Text-Bild-Ansicht Band 282

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anführen, wollen wir noch erwähnen, dass sich durch anderweitige von ihm angestellte Versuche auch die von Prof. Kirsch gebrauchte Annahme, dass die mittlere Temperatur der cylindrischen Wandung an den Enden des Cylinders eine höhere ist, als in der Mitte desselben, als vollständig richtig herausstellte.

Im weiteren Verlaufe seiner Versuche ist Donkin zu der Auffassung gelangt, dass die Wand des Cylinders als aus zwei Theilen zusammengesetzt angesehen werden könne, in welchen sich zwei von einander verschiedene Vorgänge abspielen.

Textabbildung Bd. 282, S. 152
In Fig. 7 ist die Stärke des einen an der Innenseite des Cylinders gelegenen Theiles AC mit e, diejenige des an der äusseren Seite eines ohne Dampfmantel angenommenen Cylinders gelegenen Theiles AB mit e1 bezeichnet, wobei e1 bedeutend grösser als e. Es ist wahrscheinlich, dass die Innenfläche C des Cylinders, welche mit dem Dampfe stets in Berührung steht, auch die sämmtlichen Temperaturveränderungen desselben annehmen wird; in dem Maasse jedoch, als ein Punkt des Theiles AC weiter von der Innenfläche des Cylinders entfernt liegt, werden sich die äussersten Temperaturen, innerhalb welcher das Thermometer schwankt, immer mehr und schliesslich bis zu einem gewissen Punkte A nähern, wo die bei jeder Umdrehung der Kurbel im Cylinder auftretenden Temperaturschwankungen nicht mehr bemerkbar sind. Die Curven DA und FA (Fig. 7) veranschaulichen durch ihre Ordinaten die äussersten beobachteten Temperaturen, sowie durch die Punkte D und F diejenigen des Dampfes selbst.

Innerhalb des Theiles AC wird sich der Wärmestrom bald in dem einen, bald in dem anderen Sinne fortpflanzen; er geht von dem Dampfe in das Metall oder vom Metall in den Dampf, während in dem Theile AB die Fortpflanzung der Wärme stets in demselben Sinne von A nach B, vom Inneren des Cylinders nach aussen erfolgen wird. Um den Punkt A herum bildet sich demnach im Beharrungszustande gewissermaassen ein Wärmemagazin, welches bald vom Inneren C aus mit neuem Wärmevorrath versorgt wird, bald einen Theil desselben wieder nach dort zurückgibt, stets aber den vom Inneren des Cylinders aufgenommenen Wärmeüberschuss nach der äusseren Wandung B hin ableitet.

Es pflanzt sich demnach der Wärmestrom durch den Theil AB der Cylinderwandung nach aussen hin ausschliesslich nach Maassgabe der in A bezieh. B bestehenden Temperaturen fort, welche keinesfalls mit der veränderlichen Temperatur der inneren Wandung C bezieh. derjenigen der äusseren Luft oder der Filzumhüllung in B übereinstimmen.

Diese Thatsache wird aller Wahrscheinlichkeit nach dazu dienen, die Benutzung der empirischen, unter ganz verschiedenen Verhältnissen erlangten Formeln aufzuheben.

Es hält schwer, die Ergebnisse allgemein durch Zahlenwerthe auszudrücken, und wir müssen auch in Bezug hierauf auf die von Donkin selbst gebrachten Veröffentlichungen verweisen; indess sollen die hauptsächlichsten Schlussfolgerungen, welche derselbe ableitete, hierunter angeführt werden:

1) Die Dicke des Theiles AC der Cylinderwandung ist im Vergleiche zu AB stets sehr klein, und zwar fand sich z.B. bei einer gusseisernen Wandung e = 2 mm, für e1= 23 und e + e1 = 25 mm, der absolute Werth dieser Grössen verändert sich indess mit den jeweiligen Betriebsverhältnissen und namentlich mit der Geschwindigkeit; er hängt ohne Zweifel auch von dem Material der Cylinderwand ab.

Textabbildung Bd. 282, S. 152
2) Bei der senkrechten, cylindrischen und sorgsam mit- Filz umkleideten Wandung einer Dampfmaschine näherte sich die Temperaturcurve in dem Theile AB einer wagerechten Linie.

3) Die mittlere Temperatur der Wandung ist gewöhnlich ein wenig höher als die mittlere Temperatur des Dampfes im Cylinder während zweier auf einander folgender Kolbenhübe, und ferner ist die Temperatur an der als Wärmemagazin bezeichneten Stelle A der Wandung etwas höher als diese durchschnittlich selbst.

Eingehendere Versuche wurden auch mit einem in Fig. 6