Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

die Einrichtung zur wagerechten Bewegung der Zange ersichtlich. Die Curvenscheiben C2 wirken auf die Hebel H2, welche an das Untertheil T angegossen sind. Die Federn f2 vermitteln dabei den Gegendruck und die Anschläge a auf den Stangen s1 begrenzen den Rückgang der Zange, bestimmen also genau die Stellung zum Fassen des frischen Faserbartes.

Textabbildung Bd. 282, S. 179
Fig. 16 macht die Einrichtung zur absetzenden Drehung der Walze c und ihrer Putzwalze c1 deutlich, durch welche Bewegung die rein gekämmten Faserbärte, also der Kammzug, abgeführt wird. Auf der vorher genannten Daumenwelle n sitzt ein einzähniges Rad Z, welches bei jeder Umdrehung das mit dem Sternrade S1 versehene achtzähnige Rad R1, an dessen Stelle auch ein sieben- oder sechszähniges aufgesteckt werden kann, um je einen Zahn fortdreht. Diese absetzende Drehung wird den Walzen c und c1 durch das kleine Kettenrad r mit der Kette k mitgetheilt. Die schlaffe Kette k gestattet die wagerechte Bewegung der Walzen mit der Mulde T.

Textabbildung Bd. 282, S. 179
Textabbildung Bd. 282, S. 179
Es bleibt nun noch die Weiterführung des Kammzuges und die Bildung der Kammzugschicht zu einem runden Bande zu betrachten. Diese Einrichtung hat besonders viele Schwierigkeiten verursacht und erst mit der neuesten Anordnung scheint die Imbs'sche Kämmaschine ihre Vollkommenheit erlangt zu haben. Die Imbs'sche Kämmaschine arbeitet in einer Breite von 1 m, also in einer Breite, die bis 6mal so gross ist, als die der arideren Kämmaschinen Heilmann'schen Systems, und da es gilt, einen so breiten Kammzugflor ganz schmal zusammenzunehmen, so muss der Trichter, welcher dies zu besorgen hat, ganz besonders construirt sein. Nach langen Versuchen hat sich die aus Fig. 7 und dem Grundrisse Fig. 17 der Kämmaschine ersichtliche Einrichtung als die vollkommenste gezeigt. Da die Abreisszange und somit auch der Kammzugflor in hin und her gehender Bewegung ist, der das Band formende Trichter vor den Abzug- und Streckwalzen aber feststeht, so sind zwei in einander tretende Flachtrichter angewendet. Der erste breite Trichter x, dessen Seitenränder für das Uebereinanderlegen des Flors um gekrampt sind, ist mit der Abreisszange A fest und schwingt mit dieser hin und her, während der zweite schmälere Trichter y an den Abzugwalzen feststeht.

Das aus dem Kammzugflor gebildete Band kommt nach der Verstreckung in einem gewöhnlichen drei walzigen Streckwerk, in einem runden Trichter geführt, in das Nitschelwerk N, um hier gerundet und verdichtet zu werden und wird dann von einem Drehtopfe gewöhnlicher Einrichtung aufgenommen. Das Nitschelwerk N hat genau dieselbe neuartige Einrichtung wie das der beschriebenen Streckbank.

Die Kämmaschine wird mit den auf der beschriebenen Streckbank erhaltenen Bandwickeln gespeist. 25 bis 30 derartige Wickel, welche aus einem vierfachen ungedrehten Bande bestehen, werden der Kämmaschine vorgesetzt und die zu speisende Baumwollwatte wird demnach von 100 bis 120 feinen ungedrehten, durch die Leiste u geführten Bändern gebildet, was eine besondere Gleichmässigkeit der Kämmung ergibt. Es ist dies der Hübner'schen, für Baumwolle besonders verbreiteten Kammaschine, wie auch anderen Kämmaschinen gegenüber zu betonen, da diese Wickel vorgelegt erhalten, deren Band sich abziehen lassen muss, so dass, um eine genügende Haltbarkeit des Bandes zu sichern, dasselbe stärker und gedreht sein muss.

Die von der Imbs'schen Kämmaschine erhaltenen Bänder können nun, da dieselben eine grössere Gleichmässigkeit besitzen, ohne öftere wiederholte Streckung und Doublirung zum Vorspinnen kommen. Als Vorspinnbank soll nun die beschriebene Streckbank mit Nitschelwerk benutzt werden, welche dann mit verschiedener zunehmender Feinheit in der Eintheilung und der Stärke der Streckorgane ausgeführt wird. Bei diesem neuen Vorspinnprocesse fällt also gegenüber dem jetzt gebräuchlichen Arbeiten mit den Spulenbänken jede Hilfsdrehung der Bänder fort und dieselben erhalten also nur durch die Nitschelung ihren zum Fortbewegen nothwendigen Zusammenhang der einzelnen Fasern. Es muss anerkannt werden, dass die Streckbank mit Nitschelzeug als Vorspinnmaschine viel einfacher ist, als die wegen der Spulenbildung und Hilfsdrehung der Bänder einen sehr verwickelten und eigensinnigen Mechanismus erfordernden Spulenbänke, weshalb zur Bedienung der Imbs'schen Vorspinnbänke ein weniger geschultes Personal erforderlich ist. Die Geschwindigkeit der Bänder auf den Imbs'schen Vorspinnmaschinen soll sich auf 25 m in 1 Secunde steigern lassen und aus dieser grösseren Geschwindigkeit, welche durch den leichten Gang der Nitschelung nicht zum wenigsten bedingt ist, ergibt sich auch eine höhere Leistung, als bei den jetzigen Spulenbänken. Da, wie schon bemerkt, die Spulenbank mit Nitschelung, wie sie die Kammgarnspinnerei besitzt, in den Baumwollspinnereien der Normandie bis zu den Nr. 40 in Anwendung ist, so ist kein Zweifel zu hegen, dass die neue Imbs'sche Maschine sich in der Baumwollfeinspinnerei einbürgern wird.