Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

zu grossen Anzahl von Sprechstellen je zwei Beliebige mit einander sprechen können, ohne dass jedoch eine besondere Centralstelle mit einem durch einen Beamten zu bedienenden, oder einem von den Sprechstellen aus in Thätigkeit zu versetzenden (vgl. 1882 245 434. 1891 281 * 162) Umschalter eingerichtet werden soll, so lassen sich dazu die Liniekwähler von Mix und Genest (vgl. 1891 279 * 85) gebrauchen. Auch ein von Groos und Graf in Berlin ausgestellter Linienumschalter macht die Anlage einer Centralstelle unnöthig.

Textabbildung Bd. 282, S. 113
Auch die Einrichtungen für städtische Telephonnetze sind in der Ausstellung vertreten. Das Reichspostamt hat die in den zum Theil höchst umfangreichen städtischen Anlagen seines Verwaltungsgebietes benutzten Apparate, Apparatgehäuse, Klappenschränke u.s.w. in der Halle für Telegraphie und Telephonie vorgeführt, darunter auch einen der seit ein Paar Jahren benutzten Vielfachumschalter (Multiplexumschalter), welcher von der Telegraphenapparatfabrik E. R. Welles in Berlin (vgl. auch D. R. P. Kl. 21 Nr. 53869 vom 13. Juni 1889) ausgeführt, jedoch amerikanischen Ursprunges ist. Die Actiengesellschaft Mix und Genest hat ebenfalls einen Vielfachumschalter ausgestellt, welcher als eine Fortbildung desjenigen von Oesterreich (vgl. 1889 271 * 407 und * 579) anzusehen ist und später eingehender beschrieben werden soll. In gleicher Weise hat die Direction der bayerischen Posten und Telegraphen ihre in vielen Stücken eigenartigen Telephoneinrichtungen zur Schau gebracht und es zieht unter diesen namentlich der Telephonumschalter von Reiner für einfache und doppelte Telephonleitungen, welche zwei Städte mit einander verbinden, die Aufmerksamkeit auf sich; bei demselben werden für den Empfang des Schlusszeichens eigenthümliche, solenoidartige, mit zwei Quecksilbercontacten ausgerüstete Relais von geringem Widerstände, geringer Selbstinduction und hoher Empfindlichkeit angewendet, mittels deren ein Localstromkreis durch eine Signalklappe geschlossen wird; die Schaltungsskizze dieses Umschalters hängt an der Wand. Ferner ist von dieser Direction eine Telephonstation mit den von F. van Rysselberghe (vgl. 1884 254 182. 1887 263 586. 264 * 269. 1890 276 528) angegebenen, in Bayern zwischen Nürnberg und Bamberg benutzten Einrichtungen zur Schau gestellt worden, welche gestatten, denselben Leitungsdraht gleichzeitig zum Telegraphiren und Telephoniren zu benutzen.

Mix und Genest haben auch ihren erst in jüngster Zeit entstandenen Telephonautomat an 10Stellen innerhalb der Ausstellung zur Benutzung bereitgestellt, mittels dessen die Musikübertragung vom Frankfurter Opernhause und den zwei Musikpavillons des Ausstellungsraumes genossen werden kann. Auf die Einrichtung dieses Apparates, der dazu bestimmt ist, an öffentlichen Fernsprechstellen den Telephonverkehr ohne Beihilfe einer dritten Person gegen das Einwerfen eines bestimmten Geldstückes zu gestatten, gedenken wir später zurückzukommen.

Textabbildung Bd. 282, S. 113
Endlich bietet die Ausstellung auch noch Gelegenheit, die telephonischen Fernwirkungen kennen zu lernen. Bei den dazu hergestellten Anlagen handelt es sich um die Beschaffung musikalischer Genüsse aus der Ferne. Es liegt ja zwar ein grosser Zauber in solchen Genüssen aus der Ferne, doch geht meist durch die telephonische Uebermittelung ein grösserer oder kleinerer Theil des eigentlichen Zaubers in dem an Ort und Stelle Dargebotenen verloren. Die das Mithören der an fernen Orten stattfindenden musikalischen Aufführungen ermöglichenden telephonischen Empfänger befinden sich in besonderen, dazu eingerichteten Räumen in der Halle für Telegraphie und Telephonie; für jeden Hörer wird in diesen Räumen ein Telephonpaar bereitgehalten und setzt die ihm von den im Aufführungsraume aufgestellten Sendern zugeführten elektrischen Wirkungen wieder in Tonwirkungen um. Unter den in der Ausstellung vorhandenen Anlagen steht obenan die von J. Berliner, welche eine 450 km lange staatliche Telephonleitung benutzt, um aus München die Klänge der Hofoper und der dortigen Löwenbräu-Militärconcerte in Frankfurt wiederertönen zu lassen. Deckert-Homolka lassen mit Hilfe ihres unter Nr. 49938 in Deutschland patentirten Spitzenmikrophons die Musik aus Wiesbaden und Bockenheim in Frankfurt wiedererklingen, Mix und Genest aber machen, wie bereits erwähnt wurde, die Frankfurter Oper in der Ausstellung hörbar. Hieran wäre noch die Erwähnung des lautsprechenden Telephons anzuschliessen, mittels dessen Siemens und Halske in einem geschlossenen Raume auf der anderen Seite der Halle für Telegraphie und Telephonie einer Anzahl von in massiger Entfernung von dem Telephon sitzenden Personen das hörbar machen, was in einem anderen, entfernten Raume gesprochen, gesungen oder gepfiffen wird.