Text-Bild-Ansicht Band 282

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Chromgrüne, von denen die Beschaffenheit und Qualität der erzeugten Pigmente in erster Linie abhängt, nämlich

  • a) die Art des verwendeten Chromgelbes
  • b) die Art des verwendeten Blaues
  • c) das Verfahren der Mischung oder Vereinigung des Gelbes und Blaues.

Welch grosse Rolle die Nuance des angewendeten Gelbes spielt in Bezug auf die Schönheit des erhaltenen Grünes, ist jedem, der mit Farbenmischungen in irgend einer Form zu thun hat, längst bekannt und ist in der Fabrikation der Chromgrüne es längst als Regel erkannt worden, dass nur ein klares Gelb von rein schwefelgelber oder citrongelber Nuance ein feuriges Grün zu liefern im Stande ist. Dabei verdient aber hervorgehoben zu werden, dass die Klarheit des Gelbes nicht so wichtig ist, als die Abwesenheit jeder Spur eines orangefarbenen Tones, denn während thatsächlich Gelbe, deren Ton weder als klar, noch als feurig bezeichnet werden kann, Grüne von höchster Schönheit zu liefern im Stande sind, wird selbst ein sehr feuriges Gelb mit wenn auch noch so schwachem orangem Stich minderwerthige Grüne ergeben, deren Ton sich, entsprechend dem stärkeren oder schwächeren Orangeton des Gelbes, mehr oder weniger den stumpferen, unter den Namen Moosgrün oder Olivegrün gehandelten Schattirungen nähert. Aus diesem Grunde ist das unter den gewöhnlichen Bedingungen dargestellte Chromgelb der Formel PbCrO4 für die Darstellung feuriger Chromgrüne unverwendbar, da, wie in einem früheren Artikel gezeigt, dasselbe, wenn nicht unter ganz speciellen Bedingungen hergestellt, stets einen sehr kräftigen Orangeton zeigt, der, wie oben angegeben, seiner Verwendung für die Chromgründarstellung absolut im Wege steht. Die Darstellung von Moos- und Olivegrünen aus diesem Gelb ist natürlich ohne Schwierigkeiten, diese bilden aber nicht den Gegenstand vorliegender Besprechung.

Die Thatsache, dass Chromgelbe von klarer, feuriger, rein Schwefel- oder citrongelber Nuance technisch nur erhalten werden können durch simultane Füllung von Bleisalzen mit Bichromat und Schwefelsäure resp. Sulfaten, zeigte auf das klarste, auf welche Weise die zur Weiterverarbeitung auf Grün beabsichtigten Gelbsätze herzustellen sind. Das in dem Fällungsgemisch für diese Gelbsätze benutzte Verhältniss von Chrom säure und Schwefelsäure resp. Chromat und Sulfat scheint zunächst in keiner Weise näheren Bestimmungen zu unterliegen, das heisst, ein jedes Chromgelb, immer vorausgesetzt, dass es den oben aufgestellten Bedingungen entspricht, scheint für die Darstellung von Chromgrünen geeignet, gleichgültig ob es in der Zusammensetzung der Formel (PbCrO4)2PbSO4 oder PbCrO4(PbSO4)2 oder einer zwischen diesen Extremen liegenden Formel entspricht. Thatsächlich lassen sich aus jedem innerhalb dieser Grenzen liegenden Gelb Grüne herstellen, die in Bezug auf Nuance tadellos sind. Mit Rücksicht auf die Deckkraft zeigt es sich aber bald, dass es von Bedeutung ist, so wenig als möglich Bleisulfat neben dem Bleichrom at mitzufällen, da ersteres dem letzteren an Deckkraft bedeutend nachsteht, woraus unmittelbar folgt, dass das Verhältniss von Chromat und Sulfat in der Fällungslösung für das Chromgelb, von erheblichem Einfluss auf das daraus erzielte Grün ist. Aus diesem Grunde zeigen die von den nach diesem einfachsten Chromgrün verfahren von verschiedenen Fabrikanten erzeugten Chromgrüne fast stets dasselbe Verhältniss von Bleichrom at und Bleisulfat, nämlich ungefähr 5 : 2,5. Dieses Verhältniss mit Bezug auf das Bleisulfat noch geringer zu nehmen ist nicht rathsam, da ein solches Gelb leicht dem „Umschlagen“ ausgesetzt ist, eine Gefahr, die ausserdem erfahrungsgemäss durch das zugemischte Blau noch wesentlich erhöht wird.

Bei der Fabrikation von Chromgrünen nach diesem Verfahren wird zunächst das Chromgelb hergestellt. Die Vorschrift:


I.
36
7,5
7,5
5
Bleizucker (32 Bleinitrat),
Bichromat
schwefelsaure Thonerde
Kreide

wurde und wird noch an vielen Orten benutzt. Es wird die Lösung des Bleisalzes, mit den vereinigten Lösungen von Bichromat und Thonerdesulfat, denen noch die Kreide zugefügt wurde, gefällt. Die Kreide (in Wasser aufgeschlämmt) dient lediglich als ein Neutralisationsmittel, um die Bildung freier Säure zu verhüten; die Nuance des erzielten Chromgelbes wird dadurch wesentlich voller, ohne ihren charakteristischen Ton zu verlieren. Es ist aus diesem Grunde obige Vorschrift besser als die in österreichischen Fabriken vielfach benutzte:


II.
26
7,5
3,5
Bleizucker
Bichromat
kryst. Glaubersalz

oder die folgende, trotz ihres ziemlich hohen Schwefelsäuregehalts sehr schöne Resultate liefernde:


III.
36
7,5
7,8
9
Bleizucker
Bichromat
calc. Glaubersalz
Solvav-Soda (calc).

In letzterer Vorschrift dient wieder die Soda, wie in I die Kreide, zur Unterdrückung der Acidität. Die in letzterem Falle verwendete Soda wird gewöhnlich den vereinigten Lösungen von Bichromat und Glaubersalz zugesetzt, besonders schöne Resultate erhält man aber, wenn man die Sodalösung in die Bleizuckerlösung einrührt und dann die Fällung wie gewöhnlich vornimmt. An den Aciditäts- bezieh. Neutralitätsverhältnissen des Gelbsatzes wird hierdurch natürlich nichts geändert, aber die bei letzterer Arbeitsmethode während der Fällung frei werdende Kohlensäure ist von erheblichem und günstigem Einflüsse auf die Beschaffenheit des erzielten Gelbes.

Das Auswaschen der gelösten Salze aus dem gefällten Chromgelbe ist ein Punkt von erheblicher Wichtigkeit und ist es eine anerkannte Thatsache, dass ein bestimmtes Gelb um so klarer und feuriger ausfällt, je schneller dasselbe ausgewaschen wurde. Im Grossen sind im Allgemeinen zwei frische Aufgüsse von Wasser genügend. Diese Wichtigkeit schnellen Auswaschens wird am besten illustrirt durch die Erfahrung, dass ein Chromgelbsatz in kleinem Maasstabe im Laboratorium ausgeführt stets schöner ausfällt als derselbe Satz im Grossen, da das Auswaschen der kleinen Quantität im höchsten Falle zwei Stunden in Anspruch nimmt, gegen ungefähr acht Stunden, die diese Operation im Betriebe erfordert. Ist das Gelb ausgewaschen, so wird die „Bläuung“ des Gelbes, das heisst dessen Umwandlung in Grün, durch Zusatz von Pariserblau vorgenommen. Das Pariserblau wird nach dieser Arbeitsmethode stets in Form eines Teiges von ermitteltem Trockengehalt verwendet. Die Quantität Pariserblau, die zugesetzt wird, ist natürlich gänzlich von der beabsichtigten Nuance abhängig und lässt sich deshalb nicht bestimmt angeben, sie beträgt im Allgemeinen für unverdünnte