Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

und fäulnissicherer Gebälke handelt, schon seit langer Zeit sofort dem Eisen zu. Freilich kommt das Gusseisen dabei kaum mehr in Betracht, desto mehr aber das gewalzte Eisen in verschiedenster Gestalt. Es wäre überflüssig, hier auf die walzeisernen I-Träger einzugehen, von denen heute, wenigstens für einzelne Zwecke, fast in jedem Neubau Gebrauch gemacht wird. Weniger bekannt sind noch die Träger mit Nagelvorrichtung (System Gocht, D. R. P. Nr. 34457 und Nr. 35631), welche es ermöglichen; hölzerne Gebälke durch solche aus Walzeisen zu ersetzen, ohne die bisherige Art und Befestigung der Decken- und Fussbodenconstruction aufgeben zu müssen. Mit 18 cm Höhe aus Flusseisen hergestellt, besitzen sie ein W = 132 und ersetzen somit einen Holzbalken von 20 × 26 cm. Die Beibehaltung des bisherigen Verfahrens, Decke und Fussboden herzustellen, bezweckt ferner auch der gewalzte Deckenbalken des Systems Klette (D. R. P. Nr. 31263 vom 23. September 1887), dessen Flanschen rinnenartig ausgehöhlt und mit Holzausfütterung ausgekeilt bezieh. in Asphalt eingelegt, ausgefüllt sind. Die Nagelung der Deckenschalung und Dielung findet ihren Halt in diesen Holzeinlagen. Die Balken bestehen aus zwei symmetrisch gestalteten Hälften, welche der Länge nach zusammengenietet werden, ihre Höhe beträgt 21 cm, das Gewicht für 1 m 29,8 k; W = 225.

An dieser Stelle sei auch in Kürze der glatten und ornamentirten Ziereisen von Mannstädt und Co. gedacht, welche es ermöglichen, I-Träger in Verbindung mit sichtbaren, profilirten Holzbalken, etwa als Unterzüge zu verwenden, ohne zu den stilwidrigen Kastenverkleidungen greifen zu müssen.

Werden Zwischendecken nach altem System hergestellt, so gibt, mögen hölzerne oder eiserne Balken dabei Verwendung finden; die bisherige Art, die Zwischenräume auszufüllen, in mehrfacher Hinsicht Anlass zu Bedenken. Der bisher zur Auffüllung der Einschubböden verwendete Schutt wird von den Hygienikern beanstandet; die mit halbem oder ganzem Windelboden eingebrachte Nässe macht den Physiologen bedenklich; die mit den Hohlräumen entstehende Hellhörigkeit bringt den Bewohner zur Verzweiflung. Es ist deshalb begreiflich, dass die Verbesserungsbemühungen sich gerade diesem Theile unserer Hochbauconstructionen besonders eifrig zugewendet und auf diesem Gebiete empfehlenswerthe Ersatzmittel geschaffen haben. Die schon erwähnten Gypsdielen wurden zuerst wohl nur als Ersatz für Einschub, Lehmstrich und Schlacken- oder Schuttauffüllung angefertigt. Sie werden auf die den Balken seitlich angenagelten Latten verlegt und nachdem die Fugen mit Gyps verstrichen wurden, mit Sand bis Oberkante Balken aufgefüllt. Bei 5 cm Dicke wiegen sie auf 1 qm 33 k und kosten (ohne Asphaltpappe) 1,80 M. Wenn sie zur Plafondbildung dienen sollen, werden sie mit verzinkten Nägeln quer über die Unterseite der Balken genagelt und abgefilzt. Bei 2,5 cm Stärke (mit Asphaltpappenunterlage) wiegen sie auf 1 qm ungefähr 20 k und kosten 1,50 M.

Auch die schon erwähnten Spreutafeln bieten gleichzeitig Ersatz für den Einschub und den Plafonduntergrund. Sie ruhen zwischen den Balken auf einem an Ort und Stelle hergestellten, sehr widerstandsfähigen Drahtnetz derart, dass sie die Balkenunterkanten bündig ausgleichen und sammt diesen nur einen dünnen Stucküberzug zu erhalten brauchen. Ihre Druckfestigkeit beträgt auf 1 qc 18,3 k. Der Fabrikant berechnet 1 qm fertige Decke (mit 7 cm starken Spreutafeln) zu 2,38 M. gegenüber 3,40 M. für die herkömmliche Construction. – Eine Verbesserung in Betreff der Hellhörigkeit ermöglicht, wenn im Uebrigen die bisherige Zwischendeckenconstruction beibehalten werden soll, der Isolirhaarfilz, welcher in 6 cm breiten Streifen zwischen Balkenoberkante und Dielung gelegt wird; 1 m davon kostet 20 Pf.

Stakung und Einschub ganz entbehrlich zu machen, wird als ein Vorzug der Decken nach Rabitz' System (D. R. P. Nr. 3789, 4590, 10115 und 46887), dessen schon bei den Wänden gedacht wurde, gerühmt. Das an der Unterseite der Balken trommelfellartig ausgespannte Drahtgewebe soll so tragfähig sein, dass der ganze Balkenzwischenraum mit Koksgrus ausgefüllt werden kann. In der That erfolgt der Bruch des Rabitzmörtels mit Drahtnetzeinlage erst bei 50 k auf 1 qc; dadurch wird es erklärlich, dass 4 cm starke Rabitzgewölbe eine gleichmässig vertheilte Last von 382 k auf 1 qm trugen, ohne dauernde Formveränderung zu erleiden.

Ein anderer, wichtiger Vorzug dieser Construction ist die unbedingte Feuersicherheit, welche sie dem damit verkleideten Holz- oder Eisenwerk gewährt. Der Preis stellt sich für 1 qm auf 4 bis 5,5 M. – Auch das Moniersystem gestattet eine Anwendung in grossen, wagerechten Flächen ohne Unterbrechung, indessen scheint es bei der Plafondbildung weniger an seinem Platze zu sein, als bei der Herstellung einheitlicher, fugenloser Fussboden. Bei unserer gewöhnlichen Balkenweite (85 cm) und Wohnraumnutzlast (200 k) würde beispielsweise eine 12 bis 13 mm starke, auf die Balken gelegte durchgehende Monierplatte mit 28 bis 30 k für 1 qm Eigengewicht genügen.

Eine grosse Mannigfaltigkeit der Constructionen bietet sich dem Architekten dar, sobald er das alte Gebälksystem mit Einschub u. dgl. aufgibt und in die Zwischenräume der Balken selbstragende Elemente einfügt. Als die frühesten Versuche in dieser Richtung wird man die gewölbartigen oder dachförmigen Ziegelausrollungen zwischen Holzbalken, wie sie z.B. Breymann für Stalldecken empfiehlt, anzusehen haben. Diese noch hier und da angewendete Construction findet in den Schwemmsteinen (aus Tuff und Trass), von denen das Stück in Normalziegelformat nur 2,22 k wiegt, ein geeignetes Material; noch besser für diesen Zweck sind vielleicht die Korksteine, deren Hauptbestandtheil: zerkleinerter Kork, mit Thon und Kalk zusammengekittet ist, von denen das Normalziegelformat nur 500 g wiegt und von denen 100 Stück 10 M. kosten. Eine rationelle Ausbildung tragender Zwischendecken wurde aber erst mit der Einführung eiserner Träger an Stelle hölzerner Balken möglich. Für unsere Betrachtung, die nicht die constructiven Fortschritte im Allgemeinen, sondern die Einführung der Ersatzmittel im Besonderen zum Gegenstände hat, genügt es, an die zwischen (anfänglich gusseiserne) Träger gespannten flachen Ziegelkappen zu erinnern, welche so lange als vorzüglicher Ersatz von Gurtbögen und Tonnengewölben galten, bis man im verzinkten Trägerwellblech zwischen Walzeisenträgern ein Mittel kennen lernte; denselben Raum mit ½ bis ⅓ der dort erforderlichen Walzeisenträger zu überdecken. Dann kam der Stampfbeton in Aufnahme, welcher für gewisse Zwecke und Abmessungen (etwa bis zu 5 m Spannweite) die