Text-Bild-Ansicht Band 282

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Chromgrüne zwischen 5 bis 36 k trocken gerechnetes Blau, für verdünnte Grüne und correspondirende Nuancen aber ungefähr im Verhältniss der Verdünnung weniger. Letzteres rührt daher, dass die Deckkraft des Pariserblaues der von Chromgelb weit überlegen ist, in Folge dessen erleidet das letztere durch die Verdünnung eine viel grössere Reduction in der Stärke der Nuance als ersteres und daher genügt eine zu dem Verdünnungsgrad in umgekehrtem Verhältniss stehende geringere Menge von Pariserblau zur Erzielung desselben Grüntones, den ein reines Grün zeigt. Ist das Grüngemisch genügend durchgerührt, so wird der Grünbrei filtrirt, gepresst und getrocknet, darauf in Pulverform gebracht. Durch letztere mechanische Bearbeitung erhält die Masse gleichzeitig den erforderlichen Grad von Homogenität, der sich bei der Nassmischung von Gelb und Blau auf obige Weise nie erreichen lässt. Soll daher ein auf diese Weise dargestelltes Grün als Teigfarbe verwendet werden, so muss der von Wasser genügend befreite Grünbrei durch Nassmühlen passirt werden, eine umständliche und kostspielige Operation.

Das soeben beschriebene Chromgrünverfahren ist das älteste, wird aber noch in vielen Fabriken ausgeübt. Es ist aber dieses Verfahren nicht nur unrationell und umständlich, sondern auch sehr unsicher und nicht selten mit erheblichen Fabrikationsverlusten verbunden durch „Umschlagen“ der Nuance, die Ursache welcher Erscheinung noch nicht in zufriedenstellender Weise ermittelt und somit vermieden werden konnte. Der relative Verbrauch an Pariserblau in diesem Verfahren ist sehr hoch, was erklärlich ist, wenn man berücksichtigt, dass das verwendete Blau, selbst wenn durch ein sehr feines Sieb zu dem Chromgelb geschlämmt, doch noch immer in einem Zustande der Körnung sich befindet; diese feinen Körner werden von dem Chromgelb umhüllt und kommen so nur theilweise zur Wirkung. In geringem Grade wird der hierdurch bedingte Blauverlust durch die Wirkung der nachfolgenden Mahlung und Siebung etwas vermindert*, keineswegs aber in dem Maasse, dass der Maximaleffect der verwendeten Menge Blau erreicht würde. Ausserdem zeigen diese Grüne, vielleicht in Folge der sehr losen und oberflächlichen Verbindung zwischen dem Gelb und Blau, die sehr fatale Eigenschaft, am Lichte ausserordentlich rasch zu verbleichen, im directen Sonnenlichte geht dies häufig mit solcher Schnelligkeit vor sich, dass oft binnen einer halben Stunde die grüne Nuance vollständig zerstört ist und einem schmutzigen Gelb Platz gemacht hat, dem sich durch Behandlung mit schwach erwärmter verdünnter Salpetersäure grosse Mengen von Eisenoxyd entziehen lassen. Erwähnenswerth ist, dass dieses Verbleichen von der Entwickelung erheblicher Mengen von Cyan, aber nicht Cyanwasserstoff, begleitet ist; Wasser, selbst wenn kochend, entzieht dem gebleichten Grün nicht die geringste Spur von Ferro- oder Ferricyanür, so dass die Bleichung offenbar auf der radiralen Zersetzung des Blaumoleküls durch die Sonnenstrahlen beruht. Die Bleichung ist gänzlich unabhängig von der Anwesenheit von Sauerstoff und geht thatsächlich im Vacuum mit derselben Schnelligkeit und Gründlichkeit vor sich als in einer Atmosphäre von reinem Sauerstoff, ozonhaltigem Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff oder Kohlensäure. Dies erscheint merkwürdig, aber nur auf den ersten Blick, da ja offenbar das vorhandene Bleichromat im Stande ist, den erforderlichen Sauerstoff zu liefern; dass dies in der That der Fall ist, geht aus dem Umstände hervor, dass verdünnte Salpetersäure dem gebleichten Grün nicht nur Eisenoxyd sondern auch Chromoxyd entzieht. Merkwürdiger Weise gelang es mir nie, in dem salpetersauren Extract auch Bleioxyd nachzuweisen, das doch unbedingt in einer dem extrahirten Chromoxyd äquivalenten Menge gebildet werden muss. Die einzige Erklärung für diese auffallende Erscheinung dürfte in der Annahme liegen, dass bei der Zersetzung des Bleichromats das Blei als Superoxyd abgespalten wird, entsprechend der Gleichung:

2PbCrO4 = 2PbO2 + Cr2O3 + O.

Entsprechend dieser Gleichung wären zur Zersetzung eines Moleküls Pariserblau Fe5(CN)18 7,5 Atome Sauerstoff oder, nach obiger Gleichung, 15 Moleküle Bleichrom at erforderlich. Der Umstand, dass sich an dieser Reaction ein so grosser Atomcomplex betheiligt, dürfte wohl mit der auffallenden Schnelligkeit im Zusammenhang stehen, mit der diese Bleichung vor sich geht. Die oben dargelegte Einwirkung des Bleichromates auf das Pariserblau geht übrigens in geringem Maasse vor sich auch ohne die Mitwirkung des Lichtes; Verfasser hat wiederholt beim Verarbeiten auf obige Weise dargestellter und getrockneter Grüne auf dem Kollergang die Entwickelung erheblicher Mengen eines nach Cyan resp. Blausäure riechenden Gases beobachtet. Die Ursache dieser Erscheinung ist schwer verständlich. Die Idee, dass dieselbe in einem durch ungenügendes Auswaschen bedingten Säuregehalt des angewandten Blauteiges zu suchen sei, ist durchaus nicht stichhaltig, da dieselbe bei Anwendung absolut neutralen Pariserblaues in gleichem Maasse auftritt. Um so auffallender ist daher die Thatsache, dass dieses Verbleichen der Chromgrüne fast gänzlich, obgleich nicht unbedingt, vermieden werden kann, wenn der Blauteig, anstatt dem fertigen Gelb, vor der Fällung der Lösung des Bleisalzes zugefügt wird. Bei diesem Verfahren findet natürlich zunächst eine wesentlich innigere Mischung des Blaues und Gelbes statt, dieselbe ist aber auch in diesem Verfahren, wie leicht einzusehen, keineswegs vollkommen. An eine chemische Einwirkung des Bleisalzes auf das reine und absolut säurefreie Pariserblau ist doch wohl kaum zu denken. Auch beim Verarbeiten des auf diesem Wege erzeugten Grünes auf dem Kollergang ist der Blausäure- oder Cyangeruch noch deutlich, wenn auch schwach wahrnehmbar. Dem Verbleichen im Lichte sind aber diese Grüne weit weniger ausgesetzt und verdient daher diese Darstellungsmethode vor der vorhergehenden entschieden den Vorzug, obgleich andererseits der Verbrauch an Pariserblau zur Herstellung einer bestimmten Grünnuance kaum geringer ist als nach dem ersten Verfahren. Im Uebrigen hat diese Methode den Vorzug, das so langwierige vollständige Auswaschen des Pariserblau-Teiges überflüssig zu machen, indem eine geringe Menge Säure, die dem Blau etwa noch anhaftet, sofort von dem Bleiacetat neutralisirt wird.

Wenn nun auch die auf diesem Wege erhaltenen Grüne etwas echter sind, als die nach dem vorhergehenden Verfahren erzeugten, so sind dieselben doch keineswegs als lichtecht zu bezeichnen, auch ist die Methode in Bezug auf den Blauverbrauch nicht rationeller als die ersterwähnte, da in der Form, in welcher das Blau dem Gelbsatz zugeführt worden ist, keine Aenderung gemacht wurde. Beiden Verfahren gemeinschaftlich ist ferner der die Deckkraft der