Text-Bild-Ansicht Band 282

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es ist das schönste und echteste Chromgrün, das die Pigmentfarbenindustrie gegenwärtig kennt.

Selbstverständlich ist, dass obige Sätze auch ausführbar sind mit den entsprechenden Mengen neutraler Bleisalze, doch muss bemerkt werden, dass verschiedene Bleisalze auch Grüne von verschiedener Nuance liefern, und zwar sind die Unterschiede bei den Grünen erheblich grösser als bei den Gelben. Dies ist sehr auffallend, da ja die Säure des Bleisalzes an der Grün- resp. Gelbbildung nicht den geringsten Antheil nimmt, wenigstens nicht nach unseren gegenwärtigen Vorstellungen von den chemischen Wechselzersetzungen durch doppelten Austausch, die uns keinen Aufschluss geben, warum die Reaction

2Pb(C2H3O2)2 + K2Cr2O7 + H2O = 2PbCrO4 + 2KCrH3O2 + 2C2H4O2

nicht absolut genau dasselbe Chromgelb (resp. Grün) ergeben soll, als die Reaction

2Pb(C2H3O2)2 + K2Cr2O7 + H2O = 2PbCrO4 + 2KC2H3O2 + 2C2H4O2.

Möglicher Weise ist die Verschiedenheit der Wärmetönung in beiden Reactionen in ursächlichen Zusammenhang zu bringen mit der Verschiedenheit der beiden Farbstoffe; ebenso nahe liegt aber die Vermuthung, dass die beiden Gelbe (Grüne) noch Essigsäure resp. Salpetersäure enthalten. Indirect scheint dafür auch die Thatsache zu sprechen, dass Nitratgelbe im Cattundruck stets bedeutend schlechtere Resultate geben als Acetatgelbe. Es ist mir aber nie gelungen, in einem sorgfältig dargestellten Gelbe Essig- oder Salpetersäure nachzuweisen.

Die vorstehenden Auseinandersetzungen enthalten alles Wesentliche, das vom chemischen Standpunkt aus bei der Fabrikation der Chromgrüne in Betracht zu ziehen ist, insofern es sich um die Darstellung chemisch reiner Chromgrüne handelt. Solche Chromgrüne werden aber äusserst selten dargestellt und es dürfte in der That kaum ein Chromgrün im Handel vorkommen, das nicht eine indifferente mineralische Füllung in irgend einer Form enthält. Solche mineralische Zusätze (Füllungen) kurzweg als Verfälschungen zu bezeichnen, wie es häufig geschehen ist, muss als ein grosses Missverständniss bezeichnet werden, da ohne solche Zusätze sehr häufig ein Grün für einen speciellen Zweck geradezu unverwendbar wäre. Beispiele in dieser Richtung lassen sich in grosser Zahl anführen und begnüge ich mich speciell darauf hinzuweisen, dass ein absolut reines Chromgrün in der Fabrikation von Buntpapier Aufstriche liefert, die nicht selten geradezu unschön sind in Folge eines gewissen seifigen Glanzes, den dieselben besitzen. Enthält ein solches Grün nur wenige Procente Thonerdehydrat, so wird dadurch das Grün in der vortheilhaftesten Weise verändert und liefert nunmehr Aufstriche, die durch ihre sammtartige Beschaffenheit den Eindruck grosser Tiefe und Lebendigkeit machen und dem mit dem reinen Grün erzeugten Aufstriche unendlich überlegen sind. Es ist aber nicht nur von Wichtigkeit, ob und welche Füllung ein Chromgrün erhalten hat, sondern auch auf welche Weise dasselbe dem Farbstoff einverleibt wurde, und erscheint es daher angezeigt, im Folgenden diesem Gegenstande näher zu treten.

Als Füllung für Chromgrüne werden nur weisse mineralische Stoffe verwendet, die ihrer chemischen Natur zufolge gegen das Gelb und Blau des Chromgrünes sich indifferent verhalten. Die wichtigsten der verwendeten Stoffe sind

a) Schwerspath
b) Gyps (Lenzin)
c) Thonerdehydrat
d) China clay.

Von diesen Füllungsmitteln dienen Schwerspath und Gyps wesentlich zur Erzeugung mehr oder minder stark reducirter Ware und wird für die allerbilligste Ware oft bis 1000 Proc. dieser Füllungsmittel einem Grün einverleibt. Im Allgemeinen kann, als Regel gelten, dass, je weiter die Verdünnung getrieben wird, um so weniger Gyps, aber an Stelle dessen Schwerspath sollte verwendet werden. Der Grund hierfür ist das viel grössere specifische Gewicht des Schwerspaths, in Folge dessen ein gewisses Quantum desselben weit weniger aufhellend auf die Nuance einwirkt als ein gleiches Gewicht Gyps. Die specifischen Gewichte von Gyps und Schwerspath verhalten sich wie 2,32 zu 4,5, und genau im selben Verhältniss steht deren specifisches Aufhellungsvermögen, d.h. 1 Th. Gyps äussert in dieser Hinsicht ungefähr dieselbe Wirkung als 2 Th. Schwerspath. Es könnte danach scheinen, als ob die Anwendung von Gyps überhaupt unvortheilhaft wäre. Dies ist aber nicht der Fall. Schwerspath besitzt die unangenehme Eigenschaft, die Chromgrüne in äusserst schwere staubige Pulver zu verwandeln, während bei Anwendung von Gyps deren „Leichtigkeit“, das ist deren flockige Beschaffenheit, erhalten bleibt, welche gleichzeitig der Farbe ein schöneres Ansehen sichert. Es empfiehlt sich deshalb für schwache Reductionen vorwiegend Gyps und keinen oder wenig Schwerspath zu verwenden, während für starke Reductionen, um zu starke Schwächung der Nuance zu vermeiden, hauptsächlich Schwerspath verwendet werden muss, dem aber stets 10 bis 15 Proc. Gyps beigegeben werden sollten, um die Beschaffenheit des gepulverten Farbstoffes nicht zu staubig werden zu lassen. Sind die Chromgrüne nicht bestimmt, getrocknet und gepulvert zu werden, sondern sollen dieselben in Teig bleiben, kann gleichfalls mit Vortheil die oben gegebene Regel beobachtet werden, da Grüne, die neben Schwerspath auch noch Gyps enthalten, einen wesentlich besseren Aufstrich liefern, als wenn nur Schwerspath verwendet wurde. Schwerspath und Gyps sind aber nur in solchen Teigfarben zulässig, die für Tapetendruck bestimmt sind, für welchen Zweck meist Farben mit viel Körper verlangt werden; für Zwecke der Buntpapierfabrikation liefern aber solche Grüne Aufstriche, die viel zu rauh sind, und es enthalten daher die Chromgrüne für Buntpapierfabrikation fast ausnahmslos Thonerdehydrat als Füllung, in vereinzelten Fällen auch China clay oder bisweilen beide gleichzeitig.

Das Thonerdehydrat ist unstreitig einer der wichtigsten Körper der Pigmentfarbenfabrikation und von ausserordentlicher Anwendbarkeit. Es wurde früher, ehe eisenfreie schwefelsaure Thonerde im Handel war, stets aus Alaun dargestellt, gegenwärtig aber ausschliesslich aus eisenfreier schwefelsaurer Thonerde des Handels. Mit Bezug auf einen Eisengehalt der verwendeten schwefelsauren Thonerde ist die grösste Vorsicht zu beachten, da eine äusserst geringe Menge Eisen schon im Stande ist, höchst nachtheilig auf das erzeugte Thonerdehydrat zu wirken. Schwefelsaure Thonerde von so hohem Eisengehalt, dass das daraus erzeugte Thonerdehydrat gelblich gefärbt würde, ist mir nie vorgekommen, sehr häufig dagegen sind sehr geringe Mengen Eisen vorhanden, deren Gegenwart sich an einer bläulichen, bleiernen Färbung des Thonerdehydrats zu erkennen gibt,