Text-Bild-Ansicht Band 282

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und Druckfestigkeit nach 27 Tagen (16 und 160 k) werden, wie aus der Tabelle I hervorgellt, bei den meisten Gewichtstheilmischungen noch erheblich überschritten, dagegen werden bei Raumtheilmischungen die Normen nur von Portlandcementen sicher erreicht.

Von den Schlackencementen hatte nur Nr. II die Normen erfüllt. Es geht also aus den Versuchen hervor, dass die Ergebnisse der Prüfung von Schlacken- und Romancementen nach den Normen für Portlandcemente nicht als ausschlaggebend für die Verwendung der ersteren im Vergleiche mit den letzteren angesehen werden dürfen.

In der Praxis macht sich häufig bei den Cementprüfungen, welche auf dem Erhärten der Probekörper in Wasser von Zimmertemperatur beruhen, ein Uebelstand bemerkbar, welcher in der langen Dauer der Erhärtungszeit (7 und 28 Tage) in kaltem Wasser beruht, und welcher schon früher das Bedürfniss nach einer schneller ausführbaren und im Wesentlichen gleich zuverlässigen Prüfungsmethode hervorgerufen hatte. Ein solches Mittel hatte man in der Anwendung der Wärme auf die erhärtenden Probekörper gefunden. Neuerdings hat nun M. Deval (vgl. 1891 280 182 und Thonindustrie-Zeitung, 1891 Nr. 21 S. 384 ff.) Versuche, Cementkörper mittels heissen Wassers zu prüfen, mitgetheilt, deren Resultate H. Le Chatelier der Société d'encouragement in ausführlicher Weise berichtet hat.

Die Schlussfolgerungen können kurz in folgende Sätze zusammengefasst werden: Gute Cemente und hydraulische Kalke geben bei der Erhärtung in kaltem, wie in heissem Wasser annähernd dieselben Resultate. In heissem Wasser erhärtet zeigen die Körper meist nach 2 und 7 Tagen die entsprechenden Festigkeiten wie die in kaltem Wasser erhärteten nach 7 bezieh. 28 Tagen. Producte, welche freien Aetzkalk enthalten und eine Kaltwasserprüfung aushalten; ja oft anfangs trügerische, zu hohe Resultate zeigen und nach längerer Zeit dann „treiben“, werden mittels der Heisswasserprüfungen dadurch entdeckt, dass sie anfangs nicht die entsprechend hohe Festigkeit im Vergleiche zu den im kalten Wasser geprüften Körpern zeigen oder bei grösseren Mengen freien Aetzkalkes oft gänzlich zerfallen. Cemente, welche puzzolanartige Bestandtheile enthalten, die bei Kaltwasserprüfungen sich indifferent zeigen, geben bei Prüfung in heissem Wasser (80° C.) alsbald die volle, definitive Festigkeit. Für natürliche Cemente und Materialien, deren Controle in Bezug auf ihre Bestandtheile nicht in der Hand des Fabrikanten liegt, wie beim Portlandcement, sind Heisswasserprüfungen sehr am Platze.

Le Chatelier erwähnt zum Schlusse, dass es nicht empfehlenswerth sein würde, die Heisswasserprüfungen nun gänzlich an die Stelle der üblichen Prüfung zu setzen, sondern schlägt vor, beide neben einander auszuführen, nicht etwa um festzustellen, ob eine gewisse Beziehung zwischen beiden existire, sondern einfach um Gelegenheit zu haben, die Fabrikationsbedingungen und das endgültige Verhalten solcher Cemente zu studiren, welche, nach beiden Methoden geprüft, verschiedene Resultate geben. Selbstverständlich müssen auch bei Ausführung der Heisswasserprüfungen an Stelle der langwierigeren Kaltwasserprüfungen die übrigen Untersuchungen der Cemente auf Abbindezeit, Volumenbeständigkeit u.s.w. beibehalten werden.

Ein ähnliches Verhalten, wie die freien Aetzkalk enthaltenden Cemente gegen heisses Wasser von 80° C. zeigen, gibt sich auch bei dem Aufbewahren solcher Cemente in Meerwasser kund. Ist der Aetzkalkgehalt beträchtlich, so tritt in beiden Fällen schon nach 2 bis 7 Tagen ein Zerfallen der Probekörper auf. Guter Portland- und Romancement steht in heissem Wasser, wie im Meerwasser. Um festzustellen, welches das zerstörende Agens im Meerwasser ist, stellte ich folgende Versuche an:

Ich brachte reinen Schlackencement, welcher angemacht, in Probekörper geformt und 24 Stunden an der Luft gelegen war, 1) in Frischwasser, 2) in natürliches Meerwasser und 3) in eine Lösung der Salze, welche sich im Meerwasser vorwiegend finden: NaCl und MgSO4. Die Lösung war jeweils 2procentig; waren Kochsalz und Bittersalz gleichzeitig darin enthalten, so enthielt dieselbe 1 Proc. NaCl und 1 Proc. MgSO4. Die Resultate sind aus folgender Tabelle II ersichtlich:

Tabelle II.

Cement bestehend
aus

Lösung enthaltend
Beobachtung nach
7 Tagen
1


2
3
Hochofenschlacke
der Tees Bridge Iron
Works 75 Proc.
Gelöschter
Kalk 25 Proc.

MgSO4 1 Proc.
+ NaCl 1 Proc.
NaCl 2 Proc.
MgSO4 2 Proc.


Körper treiben
„ stehen
„ zerfallen

4
5
6
Hochofenschlacke
der Tees Bridge Iron
Works 75 Proc.
Gelöschter
Kalk 25 Proc.

NaCl 2 Proc.
MgSO4 2 Proc.
MgSO4 1 Proc.
+ NaCl 1 Proc.

„ stehen
„ zerfallen

„ treiben


7
Hochofenschlacke
der Tees Bridge Iron
Works 75 Proc.
Gelöschter
Kalk 25 Proc.


Natürliches Meerwasser


„ stehen
8
9
10

11
Hochofenschlacke
der Firma Wilson
und Pease 75 Proc.
Gelöschter
Kalk 25 Proc.
NaCl 2 Proc.
MgSO4 2 Proc.
NaCl 1 Proc.
+ MgSO4 2 Proc.
Natürliches Meerwasser
„ stehen
„ zerfallen

„ treiben
„ stehen

Die Cemente 1 bis 11 zeigten, im Frischwasser erhärtet, die Eigenschaften guter Schlackencemente in Bezug auf Festigkeit u.s.w.

Nach 3 Monaten zeigte sich, dass nur die in reiner Kochsalzlösung erhärteten Probekörper ihre volle, der Erhärtung in Frischwasser entsprechende Festigkeit behalten hatten, während auch die in natürlichem Meerwasser befindlichen die Symptome des Treibens zeigten. (Die Kanten Hessen sich mit dem Fingernagel abbrechen.) Wie aus Tab. II zu ersehen ist, waren alle Probekörper, welche in Bittersalzlösung aufbewahrt waren, je nach der Zeit des Aufenthaltes und Concentration der Lösung zerstört worden.

Die Sandmischungen, welche nachträglich untersucht wurden, zerfielen früher als der reine Cement. Es war also kein Zweifel, dass das Magnesiumsulfat das „Treiben“ hervorgerufen hatte, und die zweite Frage war nun, ob die Magnesia, oder die Schwefelsäure die Ursache gewesen war. Zuvor sei Folgendes erwähnt:

Die Hochofenschlacke besteht bekanntlich aus mehr oder weniger basischen Silicaten, welche freien, sogen. todtgebrannten, d.h. schwer hydratisirbaren Aetzkalk enthalten. Eine Schlacke der „Mathildenhütte“, Harzburg, welche an der Luft zerfallen war, hatte folgende Zusammensetzung:

SiO2 26,69 Proc.
Al2O3(+ Fe2O3) 17,73
CaO 51,07
MgO 3,66
––––––––––
99,15 Proc.