Text-Bild-Ansicht Band 282

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geringer Abnutzung der Schleifflächen desselben zu erzielen und um sein Gewicht möglichst niedrig zu erhalten, ist es namentlich auch deshalb zweckmässig, stets beide Vorrichtungen anzuordnen, weil es nützlich sein kann, eine grössere Luftmenge in einem gegebenen Augenblick in den Condensator einführen zu können, als durch das kleine geöffnete Ventilchen möglich ist.

Fr.

Imbs' neuere Maschinen zur Baumwollspinnerei.

Von G. Rohn in Chemnitz.

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 282, S. 174
Textabbildung Bd. 282, S. 174
Bei der Baumwollspinnerei sind heute im Allgemeinen zwei verschiedene Arbeitsverfahren entsprechend der gewünschten Feinheit des Gespinnstes zu unterscheiden. Bei dem Spinnen der Garnnummern über 10, d. i. bei der Baumwollfeinspinnerei, besteht das Verfahren in: 1) Bildung einer breiten Watte aus der losen Wolle auf der Schlagmaschine, 2) Umwandlung (Ausziehen) dieser Watte in ein rundes Band auf der Krempel, 3) mehrfache und zunehmende Doppelung und Verfeinerung (Verstreckung) dieses Bandes auf den Streck- und Spulenbänken, wo bei letzterer dem Bande Drehung gegeben wird, um seine Festigkeit für das Aufwickeln und Abziehen zu erhöhen, und schliesslich 4) Fertigspinnen des genügend feinen Bandes auf den Selbstspinnern (Selfactoren) oder Ringspinnmaschinen. Bei der Grobspinnerei, d. i. dem Spinnen der Nummern unter 10, ist die zweite Stufe dieses Verfahrens Umwandlung der Watte durch doppelte Krempelei in eine gleichmassige Faserschicht (Flor), welche durch den sogen. Flortheiler in einzelne schmale Bändchen zerlegt wird, und die Florbändchen dann durch Nitscheln zu rundem Vorgarn zu bilden. Die Arbeitsstufe 3 entfällt also hier ganz. Man bezeichnet das erste Arbeitsverfahren, das der Feinspinnerei, als das englische, das zweite, das Arbeitsverfahren der Grobspinnerei, als das deutsche oder sächsische, weil die zur Ausübung dieser beiden Verfahren nöthigen Maschinen entsprechend vorwiegend in England und Sachsen gebaut werden. Bandelt es sich bei der Baumwollfeinspinnerei um die Erzeugung feinerer Garnnummern über Nr. 40 und besonders die Herstellung glatter Gespinnste, so tritt in der Arbeitsstufe 2 eine nochmalige Krempelung mehrerer Bänder der ersten Krempel zu nur einem neuen Bande oder eine Kämmung der Krempelbänder hinzu.

Das Arbeitsverfahren der Baumwollfeinspinnerei ist nun seit vielen Jahren keiner Abänderung unterworfen gewesen und die verbessernde Thätigkeit der Constructeure hat sich immer nur auf die Vervollkommnung der einzelnen Arbeitsmaschinen erstreckt. Die Krempel, als die Maschine, welche die eigentliche Grundlage des Fadens, das Band, erzeugt, ist seit jeher besonders das Feld der Verbesserungsthätigkeit gewesen und der Krempel wird bei der Baumwollfeinspinnerei eine grosse Rolle und Bedeutung zugewiesen. So hat sich in neuester Zeit die Erfindungsthätigkeit besonders der Baumwollkrempel mit wandernden Deckeln1) zugewandt und mehr als die Hälfte aller neueren auf Baumwollspinnereimaschinen in England ertheilten Patente betreffen Einrichtungen an solchen Krempeln.

Auffallen muss deshalb ein auf dem Continente gemachter Vorschlag, das englische Arbeitsverfahren der Baumwollfeinspinnerei abzuändern und neue Maschinen mit anderen Arbeitsvorgängen einzuführen. Jos. Imbs, Professor am Conservatoire des arts et métiers in Paris, der bekannte Erfinder der nach ihm benannten Kämmaschine, hat diesen Vorschlag gemacht, welcher darin besteht, die Krempel fortzulassen und die Umwandlung der Baumwollwatte in ein Band durch ein besonderes Streckwerk vorzunehmen, wie die auf diese Weise gewonnenen Bänder auf Streck werken, ähnlich den in der Kammgarnspinnerei gebräuchlichen mit Nitschelzeugen versehenen Streckbänken zu doppeln und auszugleichen und dann auf der Kämmaschine die kurzen Fasern zu entfernen und ein neues Band zu bilden. Letzteres soll dann auf Streckbänken mit Nitschelwerken gedoppelt und verfeinert und, ohne erst auf eine Spulenbank zu kommen, feingesponnen werden. Das Imbs'sche neue Verfahren kennzeichnet sich also durch Weglassen der Krempel und der Spulenbänke, sowie durch allgemeinere Einführung der Kämmerei, welche jetzt nur in besonderen Fällen, wo die Erzeugungskosten des Gespinnstes nicht so in Frage kommen, als vielmehr seine absolute Gleichmässigkeit und hohe Feinheit, vorgenommen wird. Die Imbs'schen Vorschläge bezwecken eine Verminderung der Erzeugungskosten der Baumwollfeingespinnste und deshalb verdienen diese Vorschläge Beachtung.

1) Die Imbs'sche Maschine zur Umwandlung der Schlagmaschinenwatte in ein Band, das sogen. Streckwerk mit kurzer Streckweite (Fig. 1 und 2).

Der Grundgedanke dieser Maschine, die Bänder zur Speisung der Kämmaschine aus den Schlagmaschinenwatten ohne Hilfe der Krempeln zu gewinnen, kann als neu nicht erachtet werden, denn schon in dem Heilmann'schen Demeloir2) haben wir eine Maschine, welche denselben

1)

Vgl. 1887 263 * 545, 266 * 346.

2)

Vgl. Hülse, Technik der Baumwollspinnerei. Stuttgart, Cotta 1857, S 82 m, Abb.