Text-Bild-Ansicht Band 282

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In der Ankerhemmung ist ein zweiarmiger Hebel vorhanden, welcher an dem einen Ende den Kern eines Solenoids trägt, während auf das andere Ende eine mittels einer Stellschraube regulirbare Feder wirkt; diese Stellschraube bestimmt also die Länge des Lichtbogens. Der zweiarmige Hebel bewegt die Ankerhemmung und gestattet so der oberen Kohle durch ihr Gewicht das Räderwerk in Gang zu setzen. An der Hemmung ist auch eine Ausrückung angebracht, welche ein plötzliches Niedergehen der oberen Kohle gestattet, wenn man sehr kurze Kohlen anwendet und nicht warten will, bis die Kohlen unter der Wirkung der Hemmung allein zur Berührung kommen.

Drummond's Schirme und Spiegel für Glühlampen.

Mit Abbildungen.

Die in den beiden Abbildungen dargestellten Schirme für Glühlampen sind nach Engineering, 1891 Bd. 51 * S. 257, von R. O. G. Drummond in Kimberley, Südafrika, angegeben und von der Electrical Engineering Corporation in London eingeführt worden. Sie sollen besonders in Bergwerken und anderen dunstigen Räumen Verwendung finden und die Glasglocken gegen herabtröpfelndes Wasser schützen.

Textabbildung Bd. 282, S. 159
Die Form Fig. 1 wird für an der Decke zu befestigende Lampen gewählt. Mittels der oben sichtbaren Schraube lässt sie sich leicht fest machen. Die zu beiden Seiten sichtbaren Haken tragen die Zuleitungen. Bei a ist ein Ausschalter vorhanden.

Textabbildung Bd. 282, S. 159
Die in Fig. 2 im Schnitt gezeichnete Form ist für an den Wänden zu befestigende Lampen bestimmt.

Da die Schirme aus weissem Porzellan hergestellt sind, so schützen sie die Lampen nicht nur gegen Beschädigungen, sondern sie dienen zugleich als besonders gute Spiegel und vergrössern die Lichtwirkung ganz beträchtlich.

Ueber Benzinrectification.

Von Director Dr. Alex. Veith.

Mit Abbildung.

Die Verarbeitung der niedriger siedenden Antheile des Erdöles – unter den Sammelnamen Benzin, Naphta u.s.w. bekannt – hat in den letzten Jahren mit den gesteigerten Anforderungen an dieselben einen bedeutenden Aufschwung erhalten. In der ersten Zeit ein lästiges Abfallproduct, wurden diese Destillate direct unter die Kessel geleitet und verbrannt, oder, wo es die localen Verhältnisse ermöglichten, dem Leuchtöle beigemischt. Nachdem man ihre Leuchtkraft erkannt hatte, bildeten sie einen Ersatz für das schwerer erhältliche Leuchtgas, eine Verwendungsart, die heute noch im bedeutenden, stetigen Wachsen begriffen ist.

In jüngster Zeit spielen die leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffe eine wichtige Bolle für den Motorenbetrieb. Eine ganze Reihe von Industriezweigen endlich benützt bestimmte Antheile in ausgedehntem Maasse als Extractions- bezieh. Lösungsmittel für Fette.

Man bezeichnet in der Praxis als Benzin u.s.w. denjenigen Theil des Erdöles, der zwischen einem variablen Minimalsiedepunkte und dem Maximalsiedepunkte von 150 und 160° C. gewonnen wird, und da aus betriebstechnischen Gründen eine thermische Bestimmung nicht gut möglich ist, werden bei den meisten Erdölen die specifischen Gewichte von 0,750 bis 0,760 – bei russischen etwas höher – als Grenze angenommen.

Dieses Erstproduct der Erdöldestillation kann in den seltensten Fällen directe Verwendung finden. Geruch, Farbe, die bedeutenden Mengen mitgerissener Schweröle, die grossen Temperaturintervalle, innerhalb welcher es gewonnen wird, machen es nothwendig, dass es in der Regel einer Rectification bezieh. wiederholten Destillation unter besonderen Bedingungen unterworfen werden muss, denn als besondere Charakteristica für ein gutes Benzin gelten absolute Wasserhelle, möglichst geringer, angenehmer Geruch, für viele Zwecke vollkommene Fettfreiheit, beispielsweise wo es als Lösungsmittel Verwendung findet, und endlich als Haupterforderniss vollständige Verflüchtigung innerhalb constanter, bekannter Siedepunktsintervalle.

Die letztere Bedingung ist von eminenter Wichtigkeit, denn sie ermöglicht eine ausgedehnte Verwendung für gewisse Fractionen dieser leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffe zu Extractionszwecken. – Zur Extraction von Fetten und Oelen aus Knochen, Samen u.s.w. hat das Benzin seines geringeren Preises wegen die meisten Lösungsmittel, wie Alkohol, Aether, Schwefelkohlenstoff, allmählich verdrängt, – allmählich, denn die anfänglich verwendeten Producte bewährten sich nicht vollständig. Als Gemenge niedriger und höher siedender Fractionen war das Arbeiten sowohl verlustreich durch zu rasches Verflüchtigen uncondensirbarer Theile, während das Extractionsproduct noch beträchtliche Mengen schwer siedender Theile aufwies, die sich durch den verwendeten Betriebsdampf nicht verflüchtigen Hessen. Als ein für Extractionszwecke verwerthbares Product hat sich in der Praxis das Gemenge der zwischen 80 und 120° siedenden Fractionen erwiesen.

Kissling1) hat mit Zuhilfenahme des Engler'schen Fractionskölbchens die Temperaturintervalle für die verschiedenen Benzine gesucht, und gefunden, dass

Petroleumäther zwischen 30 bis 110°
Leichtbenzin 60 110°
Mittelbenzin 80 120°
Schwerbenzin 100 140°

siedet.

Diese Temperaturdifferenzen müssen als unrichtig bezeichnet werden. Zunächst dürfte Kissling mit schlecht fractionirten Producten gearbeitet haben und endlich lässt der von ihm vorgeschriebene Apparat keine genaue Bestimmung zu. Versuche im Laboratorium ergaben die Notwendigkeit, mit besonderen Dephlegmationsapparaten

1)

Chemiker-Zeitung, 1891 Bd. 15 Nr. 20 S. 328.