Text-Bild-Ansicht Band 282

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Leipzig-Plagwitz in der Halle für Telegraphie und Telephonie zur Schau gestellt haben. Berliner liefert solche Apparate schon seit 1885. hat aber deren Zuverlässigkeit neuerdings durch Hinzufügung einer Controlvorrichtung zur Prüfung der Leitungen erhöht. Die mit „Nothsignal“ beschriebene Büchse ist durch einen Glasdeckel abgeschlossen, welcher einfach mit dem an der Büchse hängenden Hammer durchzuschlagen ist, wenn eine rasche Abstellung der Dampfmaschine sich nöthig macht. Beim Zerschlagen der Glasplatte wird der Stift frei, der bisher von der Glasplatte zurückgehalten wurde und nun den Stromweg zu einem Lärmapparate schliesst. Die Contacttheile sind so massig ausgeführt, dass eine Beschädigung derselben durch den Schlag nicht zu befürchten ist. Wird ein Controlschlüssel auf einen Dorn in der Büchse gesteckt, so lässt sich durch ihn ein in der Büchse angebrachter Contactflügel so weit drehen, dass er ebenfalls die Leitung schliesst und bei guter Leitung also die Lärmglocke ertönen muss.

Es wird nicht überflüssig sein, wiederholt auf die Vorzüge des Ruhestrombetriebes bei allen derartigen Einrichtungen hinzuweisen; man erkauft bei demselben durch den grösseren Batterie aufwand eine erhöhte Zuverlässigkeit der Anlage, weil sich gewisse Leitungsstörungen sofort bei ihrem Auftreten selbsthätig kund geben. In der Ausstellung waren ferner auch mehrere elektrische Einrichtungen (z.B. von Schöppe in Leipzig, die Frederking's) zur Anschauung gebracht, mittels deren von irgend einem Fabriksraume aus im Falle des Bedarfs die Transmission abgekuppelt bezieh. die Dampfmaschine selbst zum Stillstand gebracht werden soll.

Textabbildung Bd. 282, S. 115
Eine ganz eigenartige Aufgabe ist dem Schiffs-Commando-Telegraphen von Siemens und Halske gestellt, welcher aus dem Capitänsapparate, dem Steuermannsapparate und einer selbsthätigen Contactvorrichtung besteht und welcher seinen Platz in der Mainausstellung angewiesen erhalten hat. Mittels dieses Telegraphen soll der Capitän eines grossen Schiffes befähigt werden, dem Steuermann telegraphisch Weisungen über die Steuerung zu ertheilen, jenem aber zugleich auch darüber Auskunft überbracht werden, ob der Steuermann wirklich diesen Weisungen nachkommt. Demgemäss bildet dieser Telegraph eine Verwachsung zweier von einander unabhängiger Telegraphen und es tritt zu den eben zuerst genannten beiden Theilen noch der selbsthätig und im Verborgenen arbeitende dritte hinzu. Der Capitänsapparat wird auf der Commandobrücke aufgestellt und enthält in einer Büchse den Geber des die Befehle übermittelnden Telegraphen und zugleich einen Empfänger des Antworttelegraphen. Der Steuermannsapparat enthält in einer gemeinschaftlichen Büchse den Empfänger des Befehlstelegraphen und ebenfalls einen Empfänger des Antworttelegraphen, der Geber des letzteren aber ist durch eine Kette ohne Ende so mit dem Steuerruder verbunden, dass er bei jeder Drehung des Ruders von selbst in Thätigkeit tritt. Will der Capitän den Steuermann zu einer Aenderung der Steuerstellung veranlassen und ihm vorschreiben, unter wie viel Grad er von jetzt ab steuern soll, so dreht er mittels einer Kurbel einen schwarzen Zeiger in seinem Apparate in der einen oder in der anderen Richtung so lange, bis der Zeiger auf den betreffenden Grad zu stehen kommt. Dabei werden nun zugleich mittels eines geeigneten Contactmachers Ströme der Reihe nach in vier verschiedene nach dem Steuermannsapparate laufende und mit einem gemeinschaftlichen Rückleiter versehene Drähte entsendet und jeder Strom durchläuft in dem Empfänger einen besonderen Elektromagnet; in welcher Reihenfolge aber diese Ströme den vier Elektromagneten aus den vier Leitungen zugeführt werden, das hängt von der Richtung ab, in welcher der Capitän seinen schwarzen Zeiger dreht, und bedingt zugleich auch die Drehungsrichtung eines schwarzen Zeigers im Empfänger. Jeder der vier Elektromagnete wirkt nämlich bei dem durch den Strom veranlassten Anziehen seines Ankers mit einem Sperrkegel auf die Zähne eines Sperrrades, und es sind die vier Elektromagnete gegen das auf seiner Achse den erwähnten schwarzen Zeiger tragende Sperrad so gestellt, dass stets einer der vier Sperrkegel voll in einer Zahnlücke liegt, der ihm gegenüber befindliche aber gerade auf der Spitze eines Zahnes. Der zuerst genannte Sperrkegel ist es, dessen Elektromagnet zuletzt von einem Strome durchlaufen worden ist; der nächste Strom ferner wird seinen Weg durch den Elektromagnet entweder des dritten oder des vierten Sperrkegels nehmen, welche in den Zwischenräumen zwischen den beiden ersteren angeordnet sind und zur Zeit auf den Flanken zweier Zähne des Sperrades aufliegen und zwar so, dass der eine beim Durchströmen seines Elektromagnetes das Sperrad und den schwarzen Zeiger des Empfängers nach links herum, der andere dagegen nach rechts herum dreht. Bei jedem vom Capitän gegebenen Befehl ertönt zugleich beim Steuermann eine Glocke, welche dessen Aufmerksamkeit auf den Telegraphen lenkt.

Sieht nun der Steuermann das Fortschreiten des schwarzen Zeigers, so dreht er dementsprechend sofort das Steuerruder und dabei entsendet zugleich der durch die Kettenübertragung mit dem Steuerruder verbundene Geber des Antworttelegraphen selbsthätig eine entsprechende Folge von Strömen von einer zweiten Batterie in einem zweiten nach dem Steuermannsapparate und nach der Commandobrücke laufenden Satz von vier Drähten, welche ebenfalls eine gemeinschaftliche Rückleitung besitzen. Diese Ströme nun veranlassen in ähnlicher Weise das der Steuerbewegung angepasste Fortrücken eines gelben Zeigers in den beiden Empfängern des Steuermanns und des Capitäns. Diese beiden. Zeiger bewegen sich auf dem Zifferblatte etwas oberhalb der schwarzen Zeiger; ihre Drehachse fällt mit derjenigen der schwarzen zusammen. Nähert sich der gelbe Zeiger dem schwarzen, langt er schliesslich wieder über demselben an und verdeckt ihn, so erkennen Steuermann und Capitän, dass der gegebene Befehl richtig ausgeführt wird bezieh. ausgeführt worden ist. Wie die vom Capitän entsendeten Ströme ausser dem Glockenelektromagnete