Text-Bild-Ansicht Band 282

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seine Zugkraft einen Ventilator. Der ganze, die einzelnen Kühlkästen tragende Bau besteht gewöhnlich aus Holz, welches von aussen verschalt und zum besseren Schütze gegen die Witterungsverhältnisse noch überdies mit Blech oder Pappe verkleidet wird.

Denkt man sich statt einer einzigen solchen Vereinigung von Kühlkästen deren mehrere neben einander im Umfange eines solchen Baues angeordnet, so sieht man ein, wie es möglich wird, den Dampf von einer mehrere Hundert oder Tausend Pferdestärke zählenden Dampfmaschine, aus oben angeführten Gründen, mit voller Sicherheit niederzuschlagen.

Ein solch grösserer, aus zwei Kastenbatterien bestehen der Luftcondensator ist in der Fabrik der elektrotechnischen Firma Siemens und Halske in Wien aufgestellt, und zwar handelt es sich hier darum, bei einer sehr schnell laufenden Dampfmaschine von etwa 60 , stündlich 1000 k Dampf bei + 20° C. niederzuschlagen. Die Messung der Leistungsfähigkeit dieses Condensators wurde mehrmals, und zwar einmal bei voller Windstille und einer Temperatur von 21,5° C. im Schatten und das andere Mal bei 28,5° C. um die Mittagszeit vorgenommen; die Maschine machte dabei gegen 200 Umgänge in der Minute und lieferte an zwei Dynamos 345 Ampère bei 105 Volt Spannung, dabei wurden nun binnen 1 Stunde 831 k Dampf bezieh. so viel Liter Wasser condensirt. Bei entsprechender Reduction auf 20° C.1) bedeutet das eine Condensation von 987 k Dampf auf die Stunde. Das Proportionalitätsprincip, das Popper seiner Construction zu Grunde legte, ermöglichte somit, die versprochene Leistung bis auf 1,3 Proc. einzuhalten. Allerdings muss hier noch erwähnt werden, dass die Dampfmaschine bei der eben angegebenen Leistung von 36225 Volt-Ampère und 60 mehr als 831 k Dampf verbrauchte; der Ueberschuss ging einfach durch den Condensator ins Freie. Hierzu wäre noch zu bemerken, dass dieser soeben besprochene Bau eine Grundfläche von etwa 14 qm und eine Gesammthöhe von 13 m beanspruchte und noch weiter im Stande ist, falls die Reserveräume mit Kühlkästen versehen würden, gegen 3000 k Dampf in der Stunde zu condensiren; bei etwas höherem Schlote liessen sich sogar 4000 bis 4500 k Dampf stündlich niederschlagen.

In der Siemens und Halske'schen Fabrik war nun nach Mittheilung des Vortragenden auch Gelegenheit gegeben, auf eine äusserst genaue und zugleich neue Weise den Nachweis zu führen, dass dieser Luftcondensator keinen Gegendruck auf die Maschine hervorruft. Die betreifende Dampfmaschine treibt nämlich zwei Dynamomaschinen und werden die Leistungen der letzteren an zwei Voltametern und an zwei Ampèremetern abgelesen. Zwischen Auspuffrohr und Condensator ist eine Wechselvorrichtung angebracht, durch welche es ermöglicht wird, in jedem Augenblicke nach Belieben den Auspuffdampf entweder in den Condensator oder ins Freie ausströmen zu lassen. Wäre nun eine Gegenspannung im Condensator vorhanden, so würde man während und nach dem Wechseln ein Zurückgehen oder aber ein Ansteigen der elektrischen Leistungen bemerkt haben. Es wurde jedoch bei wiederholten Versuchen durchaus keine Aenderung der Nadelstellungen an den Messinstrumenten beobachtet und sonach der Genauigkeit dieser Instrumente entsprechend bis auf 1 Proc. genau das Nicht Vorhandensein jedes schädlichen Gegendruckes nachgewiesen. Da ferner bei dieser Maschine der Regulator gar nicht arbeitete, weil seine Schwungmassen festgeschraubt waren, so ist es auch nicht möglich, dass ein dennoch vorhandener Gegendruck etwa durch das Spiel des Regulators verdeckt oder aufgehoben wird.

Die Entölung des Condensators zeigt sich als eine vollkommene.

Nach diesen Mittheilungen geht der Vortragende auf die eingehendere Betrachtung der Anwendung seiner Luftcondensatoren bei Maschinen mit absatzweisem Betriebe, wie beispielsweise Fördermaschinen, und speciell auf den Fall der Anwendung derselben bei der Pribramer Prokopischacht-Fördermaschine über, schickt aber dieser Besprechung noch folgende allgemeine Erörterung voraus:

In solchen Fällen tritt eine ganz besondere Eigenthümlichkeit zu Tage. Das Proportionalitätsprincip lässt sich nämlich beim Entwürfe eines solchen Luftcondensators durchaus nicht mehr unmittelbar anwenden. Die stündlich zu condensirende Dampfmenge W ist wohl immer gegeben, weil man dieses Wassergewicht aus dem Gewichte der verbrannten Heizkohle hinreichend genau berechnen kann. Bei stetig arbeitenden Maschinen genügt diese Zahl W und die Angabe der Lufttemperatur T, bei welcher dieses Dampfgewicht noch mit Sicherheit niedergeschlagen werden soll, um die Grösse der Kühlflächen zu berechnen.

Bei absatzweisem Betriebe muss aber der Condensator in einer kürzeren Zeit den Dampf condensiren, als er in den Kesseln erzeugt wird, und zwar: bedeutet π1 die Dauer des Betriebes und π2 die Dauer der Pause, so muss W in π1 Minuten condensirt werden, während zur Erzeugung π1 + π2 Minuten nöthig waren, d.h. der Condensator muss so viel Kühlkraft besitzen, als ob nicht W, sondern

Dampf stündlich zu condensiren wären.

Es wären aber dann sehr grosse Kühlflächen nothwendig, und es liegt daher die Aufgabe vor, durch irgend ein Constructionsverfahren diesem Uebelstande abzuhelfen. Dieses kann aber offenbar nur durch eine Art von Ausgleichung der beiden Extreme des vollen Betriebes und des vollen Stillstandes (während der Pause) geschehen, d.h. es muss eine Accumulatorconstruction irgend einer Art angewendet werden, um die während des Betriebes zu grosse Calorienzahl besser zu vertheilen und in die Pause hinüberzuziehen. Eine solche Construction wäre z.B. eine Gasometerglocke, die den überschüssigen bezieh. nicht condensirten Dampf während der Betriebspause wieder in den Condensator zurückschieben würde; das Ganze fiele aber, wie die Rechnung zeigt, viel zu gross aus.

Als einfachster Weg ergab sich der, die Masse der Kühlflächen in Betracht zu ziehen, und zwar in der Art, dass der Dampf während der Zeit π1 diese Masse erwärmt, sich also ganz condensiren kann. Während der Pause π2 kühlt sich dann die Metallmasse (nicht mehr der Dampf, da ja keiner mehr vorhanden ist) selbsthätig an der Luft wie ein gewöhnlicher Luftcondensator ab.

1)

Die hier geltende Formel ist die folgende: Wenn W1 die Menge Condenswasser bei der Lufttemperatur t1 und einer Schlothöhe k1 sind, so ist in einem anderen Falle bei h2 und t2 die Wassermenge

, in welcher Formel α und β empirisch gewonnene Constanten bedeuten.