Text-Bild-Ansicht Band 282

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wurde ebenso wie vorher bestimmt, nur brannte statt Wasserstoff ein Leuchtgasflämmchen im Einlochbrenner. Hier kommt ausser der Zunahme von Kohlensäure und Wasserdampf auch die Abnahme von Sauerstoff in Betracht; bestimmt wurden erstere beiden bei jedem Versuche. Da es üblich ist, als Maasstab für die Verschlechterung der Luft den Kohlensäuregehalt allein in Betracht zu ziehen, so gibt Verf. in der Tabelle nur diesen an. Die Zahlen hierfür bewegen sich in Grenzen, wie sie nicht selten in geschlossenen, schlecht ventilirten Räumen vorkommen; sie verursachen eine verhältnissmässig grosse Abnahme der Leuchtkraft der Flammen, wie sie bei genauen photometrischen Messungen wohl in Betracht kommen müssen. Beim Schnittbrenner betrug die Abnahme der Leuchtkraft 5,7 bis 20,0 Proc. bei steigendem Kohlensäuregehalt von 0,26 bis 0,65 Proc; beim Argandbrenner 3,5 bis 22,7 Proc. bei 0,18 bis 0,68 Proc. Kohlensäure.

Aus allen Versuchen ergibt sich, dass die durch den Kohlen Säuregehalt ausgedrückte Verschlechterung der Luft durch die Verbrennungsproducte des Gases die Leuchtkraft der Flammen am empfindlichsten beeinflusst; demnächst folgt die Verminderung des Sauerstoffgehaltes durch Wasserstoff-Verbrennung und weiter zeigt sich, dass erheblich grössere Mengen Kohlensäure der Luft direct zugeführt werden können, ehe die Leuchtkraft der Flammen wesentlich geschädigt wird. Schnittbrenner und Argandbrenner verhalten sich ungleich, im ersten Fall wurde der Argand mehr geschädigt, in letzteren beiden zeigte sich derselbe widerstandsfähiger. – Fasst man die der Luft beigefügten Gase nur als Verdünnungsmittel, ohne eigene Wirkung, auf, und construirt aus dem verminderten Sauerstoffgehalt und der abnehmenden Leuchtkraft Curven, so ist deutlich zu sehen, dass jedem der Verdünnungsmittel ein besonderer Einfluss zukommt, und zwar ist dieser bei gleichem Sauerstoffgehalt am grössten durch zugesetzte Kohlensäure, geringer durch Verbrennung von Leuchtgas und am geringsten durch Verbrennung von Wasserstoff. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 310.)

Einfluss der Kohlensäure auf Licht und Leben von Brookmann.

Ueber diesen Gegenstand finden sich in der Literatur sehr widersprechende Angaben; ferner fehlen bei allen Notizen, sowohl über die physiologischen Erscheinungen auf den menschlichen Organismus, als auch über den Einfluss der Kohlensäure auf eine Flamme Angaben über die Ventilation der Räume, oder Angaben, ob die Beobachtungsräume abgesperrt waren. Weiter fehlen deren Grössenverhältnisse, ebenso Angaben, ob die Kohlensäure durch Athmungs- oder Verbrennungsprocess erzeugt oder als reines Gas der Luft zugemischt war. Im ersten Falle (durch Verbrennung von Kohlenstoff erzeugt) wäre die Zusammensetzung einer Luft mit 5 Proc. Kohlensäure wie folgt: 5 Proc. Kohlensäure, 16 Proc. Sauerstoff, 79 Proc. Stickstoff; für jedes verbrannte Volumen Sauerstoff bildet sich dasselbe Volumen Kohlensäure. Ist die Kohlensäure (5 Proc.) der Luft beigemischt, so ist die Zusammensetzung dagegen: 5 Proc. Kohlensäure, 20 Proc. Sauerstoff, 75 Proc. Stickstoff.

Um diese Verschiedenheiten direct im Versuche nachzuweisen, wurde einerseits eine Flamme in einem luftdicht geschlossenen Raume zum Erlöschen gebracht, andererseits einer Flamme mit Kohlensäure in immer steigendem Maasse gemischte Luft zugeführt bis zum Erlöschen. Zu ersterem Versuche dienten Bechergläser und grosse Glashäfen von verschiedenen Dimensionen über Quecksilber; in dieselbe wurde eine Kerze gebracht und nach dem Erlöschen die Luft im Gefässe untersucht. Es ergab sich, dass die Grössenverhältnisse der Gefässe erhebliche Verschiedenheiten im Kohlensäuregehalt ergeben. So erlosch die Flamme in einem Gefäss von 0,15 l Volum bei 6,6 Proc. Kohlensäure, bei 10 l Volum bei 3,0 Proc., bei 60 l bei 2,9 Proc. Selbst die Form der Gefässe war von Einfluss auf diese Verhältnisse. In einem kleinen Raume bewirkt die Flamme sofort eine wirbelnde Bewegung und die Luft wird immer wieder zur Flamme getrieben, so dass ihr viel Sauerstoff entzogen und viel Kohlensäure dafür gebildet wird. Im grösseren Gefässe dagegen ist nur Bewegung in einem verhältnissmässig kleinen Theile desselben, so dass ein grosser Theil der Luft gar nicht zur Flamme gelangt; es bildet sich daher nur ein geringerer Gehalt der Luft an Kohlensäure als im kleineren Raume. – Auf diesem Wege war es somit nicht möglich, die Luftart zu ermitteln, welche eine Flamme zum Ersticken bringt, und wurde deshalb ein weiterer Versuch angestellt. In einem Holzkasten mit 7 l Inhalt wurde ein offenes Licht aufgestellt und mit Kohlensäure gut gemischte Luft von unten eingeblasen; nach dem Erlöschen der Flamme wurde eine Probe entnommen und untersucht. Von den 15 Versuchsreihen seien einige angeführt:

In der Minute zu-
geführte Luftmenge
(sammt Kohlensäure)
Zusammensetzung der Luftart, welche die
Flamme zum Erlöschen brachte
Kohlensäure Sauerstoff Stickstoff
3,3 l 10,0 18,9 71,1 Vol.-Proc.
10,1 l 12,0 18,5 69,5
19,8 l 13,0 18,3 68,7
30,8 l 15,0 17,9 67,1

Das Verhältniss zwischen Sauerstoff und der Summe von Kohlensäure und Stickstoff ändert sich in allen Fällen nur wenig, bei der geringsten Geschwindigkeit ist es 1 : 4,3, bei der grössten 1 : 4,6. – Das Erlöschen einer Flamme ist abhängig von der Wärmeentwickelung des Brennstoffes und dem Wärmeverluste, welchen die Flamme durch die abkühlenden Gase Stickstoff und Kohlensäure erleidet. Da nun aber die specifische Wärme des Stickstoffes und der Kohlensäure verschieden (Luft: 1, Stickstoff: 0,996, Kohlensäure: 1,55), diejenige der Kohlensäure grösser als die des Stickstoffes ist, die Kohlensäure demnach eine grössere abkühlende Wirkung besitzt, so muss dies in Betracht gezogen werden. Sieht man die zugeführte Sauerstoffmenge (als Wärmeerzeuger), andererseits die zugeführten anderen Gase (als Wärmeverluste), multiplicirt mit ihren specifischen Wärmen, als vergleichbare Grössen an und berechnet aus diesen ein Wirkungsverhältniss, so ergibt sich für die geringste Geschwindigkeit 1 : 4,6, für die grösste 1 : 5,1. Demnach ist bei grösseren Geschwindigkeiten, d.h. bei grösserer Wärmeentwickelung durch Zuleiten einer grösseren Menge Sauerstoff in der Zeiteinheit ein grösseres Verhältniss der abkühlenden Gase zum Sauerstoffe erforderlich, um eine Flamme zum Erlöschen zu bringen, als dies bei geringen Geschwindigkeiten stattfindet. Man ersieht aus diesen Versuchen, dass die Angabe irgend eines Theiles eines Luftgemisches keinen Anhalt gewähren kann, um über die Wirkung desselben auf eine Flamme ein Urtheil zu fällen. Es müssen stets auch die anderen Bestandtheile des Luftgemisches