Text-Bild-Ansicht Band 282

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Es sind bei der besagten Anlage vier Ventilatoren von 1500 mm Durchmesser zur Anwendung gekommen.

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Ueber den Popper'schen Luftcondensator haben wir 1888 268 161 berichtet und zugleich auf noch ausstehende Zahlenergebnisse über die Versuche hingewiesen. In Nachstehendem lassen wir einen Vortrag folgen, welchen Popper in der Fach Versammlung der Berg- und Hüttenmänner im österreichischen Ingenieur- und Architektenverein vom 5. März 1891 hielt, von dem uns der Vortragende einen kurzen Auszug als Sonder ab druck aus der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen die Güte hatte zu übermitteln. Der Vortrag handelt.

Ueber einen Luftcondensator im Allgemeinen und insbesondere über den bei der 300pferdigen Fördermaschine auf dem Prokopschachte in Pribram aufgestellten Luftcondensator. Der Popper'sche Luftcondensator hat zum Zwecke, in solchen Fällen, wo das Speisewasser entweder nur in ungenügender Menge vorhanden ist oder aber nur in schlechter Qualität oder mit grossen Kosten zu beschaffen wäre, durch einfaches Niederschlagen des Auspuffdampfes fast das ganze Wasser den Dampfkesseln als destillirtes und heisses Condensat wieder zurückzugeben. Ein Vacuum wird hierbei jedoch nicht ins Auge gefasst.

Die Versuche zu derartigen Luftcondensatoren, welche man auch als trockene Condensatoren bezeichnen kann, da bei diesen nicht Verdunstung oder Abkühlung mittels Kühlwasser, sondern ausschliesslich nur direct die vorhandene atmosphärische Luft zum Dampfcondensiren verwendet wird, datiren bis in die vierziger Jahre unseres Jahrhunderts zurück. Der erste Versuch dürfte von dem Engländer Craddock gemacht worden sein, welcher mittels eines Ventilators Luft auf ein System von Dampfröhren trieb und später ein solches Röhrensystem behufs besserer Abkühlung rasch rotiren Hess. Er gab aber bald, und zwar hauptsächlich wegen der zu grossen Abmessungen solcher Apparate, seine Bemühungen auf. Viel später construirte der Ingenieur Perkins einen eben solchen Luftcondensator für seine Schiffsmaschine, bei welchem aber der Ventilator beinahe 12 Proc. der gesammten Maschinenarbeit beansprucht. Diese nothwendige Ventilatorarbeit, sowie die grossen Abmessungen und Kosten der versuchten Luftcondensatoren verhinderten überhaupt deren praktische Verwendung, weshalb Popper schon zu Anfang seiner Versuche die Hauptbedingung anerkannte, für die praktische Durchführung von Luftcondensatoren bewegte Bestandtheile überhaupt auszuschliessen; trotzdem aber behielt er die Anwendbarkeit der Luftcondensation selbst für die grössten Dampfmaschinen anlagen stets im Auge.

Die Grundgedanken der heute angewendeten und bereits mehrfach benutzten definitiven Construction der Popper'schen Luftcondensatoren sind:

Erstens, von der Röhrenform der Kühlflächen abzugehen und anstatt derselben die Form flacher Blechkästen anzuwenden. Hierdurch muss man unbedingt viel wohlfeilere Kühlkörper erhalten, weil auf eine gegebene Metallfläche relativ weniger Arbeit zur Fertigstellung solcher Kühlkörper verwendet werden kann, als bei der Röhrenform.

Zweitens (dieser Punkt ist der maassgebende technische Gedanke) ist die Anordnung dieser Kühlkästen so zu treffen, dass jeder einzelne unabhängig von dem anderen und in genau gleichem Maasse wie jeder andere den Dampf zu condensiren vermag, d.h., dass die specifische Kühlkraft aller Kühlelemente eine und dieselbe sei. Durch Verwirklichung dieser Bedingung wird es möglich, einerseits den Condensator nach Belieben in die Höhe zu bauen, also mit einer relativ kleinen Grundfläche des ganzen Baues auszukommen, und andererseits das Proportionalitätsprincip für die kleinsten, sowie auch für die allergrössten Anlagen von Luftcondensatoren anwenden zu können. Man kann daher bei diesen Luftcondensatoren aus der Condensationskraft eines Kühlkastens, welche man genau kennt, durch einfache Division dieser Condensationszahl in die zu condensirende Dampfmenge sofort die Anzahl der im Ganzen nöthigen Kühlkästen berechnen. Die nähere Berechnungsmethode für absatzweise arbeitende Maschinen, wie z.B. Fördermaschinen, wird weiter unten behandelt werden.

Bei Anwendung von Röhrensystemen ist dies alles, wenigstens unmittelbar, nicht möglich; man kann nicht beliebig in die Höhe bauen, noch auch das Proportionalitätsprincip anwenden, weil in diesem Falle die oberen bezieh. die im Luftstrome späteren Partien der mit Dampf gefüllten Röhren bereits von den früheren Röhren durchwärmte Luft erhalten; die hier maassgebenden Temperaturdifferenzen nehmen immer mehr ab und die Condensationskraft ganzer Abtheilungen von Röhren wird daher immer geringer.

Die beiden erwähnten Eigenschaften des Popper'schen Luftcondensators begründen bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Umstandes, dass hier die Ventilatoren ganz fehlen, die Lebensfähigkeit dieses Systems; in der That wurden auf diesem Wege Leistungen bei sehr grossen Dampfmaschinen erzielt, welche bis zur Veröffentlichung dieser jüngsten Ergebnisse vielen Technikern als unerreichbar galten.

Textabbildung Bd. 282, S. 125
Die hier beigegebene Figur zeigt die von Popper angewendete Construction, und entspricht diese Art der Ausführung dem ersten, in der Kabelfabrik des Herrn Otto Bondy in Penzing bei Wien aufgestellten und seit 1½ Jahren in Betrieb stehenden Luftcondensator, welcher den Dampf einer 12 -Maschine niederzuschlagen hat. Die Kühlkästen sind gegen den Horizont geneigt, jalousienartig angeordnet und lassen zwischen einander Kanäle frei, durch welche die atmosphärische Luft einströmt und sodann erwärmt in das Innere des Baues austreten kann. Man hat also gewissermaassen in dem ganzen Kastensystem eine Art hohler Jalousien vor sich.

Alle diese Kästen sind durch Röhrchen mit zwei grossen Standröhren in Verbindung, deren eine den Dampf zu vertheilen und deren andere das Condenswasser zu sammeln den Zweck hat; das Condensat fliesst dann unten in einen Entölungsraum, welcher gewöhnlich im Inneren des Condensators, hier aber rechts von demselben angebracht ist. Der Schlot, aus dessen oberer Mündung die warme Luft in die Atmosphäre heraustritt, ersetzt durch