Text-Bild-Ansicht Band 282

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(mit rechteckigen 1 cm weiten Maschen) aus ungefähr 1 mm starkem, verzinktem Eisendrahte. Als Auftrag, welcher der fertigen Wand etwa 4 cm Stärke verleiht, dient eine Mörtelmasse, die mit der Einlage nach 28 Tagen etwa 50 k Bruchfestigkeit auf 1 qc besitzt. Das Gewebe muss mindestens an zwei Seiten straff angespannt werden, was am besten zwischen Holzsäulen geschieht. Die Verwendung als äussere Umfassung wird dadurch freilich beschränkt, während das System bei inneren Scheidungen den grossen Vortheil bietet, nicht nur sich selbst, sondern nötigenfalls noch einen ihnen angehängten Balken frei schwebend zu tragen. Allerdings können die Rabitzwände erst am Orte ihres Gebrauches angefertigt, die Monierplatten aber bis zu 3 cm Dicke herab fertig angeliefert werden; den ersteren eignet aber zufolge ihrer geringen Stärke eine sehr rasche Austrocknung, auch schmiegen sie sich fast jeder Oberflächengestaltung an.

Zur Herstellung leichter Scheidewände hat die Neuzeit dem Baumeister ferner ein geeignetes Material zur Verfügung gestellt in Form der Gypsdielen (1891 280 119). Die Bestandtheile derselben sind in der Hauptsache ein Gemisch von porigen und fest bindenden Stoffen (Haare, Federn u. dgl.) mit Gyps; die in 2,5 bis 8 cm Stärke gegossenen, 2,5 m langen, 20 oder 25 cm breiten Platten werden durch Einlagen von Binsenrohr oder Holzstäbchen erleichtert und versteift; unter Umständen erhalten sie auch eine Unterlage von Asphaltpappe. Sie lassen sich bohren, nageln und sägen und eignen sich ebenso sehr zur beiderseitigen Verkleidung hölzerner Fachwerke, wie zum Aussetzen der Gefache. Auch in Verbindung mit Eisenständern und Wellblechwänden haben sie schon Verwendung gefunden. Bei 8 cm Dicke wiegen sie auf 1 qm 60 k und kosten 2,5 M. – Ein nach Herstellung wie Verwendbarkeit den Gypsdielen ziemlich ähnliches Fabrikat sind die Spreutafeln, welche aus einer Mischung von Weizenspreu, Gyps, Kalk, Leimwasser, Thierhaaren u. dgl. bestehen und bei Stärken von 7, 10 und 12 cm zur Gewichtsverminderung rechteckige Hohlräume enthalten, welche die Platten in schmale I-förmige Lamellen zerlegen. Der Spreutafelfabrikant berechnet 1 qm fertige 10 cm starke Scheidewand, beiderseits verputzt, zu 3,59 M., wobei 1 qm Spreutafel ungefähr 55 k wiegt. Als Vorzug gegenüber den Gypsdielen macht er den rationellen Querschnitt, die rauhe Oberfläche und die grössere Leichtigkeit der Spreutafeln geltend; auch hinsichtlich des raschen Austrocknens und der Schalldämpfung dürften sie den Vorzug verdienen.

Während die durchgängig aus Holz hergestellte Block- oder Spundwand nächst der Lehmweilerwand wohl zu den ursprünglichsten Constructionen deutscher Bauweise gehört, weist die Neuzeit Bemühungen auf, die Verwendung des Holzes für diese Zwecke rationeller als bisher zu betreiben, d.h. auf das hohle Fachwerk mit Lattung zu beschränken und zugleich Schutz gegen Feuchtigkeit und Feuer zu erzielen. Die Umfassungen der amerikanischen „Cottages“ bestehen aus unausgemauertem Fachwerk, innerlich mit verputztem Latten werk, aussen mit den sogen. „Clapboards“, schwachen, über einander greifenden, wagerechten Brettstreifen verkleidet.3) Die namentlich in Franken ausgebildete Verkleidung der Riegelwände mit Dachschiefer, oft durch Arabesken, Sprüche u. dgl. aus Stanniol (mit Firniss aufgelegt) verziert, wird neuerdings häufig (z.B. an schweizerischen Bahnhöfen) durch sogen. Blechschiefer ersetzt. Dieselben behalten entweder das Format (Rautenform) und die Anordnung der Dachschiefer bei, bestehen aus rohem Eisenblech, welches Oelfarbenanstrich erhält, und gewähren einen recht freundlichen Anblick, oder sie werden länglich rechteckig gestaltet, der Länge nach geriffelt und verzinkt. Von den ersteren erfordert 1 qm 32 Stück, die ohne Anschlagen 1,80 M. kosten, von letzterer Art erfordert 1 qm 15 Stück; 100 Stück wiegen 33 k und kosten 20 M. – Vielleicht erlangt auch das mit „Superator“ bezeichnete Fabrikat als feuersichere Wandverkleidung noch Bedeutung. Es ist ein dünnes, schmiegsames Eisendrahtgewebe, oder eine imprägnirte Leineneinlage, beiderseitig mit einer Art von mineralischem Filz, dessen Hauptbestandtheil wohl Asbest ist, überzogen; in Rollen bis zu 11 m Länge und meist 0,8 bis 1 m Breite hergestellt; die Dicke variirt von ¾ bis 6 mm, das Gewicht beträgt bei 6 mm Dicke 9,1 k auf 1 qm; der Preis schwankt je nach der Dicke zwischen 1,25 und 8 M. Für leichte Zwischenwände, die freilich auf grosse Feuersicherheit keinen Anspruch erheben können, sei hier nur beiläufig an die früher schon im Civilingenieur besprochenen Holzlättchengewebe erinnert; 1 qm davon kostet 0,90 M.; 1 qm beiderseits geputzte Wand (ausschliesslich Ständer) 2,80 M.

Der Vollständigkeit wegen sei hier auch der mit Lincrusta-Walton bezeichneten Wandverkleidung aus einem dem (später noch zu besprechenden) Linoleum ähnlichen Stoffe gedacht. Mit der vornehmen Erscheinung der Ledertapete vereinigen dieselben constructiv werthvolle Eigenschaften, wie z.B. der Feuchtigkeit zu widerstehen, warm und trocken zu halten, und machen sie dadurch zur Verwendung auf schwachen Umfassungsmauern, die weder Putz noch Maculatur zu erhalten brauchen, besonders, geeignet.

So lebhaft man auch das Bedürfniss empfunden hat, den hölzernen Gebälken einen grösseren Widerstand gegen Feuer und Wasser (Schwamm) oder Luftmangel (Trockenfäule) zu verleihen, findet man sich doch immer mehr mit dem Gedanken ab, dass das Holz diesen Ansprüchen nie gerecht werden wird. Erfüllten die feuersicheren Imprägnirungen das, was sie versprechen, oder auch nur, was man billiger Weise von ihnen verlangen kann, so wäre die Lösung des Problems hinsichtlich Feuersicherheit eine sehr einfache. Auch an Holzconservirungsmitteln zur Verhütung des Schwammes fehlt es eigentlich nicht; das Carbolineum z.B. leistet in dieser Hinsicht unter Umständen wirklich gute Dienste; auch das Antimerulion von H. Zerener (D. R. P. Nr. 378), eine Mischung von Kieselguhr mit 6 Proc. Chlornatrium und 3 Proc. Borsäure, mit Wasserglas aufgestrichen, mag von Nutzen sein. Zur besseren Erhaltung der Balkenköpfe endlich hat die Neuzeit in der mit „eiserner Bauholzschute“ bezeichneten Eisenblechumkleidung (D. R. P. Nr. 27232, von A. Thieke in Berlin) ein Mittel geboten, welches durch Eindringen des Eisenoxydhydrates in die Holzzellen, sowie durch Freihaltung ventilirender Kanäle immerhin Nutzen schaffen dürfte. Je nach der Balkenstärke und Auflagerlänge kostet eine fertig gefalzte eiserne Hülse zwischen 44 und 85 Pf.

Aber trotz all dieser Schutzmittel wendet sich die Aufmerksamkeit, sobald es sich um die Schaffung feuer-

3)

Eine genauere Beschreibung dieser Construction hat Verfasser im Jahrgange 1875 der Allgemeinen Bauzeitung gegeben.