Text-Bild-Ansicht Band 282

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sogar für den gewachsenen Boden ein Ersatzmittel einzuführen; will man aber die Roste schon als Bestandtheile des Fundamentes ansehen, so wird man doch das Einbringen von Sandschüttung in die Baugrube als Ersatzmittel in unserem Sinne gelten lassen müssen, und zwar als eines, das bei moorigem Boden oder durchweichtem Thone mehr Beachtung und Anwendung verdient, als es bisher fand. Auch das Verfahren, losen Sandboden durch Zuführung geeigneter Flüssigkeiten einer Verkittung oder Verkieselung zu unterwerfen, dürfte zu fortgesetzten Versuchen empfohlen werden. Der Gründung auf Betonsohle wird schwerlich Jemand den Charakter des Ersatzmittels absprechen wollen. Freilich ist vor einer universellen Anwendung desselben zu warnen, denn so vortreffliche Dienste in quelligem Boden eine genügend starke, gut zubereitete, durchgehende Grundplatte aus Beton zu leisten vermag, so verkehrt ist es, in trockenem Kiesboden kurze, schmale Bankettstreifen aus verständnisslos zusammen gemischtem „Beton“ herzustellen, dessen Festigkeit der des gewachsenen Kieses kaum gleichkommt.

Im Anschlusse hieran kann sogleich die Verwendung des Betons als Ersatz des aufgehenden Mauerwerkes besprochen werden. Die Zulässigkeit desselben zu Rohrschleusen und Kanälen steht heute ausser Zweifel, aber auch für Hochbauzwecke möchte wenigstens seine Ueberlegenheit im Vergleiche mit Pise- und Cendrinbau u. dgl. schon um deswillen zuzugeben sein, weil er die Herstellung der Fussböden, Treppen und Gesimse, ja selbst der Zierathen aus einerlei Material und gewissermaassen organisch gestattet. Von den wichtigen Betongewölben wird später noch die Rede sein.

Betonmauern werden in Kastenformen aus Eisen oder Holz und Eisen hergestellt. Ihre Bestandtheile sind je nach der Güte des Cementes und der Reinheit oder sonstigen Beschaffenheit der Zusatzmaterialien nach dem Verhältniss 1 : 8 bis 1 : 10 zusammengemischt. Die Vorwohler Portlandcementfabrik stellte 25 cm starke Betonmauer für 3,55 bis 3,85 M. für 1 qm her.

Die Bemühungen, Wände und insbesondere die äusseren Umfassungen ganz aus Eisen herzustellen, haben bisher zu keinem befriedigenden Erfolge geführt; zum Theil erwies sich das Material als zu theuer, zum Theil als zu schwer, in den meisten Fällen aber als ungenügender Schutz gegen Wärme und Kälte.1) Aus diesen Gründen haben Wellblechconstructionen nur sehr beschränkte Anwendung, und nur da, wo es sich um transportable kleinere Gebäude handelte, gefunden, und dürften auf dem Gebiete des Kolonialbauwesens, wo es leichte Transportfähigkeit, einfache Aufstellungsweise und Schutz gegen die Wärme gilt, von den Magnesitbauplatten übertroffen werden. Mit Magnesit wird eine Masse bezeichnet, deren Bestandtheile (Geheimniss) in der Hauptsache ein Kalkmörtel mit Sägemehlzusatz zu bilden scheint und aus welcher 12 und 20 mm dicke Platten von 1 : 1 und 1 : 1,5 m Fläche mit einer Jutegewebeeinlage hergestellt werden. Die Oberfläche derselben zeigt eine vollkommen dichte, sehr harte und fast marmorähnliche Textur; an den Kanten erhalten die Platten Falze, um die Fugen zu decken, die ausserdem mit einem mineralischen Kitt gedichtet werden. Die Verwendung der Platten zu Wänden erfordert ein Gerippe aus Holz- oder Eisenlatten, an dem sie festgeschraubt werden; auch Fussböden, Decken und Dächer werden daraus hergestellt. 1 qm Magnesitplatten wiegt 19 bezieh. 31 k bei 12 bezieh. 20 mm Dicke und kostet 2,75 bezieh. 3,25 M. Bei ihrer Verwendung als äussere Umfassungen kommt nach aussen eine 20 mm, nach innen eine 12 mm starke Platte, der Zwischenraum bleibt in der Regel hohl; 1 qm Wand (ohne das Holz- oder Eisenfachwerk) kostet somit 6 M.; die beiderseits nur 12 mm stark verkleideten inneren Scheidewände kosten auf 1 qm 5,5 M. – An dieser Stelle möchte auch eines mit gutem Erfolge in die Bautechnik eingeführten Materials gedacht werden, das aus 24 Proc. Sägespänen und einem steinharten Kitt aus gebrannter Magnesia und basischem Chlormagnesium2) besteht, das „Xylolith“ von Ingenieur S. G. Cohnfeld in Dresden. Die mit Wasser zu einem gleichförmigen Teig gemischten Materialien, von denen die Sägespäne die Erhärtung verlangsamen sollen, werden in kräftigen Pressen zu plattenförmigen, consolförmigen und anderen Werkstücken ausgestaltet, die eine gelbliche Färbung und ein durchaus gleichförmiges, dichtes, körnig-schuppiges Gefüge zeigen. Specifisches Gewicht 1,55, Härtegrad nach der Mohs'schen Scala 6 bis 7 (Feldspathquarz), Zerreissfestigkeit 251 k auf 1 qc, Zerdrückungsfestigkeit 854 k auf 1 qc. Mit dem natürlichen Holze trifft das Material darin überein, dass die Bearbeitung mit Säge, Stemm- und Stechzeug, Centrumbohrer und Raspel gut ausführbar ist; vor dem Naturholze hat es den Vorzug, dass es die Erscheinungen des Schwindens, Quellens und Werfens nicht zeigt; seine grösste Wasseraufnahme (nach 216 Stunden Liegen in Wasser) beträgt nur 3,8 Proc. Das Poliren der Oberfläche mittels aufgeriebener Schellacklösung ist mit gutem Erfolge ausführbar. Zur Herstellung von Wänden gleichfalls geeignet ist ferner das Moniersystem, dessen Eigenthümlichkeit in der Verbindung eines Metallgerippes und einer Cementmörtelumhüllung besteht. Da das erstere von einem Flechtwerke starker Eisendrähte gebildet wird und die Wandplatten nur etwa 3,5 cm Dicke erhalten, so besitzen die letzteren keine eigene Standfestigkeit, sondern bedürfen eines Eisenfachwerkes, in dessen Gefache sie bündig eingelegt und an dessen Ständer sie mittels der heraustretenden Drahtenden angehakt werden. Ausserdem werden die ausgerundeten Nuthen der Stossfugen mit eingeschobenem, gewelltem Draht und Cementverguss befestigt und gedichtet. 1 qm derartiger Platten kostet etwa 8 M. und wiegt bei 53 mm Dicke ungefähr 112 k.

Bildet beim Moniersystem eine Art Geflecht aus Rundeisenstäben in Stärken zwischen 5 und 14 mm, mit 3,5 bis 10 cm weiten Maschen, an den Kreuzungsstellen mit Bindedraht an einander geheftet, die metallene Einlage, so besteht dieselbe bei den Rabitzwänden aus einem streifenweise (in sogen. Bahnen) vorräthig angefertigten Gewebe

1)

Nachträglich ist uns ein Schriftchen zugegangen, betitelt: Vergleichende Versuche über Wärmedurchlässigkeit verschiedener Bau- und Bedachungsmaterialien von Dr. Grünzweig in Ludwigshafen. Wenn auch gewissermaassen pro domo verfasst, sind doch die auf sachgemässen Versuchen beruhenden Resultate allgemein beachtenswerth. Wenn mit Bezug auf Wärmedurchlässigkeit eine 40 mm starke Korksteinplatte = 100 gesetzt wird, so ergibt sich z.B. für Wellblech, Hilger's Profil I, 25/120 mm: 292; für 50 mm dickes Schilfbrett: 115; für Holzcementdach gewöhnlicher Art: 110; für Ziegeldach mit Schalung und Putz: 99; für dasselbe mit 65 mm Korksteinverkleidung mit Gypsputz nur 54 u.s.f.

2)

Vgl. 1867 185 292.