Text-Bild-Ansicht Band 282

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(Linnemann'sche, Le Bel'sche Kugelröhren) zu arbeiten, denn nur auf diese Weise Hessen sich die Siedepunktsgrenzen genau bestimmen, die für gut rectificirte Producte folgendermaassen gefunden wurden:

Petroleumäther zwischen 30 bis 55 bis 60°
Zweites Product 60 bis 80°
Drittes Product 80 bis 100 bis 110°
Schwer-Product 110 bis 140°

Mit den in vielen Fabriken gebräuchlichen primitiven Rectificationsanlagen, die aus liegenden oder stehenden Blasen bestehen, und wo die mit indirectem Dampfe erzeugten Dämpfe einer einfachen Wasserkühlung unterworfen werden, lassen sich nur fettfreie, innerhalb sehr variabler Siedepunktsgrenzen schwankende Producte gewinnen. Selbst die Erstproducte dieser Rectification enthalten höher siedende Antheile, während die letzten Fractionen schon bei niedriger Temperatur zu sieden beginnen; solche Producte dürften Kissling als Material seiner Untersuchungen gedient haben.

Einen wesentlichen Fortschritt weisen schon jene Rectificationsanlagen auf, die, selbst bei primitiven Condensationsvorrichtungen, mit liegenden Blasen versehen sind, denn aufrecht stehende Blasen sind aus dem Grunde unzweckmässig, weil deren wirksame, d.h. verdampfende Heizfläche aus den mit Dampf erhitzten Seitenwänden des Kessels, oder aus einer in die Flüssigkeit tauchenden Dampfschlange bestehend, in gleichem Maasse, wie die Füllung der Blase – mit der Destillationsdauer – abnimmt, wobei bei steigenden Siedepunkten eine immer kleiner werdende Heizfläche erhalten wird, während das gerade Gegentheil erwünscht ist.

Bei liegenden Blasen ist eine geringere Siedehöhe geschaffen und gegen Ende des Abtriebes für die schwerst flüchtigen Bestandtheile eine genügend grosse Heizfläche vorhanden.

Bei richtig functionirender Dephlegmation und Kühlung der Fractionen verhalten sich die austretenden Destillatmengen zu den in der Blase verdampften Mengen in gleichen Zeittheilen etwa wie 1 : 5. Dieses Verhältniss gibt die nothwendige Dimensionirung der Dephlegmationsapparate an. Bei einer stündlichen Gewinnung von 2 hl Destillat z.B. muss die Blase 10 hl verdampfen können, von denen in den ersten Zeiträumen die restlichen 8 aus der Dephlegmation zurückfliessen.

Bei abnehmender Dephlegmationskraft ist die Temperatursteigerung nothwendig, um die höher siedenden Fractionen uncondensirt durch die Dephlegmation treiben zu lassen. Diesem concreten Falle von 2 hl Fractionirproduct genügen für die Siedepunkte zwischen 40 bis 100° C, 77 W.-E. latente Wärme für Benzin und 140° C. für den Heizdampf eine Heizfläche von 3,5 qm.

Unter den zahlreichen Systemen der Rectification hat sich in manchen Fabriken in modificirter Form der Heckmann'sche Apparat mit liegender Blase am besten bewährt. Ausführlich beschrieben erscheint er in C. Schädler, Technologie der Oele und Fette, S. 594 und 597. Er findet, da die Betriebsart nahezu dieselbe ist, sowohl für die Spiritus- als auch Benzolrectification Verwendung, wobei man in der Lage ist, wie mit keinem anderen Apparate die möglichste Homogenität des Productes zu erzielen. Bei Benzinrectificationen dürfen des Schwefelgehaltes des Erdöles wegen die Bestandtheile des Apparates nicht aus Kupfer gemacht werden.

Man ist in der Lage, mit den Heckmann'schen Dephlegmationsapparaten Benzine mit constanten Siedepunktsdifferenzen zu erzeugen, die nur geringe Mengen 2 bis 5 Proc. höher bezieh. niedriger siedender Antheile enthalten. Handelt es sich nicht um die Gewinnung besonderer Qualitäten, d.h. wird nur auf ein fettfreies Product Gewicht gelegt, oder sollen nur die unter 150° C. siedenden Antheile des Erdöles gewonnen werden, so lässt sich die Dephlegmation ausschalten und damit der Betrieb wesentlich beschleunigen. Nach Privatmittheilungen lassen sich die von der mit dem Apparate verbundenen Vacuumpumpe ausgestossenen Dämpfe durch einfache Wasserkühlung soweit condensiren, dass Producte von 0,640 bis 0,650, oft sogar 0,625 gewonnen werden.

Von der Firma Huber und Alter in Prag wurde eine wesentlich modificirte Benzinrectification projectirt. Im Betriebe befinden sich zwei liegende Blasen mit je 3,5 qm Heizfläche, die so angeordnet sind, dass ihre Putzlöcher ins Freie reichen; gegen Abkühlung sind sie durch Blechthüren geschützt. Zwischen den Kesseln führt eine Stiege auf das Plateau oberhalb des Kessels, während in einem nebenstehenden Thurme die Colonnen der Kühlcylinder bezieh. die Dephlegmation Platz findet. Zur continuirlichen Wasserversorgung ist ein Hochreservoir geeignet.

Textabbildung Bd. 282, S. 160
Das Wesentlichste der Anlage ist die in nebenstehender Figur abgebildete Rohrdephlegmation mit stehenden Rohren. Da als Minimalsiedepunkt 40° C, als Maximalsiedepunkt 100° C. angenommen sind, die Fläche der Dephlegmation aber der grössten Flüchtigkeit entsprechen soll, somit auf den Minimalsiedepunkt von 40° C. basirt ist, muss die Wirkung der Dephlegmation stufenweise verringert werden, sowohl durch Steigerung der Temperatur, als auch durch successive Abstufung des Condensationswasserniveaus in der Dephlegmation, wobei überdies für eine Wasservorwärmung vorgesehen sein muss.

Im Anfange des Betriebes ist die Dephlegmation vollständig mit Wasser angefüllt bis zum höchsten Ueberlaufstutzen A, den Minimalsiedepunkten von 40° C. entsprechend; der Wasserzulauf G ist in dem untersten Punkte gedacht, während das Wasser selbst durch die Röhren a... a circulirt. Bei fortschreitender Destillation wird der Wasserstand bis zur ersten Stufe B abgelassen, später je nach Erforderniss bis auf die zweite C und dritte Stufe D, und damit die Condensation herabgesetzt.

Gegen Ende der Destillation wird durch ein Dampfschnatterrohr F mittels Erwärmung des Condensationsraumes und Wassers die Condensation auf ein Minimum herabgesetzt. Bei dieser Einrichtung hat man es durch Regulirung des Wasserstandes und der Wassertemperatur in der Gewalt, gleichfalls Condensationsproducte von bestimmten Siedepunkten zu erhalten.