Text-Bild-Ansicht Band 282

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ist als neu auch nicht anzusehen, da derartige Streckbänke schon lange Zeit im Betriebe sind4) und hat sich die Einrichtung auch bewährt; man findet ja auch, wie schon eingangs erwähnt, bei der Grobspinnerei die Benutzung des Nitschelzeuges zur Rundung und Verdichtung der Baumwollflorstreifen zu Vorgarn. Die neue Imbs'sche Maschine besitzt aber als besondere Eigenthümlichkeit eine neue Anordnung der Nitschelzeuglager und des Verschiebungsmechanismus (D. R. P. Nr. 39322) sowie eine neue Einrichtung des Sammeltopfes für die feinen Bänder (D. R. P. Nr. 42420). Die Imbs'sche Nitschelzeuganordnung verdient besondere Beachtung, da dieselbe allgemein bei Nitschelzeugen, also auch in der Kammgarn- und Streichgarnspinnerei Anwendung finden kann.

Textabbildung Bd. 282, S. 176
Es ist bekannt, dass in den Nitschelzeugen zur Hin- und Herbewegung der Lederhosen eine grosse Kraft nöthig ist, welche durch die Ueberwindung der Zapfenreibung hervorgebracht wird. Diese Reibung wird durch einen doppelten Zapfendruck bedingt und ist selbst eine doppelte. Der Druck der Zapfen auf die Lagergleitflächen rührt einmal von dem Gewichte der die Nitschelhosen treibenden Walzen und das andere Mal von der Spannung der Nitschelhose her, und gilt es auch nicht bloss, die gewöhnliche gleitende Zapfenreibung, herrührend von der Verdrehung, sondern auch die gleitende Reibung, von der Verschiebung der Zapfen in den Lagern herrührend, zu überwinden. Der diese Zapfenreibungen hervorrufende Druck ist die Resultirende aus den rechtwinkligen Componenten, dem senkrecht wirkenden Gewichtsdrucke der Walze und dem wagerecht wirkenden Spannungszuge der Lederhose. Da die letztere zur guten Nitschelung eine gerade Fläche geben, also immer straff gespannt sein muss, so überwiegt der Spannungszug das Walzengewicht bedeutend und die Reibung ist also in erster Linie von der Spannung der Lederhose abhängig. Imbs hat nun diesen Spannungszug für die Hervorbringung der grossen Reibung bei der Zapfenverschiebung beseitigt und damit eine Kraftersparniss in der Bewegung des Nitschelzuges erzielt, welche nach ausgerechneten Zahlenbeispielen5) bis zu 80 Proc. beträgt. Erreicht wird dies dadurch, dass die Lager der Nitschelwalzenzapfen nicht feststehen, sondern an der Hin- und Herverschiebung der Nitschelwalzen selbst theilnehmen, wodurch für die Reibungserzeugung bei der Verschiebung des Nitschelzeuges nur das Eigengewicht desselben wirkt.

Diese Eigenthümlichkeit wird durch Fig. 4 und 5 verdeutlicht, von denen Fig. 5 die Anordnung der Zapfenlager wiedergibt. Die Zapfen o der Nitschelwalzen sind für die Lager g passend eingedreht und nehmen deshalb die Lager an der Hin- und Herbewegung der Walzen theil, wobei die Lagerkörper auf den oberen in Fig. 5 durch kräftige starke Striche angegebenen Flächen des Gestelles S1 und des Stelleisens S gleiten. Die Verstellbarkeit der Lager zum Straffhalten der Nitschelhosen ist hierbei, wie aus Fig. 5 zu entnehmen, voll gewahrt und kann auch durch Verstellung des Trägers S für die Lager der oberen Hose in der festen Maschinengestellwand S1 die Entfernung der Hosen von einander, also auch der Nitscheldruck geändert werden.

Aus Fig. 4 ist auch der Mechanismus zur Verschiebung der Hosen ersichtlich, bei welchem aber nicht wie bisher das Excenter E das Ausschieben und das Zurückziehen der Hosen zu besorgen hat, sondern nur das Ausschieben in der Richtung gegen den Kasten D hin, während das Zurückschieben Federn besorgen, welche in dem Kasten D untergebracht sind und durch die Schrauben t gespannt werden. Die Walzenzapfen o sind an beiden Enden lose drehbar, aber gegen Verschiebung durch Ringe in den Büchsen a und b gehalten, so dass also die Federn in dem Kasten D und die Bolzen e die Drehung nicht mitzumachen brauchen, wodurch auch in den Endlagern die Reibung möglichst verkleinert wird.

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Zum Ansammeln der gestreckten Bänder dienen, wie schon bemerkt, Blechtöpfe T (vgl. Fig. 3). Dieselben führen jedoch keine fortlaufende Drehbewegung aus, wie die gewöhnlichen Drehtöpfe, sondern schwingen nur um eine ganze Umdrehung hin und her. Bei der gewöhnlichen Anordnung dreht sich sowohl der Blechtopf als der oberhalb befindliche, das Band einführende Trichter und deshalb wird das Band zusammengedreht. Da aber bei der neuen Streckbank, um die Länge der Maschine voll auszunutzen, jeder Topf zwei und mehr Bänder aufzunehmen hat, welche dann wieder einzeln zu weiterer Verfeinerung gelangen, so dass also die Bänder sich beim Auszuge aus dem ruhenden Topfe leicht trennen lassen müssen, werden hier die Bänder durch den fest und excentrisch zum Topfe stehenden Trichter j in den Topf T eingeleitet und letzterer führt nur kurze Schwingungen aus, die von einer unter den Töpfen liegenden hin und her geschobenen Zahnstange Z allen Topfböden gemeinschaftlich ertheilt werden. Dadurch legt sich das aus einzelnen zusammengenommenen Bändern bestehende Band in abwechselnd umkehrenden Cycloiden, wie Fig. 6 zeigt, um den festen Stab t in der Mitte in den Topf, und damit derselbe möglichst viel fassen kann, werden die einzelnen Bandlagen fest zusammengedrückt. In jeden Topf tritt ein sichelförmiger Drücker M, welche Drücker, indem dieselben gemeinschaftlich an der

4)

Besonders in der Normandie in Frankreich, vgl. Hülse, Technik der Baumwollspinnerei, 1857 S. 114.

5)

Vgl. L'industrie textile, 1890 S. 212.