Text-Bild-Ansicht Band 282

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in einer Neigung von etwa 45° gegen die lothrechte Platte. Der Raum zwischen den Klötzen und der Platte ist mit Kork ausgefüllt und bildet eine Dämpfung, welche weder durch atmosphärische Wechsel beeinflusst wird, noch durch fremde Erzitterungen, wie z.B. Vorüberfahren der Züge in einer Eisenbahnstation. Die Kohlenstäbe sind auf den Klötzen so angeordnet, dass die Schwingungen der Platte in einer solchen Weise fortgepflanzt werden, dass die lockeren Stäbe bloss von der Schwerkraft beeinflusst werden und gehindert sind, das Gesprochene durch Rollen undeutlich zu machen.

Textabbildung Bd. 282, S. 183
Die Lage der Korkdämpfung und der Umstand, dass die Schwingungen von der Platte auf die Kohlen bloss durch zwei, nahezu in der Mitte der Platte sitzende Schrauben übertragen werden, machen es möglich, dass die Schwingungen der Platte in möglichster Weite und voller Kraft vor sich gehen können, und deshalb wird das Gesprochene nicht nur sehr klar, sondern auch ganz laut wiedergegeben werden. Eine Anzahl von Eisenbahngesellschaften hat daher dieses Telephon für ihre Zwecke als zweckmässig erachtet; bei seiner Benutzung auf langen Bahnlinien wird aber die Rufglocke mittels eines besonderen Relais in Thätigkeit gesetzt.

Die Kohlenausschalter der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft.

Mit Abbildungen.

Es hat sich gezeigt, dass bei schnellen Unterbrechungen eines in vielen Windungen verlaufenden Stromes von beträchtlicher Stärke der durch die Selbstinduction entstehende Extrastrom, welcher von sehr hoher Spannung ist, leicht die Isolation der Schenkelbewickelung der Dynamo durchschlägt.

Textabbildung Bd. 282, S. 183
Dies verhütet der neue, zur langsamen, allmählichen Unterbrechung des Stromkreises der Magnetschenkel bei grösseren Dynamomaschinen dienende Kohlenausschalter der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin. In diesem nimmt bei Unterbrechung des Stromkreises mittels des (in Fig. 1 und 2 rechts sichtbaren) Hebels der Strom zunächst seinen Weg durch zwei, parallel zu diesem Ausschalthebel in den Stromkreis eingefügte Kohlenstäbe. Hierbei bildet sich ein Lichtbogen, welcher durch langsame Entfernung der oberen Kohle durch die (in den Abbildungen links ersichtliche) Kurbel den Stromkreis so allmählich unterbricht, dass Extraströme kaum entstehen.

Bei dieser Anordnung ist ein Unterbrechen des Stromkreises unter absichtlicher oder zufälliger Umgehung des Kohlenausschalters ausgeschlossen. Wird nämlich zum Schliessen des Stromkreises der in Fig. 1 und 2 rechts sichtbare Hebel mit seinen Contacten verbunden, so werden die beim Ausschalten durch die Kurbel von einander entfernten Kohlen wieder selbsthätig zusammengeführt.

Textabbildung Bd. 282, S. 183
Fig. 2 bietet eine übersichtliche Skizze der Schaltung.

Beiträge zur Technologie der Chrompigmente.

Von Dr. Carl Otto Weber.

(Fortsetzung des Berichtes S. 138 d. B.)

Chromgrüne aus Chromgelb.

Für die Darstellung von Chromgelb für Chromgrün eignet sich als oxydirbare Säure ganz besonders die Ferrocyanwasserstoffsäure resp. deren Natron- oder Kalisalz, besonders aus dem Grunde, weil bei deren Anwendung an Stelle von Citronensäure das Bleiacetat ohne besondere Vorsichtsmaassregel durch Bleinitrat ersetzt werden kann, indem Ferrocyanblei in verdünnter Salpetersäure nicht löslich ist. Für die Darstellung von Handelschromgelben ist dieses Verfahren der Anwendung von Ferrocyansalzen nicht geeignet, da hierfür der Ton der erhaltenen Gelbe ganz ungeeignet ist, damit hergestellte Grüne sind aber von ganz hervorragendem Feuer, bei äusserst reiner und klarer Nuance.

Neu ist nun diese Methode der Chromgrünfabrikation unter Zuziehung organischer Säuren durchaus nicht, aber die wichtige Rolle, welche die organische Säure hierbei spielt, wurde bisher vollständig missdeutet, weil die zu Grunde liegenden chemischen Verhältnisse gänzlich im Dunkeln waren. In Folge dessen war es auch nicht möglich, die grossen Vortheile der Methode auf die Chromgelbe ohne Unterschied anzuwenden, da die empirische Methode in ihrer Anwendung auf Chromgelbe überhaupt unverkäufliche Producte liefert. Vorstehende Auseinandersetzung ermöglicht die Ausdehnung des Verfahrens auf Chromgelbe im Allgemeinen, und dürfte das Verfahren für die Anwendung von Chromgelben in Cattundruck und in der Papierfabrikation von erheblichem Interesse sein.

Bei der Darstellung von Chromgrünen aus diesen Chromgelben kann das Blau dem Chromgelb, wie bereits bei den früher erwähnten Verfahren angegeben wurde, entweder dem Gelb nach der Fällung zugemischt oder vor der Fällung der Lösung des Bleisalzes zugesetzt werden. Letztere Methode gibt, wie bereits bemerkt, bessere Resultate und die so erzeugten Grüne besitzen einen hohen Grad von Echtheit. An dieser Methode ist nur noch auszusetzen der durch die Unmöglichkeit absolut feiner Vertheilung bedingte unnöthiger Weise hohe Verbrauch an Pariserblau.