur Luftpumpe gehoben werden muss. Vielfach verwendet man auch Gradirwerke aus Hecken und Latten und findet man solche bei dem Bochumer Verein für eine 1500pferdige Maschinenanlage in den Dimensionen von 60 m Länge, 8 m Breite und 8 m Höhe und bei der Luftdruckanlage von Popp in Paris bei einer 1500pferdigen Maschinenanlage in den Dimensionen von 40 m Länge, 7 m Breite und 7 m Höhe. Diese Gradirwerke belästigen die Nachbarschaft durch den Dunst und den feinen Regen, welcher je nach der Windrichtung auf eine Breite von 6 m die Umgebung befeuchtet.

Es finden sich in einer alten belgischen Zeitschrift Traité de la chaleur par E. Péclet, Paris 1843, Apparate zur Kühlung beschrieben, welche darauf beruhen, dass Blechscheiben oder rotirende Drahtcylinder in eine Flüssigkeit eintauchen und dann der Luft oder einem Luftstrom ausgesetzt werden, wobei ein Theil der Flüssigkeit verdunstet und eine Abkühlung des Restes erfolgt. Prof. Linde hat solche Apparate dadurch vervollkommnet, dass er viele runde Blechscheiben auf eine Welle setzt und dieselbe zu einem Drittel in Flüssigkeit eintaucht und durch einen offenen Flügel Luft mit massiger Geschwindigkeit vorbeitreibt. Durch die Umdrehung benetzen sich die Scheiben mit Flüssigkeit, Theisen (1888 267 * 586) hat diese Apparate dadurch wirksamer gemacht, dass er die rotirende Scheibe in einem Gehäuse einschliesst und Luft mit grosser Geschwindigkeit durch einen Schraubenventilator an den rotirenden Scheiben vorbeibläst. Die beiden letzteren Apparate haben den Nachtheil, dass die bewegte Luft zu rasch an den verhältnissmässig kurzen Flächen vorbeizieht, und dass stets trockene Kerne in der bewegten Luft bleiben, welche keine Gelegenheit haben, zu kühlen, oder Flüssigkeit aufzunehmen.

Textabbildung Bd. 282, S. 104
Vor zwei Jahren liess ich wegen der theueren Kohlen an einer eigenen 70 -Maschine Condensation anbringen. Das Einspritzwasser sollte einem 3 m weiten Brunnen entnommen werden. Bei Inbetriebsetzung der Maschine zeigte es sich, dass der Wasservorrath im Brunnen nur auf 10 Minuten ausreichend war. Alle Versuche, den Brunnen durch Bohrröhren ergiebiger zu machen, waren erfolglos. Die Anlage war einmal da und ich war bestrebt, das Abwasser der Luftpumpe zu kühlen und wieder verwendbar zu machen. Ich ging von der allgemein bekannten Wahrnehmung aus, dass, wenn man Wasser in grossen Schichten ausbreitet, und Luft anhaltend daran vorbeibläst, man eine starke Abkühlung erzielt. Ich liess nun aufs Gerathewohl einen Kasten von 1900 mm Länge, 1300 mm Breite und 7500 mm Höhe herrichten, hängte in denselben 26 Bretterwände in Abständen von 10 cm und liess das heisse Wasser zu beiden Seiten an all diesen Bretterwänden niederrieseln, während ich von unten durch einen Schrauben Ventilator von 1200 mm Durchmesser einen starken Luftstrom einführen liess (Fig. 1).

Der Erfolg war überraschend.

1) Es wurde kein Zusatz von frischem Kühlwasser mehr benöthigt.