Text-Bild-Ansicht Band 282

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In Bezug auf die Ausführungsweise der telephonischen Apparate selbst muss noch auf eine Neuerung hingewiesen werden, welche J. Berliner in Hannover an seinen Mikrophonen (vgl. 1887 266 * 245) zur Anwendung bringt. Das Mikrophon, dessen schwingende Platte aus Kohle und Glimmer hergestellt ist, enthält in einer Büchse in den ringförmigen Vertiefungen eines Kohlenblockes Kohlenpulver; die Befestigungsschraube, an welcher zugleich die Batteriezuführungen angebracht sind, wird so angeordnet, dass sie ganz bequem ein Drehen des Mikrophons um diese Schraube in einer lothrechten Ebene gestattet, wodurch verhütet werden soll, dass sich das Pulver mit der Zeit in den Vertiefungen festpacke. Bei den Berliner'schen Mikrophonen wird übrigens das Mundstück gewöhnlich nicht aus Hartgummi, sondern aus Weichgummi hergestellt, da ja auch das menschliche Ohr weich ist.

C. Th. Wagner in Wiesbaden hat seinen ausgestellten, beim Telephoniren zum Rufen zu benutzenden Magnetinductoren eine Einrichtung zu geben gewusst, dass dieselben in Stromkreisen mit 2500 Ohm noch kräftig läuten.

Und schliesslich seien von den telephonischen Ausstellungsgegenständen noch die einen eigenthümlichen Eindruck machenden Telephon-Ausrüstungsstücke erwähnt, welche J. Lechner aus Frankfurt a. M. in ziemlich reicher Anzahl und grosser Mannigfaltigkeit in einem Wandschranke ausgestellt hat; dieselben sind anscheinend als Schaustücke und vielleicht als Unterrichtsmittel zu dienen bestimmt und sind ganz sauber ausgeführt, zum Theil aber doch etwas zu niedlich ausgefallen.

IV.

An die Telegraphenanlagen für häusliche und städtische Zwecke schliesst sich naturgemäss die Feuerwehrtelegraphie an. Die aus diesem höchst wichtigen Gebiete in der Ausstellung – u.a. von Siemens und Halske, Mix und Genest, Naglo, J. Neher Söhne in München, O. Schöppe in Leipzig, Heller in Nürnberg, Zander in Frankfurt a. M. – vorgeführten Gegenstände sind sehr zahlreich; sie vertreten zwar ganz ausgiebig die verschiedenen Arten sowohl der selbsthätigen, wie auch der nicht selbsthätigen Feuermelder, viel Neues findet sich aber in ihnen nicht. Bei den neueren Feuermeldern1) von C. und F. Fein in Stuttgart (vgl. auch 1877 226 427) wird der Meldende nicht bloss durch den Ausschlag einer Galvanometernadel, sondern auch durch ein Glockensignal von der Feuerwache her benachrichtigt, dass sein Ruf und seine Meldung dort verstanden worden ist. Ferner soll in der Feuerwache durch eine Hochdruckturbine eine mit letzterer unmittelbar gekuppelte Dynamo in Umdrehung versetzt werden, welche den Strom für eine beliebige Anzahl von Elektromotoren liefern kann und durch deren Räderwerk auf den Dächern der Häuser aufgestellte (vgl. 1880 237 * 41) Läutewerke mit Glocken von 500 mm Durchmesser in Thätigkeit versetzt. Die Feuermelder sind in zuverlässigen gusseisernen Gehäusen untergebracht, so dass sie ohne Bedenken im Freien aufgestellt werden können. Der in Fig. 14 abgebildete trägt oben eine durch ein Glühlicht zu erhellende rothe Glaskugel mit der schwarzen Inschrift „Feuermelder“. Zur Oeffnung der Thüren der Feuermelder bei einer nothwendig werdenden Meldung werden numerirte Schlüssel vertheilt, die jedoch nach dem Oeffnen der Thür nicht mehr ohne weiteres aus dem Schlosse herausgezogen werden können, sondern nur mit Hilfe eines in den Händen der Feuerwehr oder Polizei befindlichen zweiten Schlüssels. Da man so stets erfährt, wer die Meldung gemacht hat, ist ein Missbrauch des Melders wenig zu befürchten. Zum Alarmiren der Führer und Hornisten der Feuerwehr dienen Wechselstromglocken von 12, 16 und 25 cm Durchmesser; die beiden ersteren sind mit Zeichenscheiben versehen und lassen bei der Bewegung des Klöppels das Wort „Feuer“ Sichtbarwerden, das beim Ziehen an einer seitlich angebrachten Schnur wieder verschwindet. Die schon aus dem Jahr 1875 stammende u.a. auch für Feuerwehrzwecke verwendbare Lärmkanone mit elektrischer Auslösung hatte Fein ebenfalls ausgestellt; das Rohr derselben ist um eine wagerechte Achse drehbar und mit dem hinteren Ende schräg nach oben gerichtet, fällt aber nach erfolgter Auslösung durch einen elektrischen Strom herab und dabei feuert das auf einen Stift aufschlagende Zündhütchen den Schuss ab.

Textabbildung Bd. 282, S. 114
Nun mögen einige Bemerkungen über die Nothsignaleinrichtungen für Maschinenanlagen folgen und der elektrischen Abstellvorrichtungen gedacht werden. Bei den meisten der ausgestellten Apparate – wie z.B. bei dem von Mix und Genest in Berlin (vgl. 1888 267 256) und bei dem von Fein (vgl. 1888 270 * 256) – werden eine Anzahl von Druckknöpfen in den verschiedenen Fabrikräumen aufgestellt und von diesen wird bei Eintritt eines Unfalls der nächstliegende zur Entsendung eines Signalstromes nach dem Maschinenraume benutzt. Von diesen Apparaten unterscheidet sich wesentlich und zwar durch das Vorhandensein einer selbsthätigen Contactmachung der in Fig. 15 abgebildete sehr einfache Apparat, welchen J. Berliner in Hannover und auch Stöcker und Co. in

1)

Ueber die ebenfalls ausgestellten älteren Fein'schen Feuermelder von 1875 und 1879 vgl. * S. 99, * 182 und * 189 des 1888 267 48 erwähnten Buches.