Text-Bild-Ansicht Band 282

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das bei Abwesenheit jeder Spur Eisen als blendend weisser Niederschlag ausfällt. Solches missfarbige Thonerdehydrat enthält, soweit meine Beobachtungen reichen, nie mehr als 0,008 Proc. Fe2O3, aber ein derart gefärbtes Thonerdehydrat übt einen grossen Einfluss auf die Reinheit des Farbentones der damit gefüllten Grüne. Die Füllung mit Thonerdehydrat wird nie so weit getrieben, als mit Schwerspath oder Gyps, das angewendete Maximum beträgt ungefähr 100 Proc. Al2(OH)6 vom Gewicht des Grünes (trocken gerechnet). In gewissen Fällen, wo entweder die Rauheit des Aufstriches eines mit Schwerspath oder Gyps gefüllten Grünes vermieden werden soll, oder wo eine mehr „Körper“ als Thonerdehydrat besitzende Füllung erwünscht ist, wird China clay angewendet, meist neben Thonerdehydrat. Mit China clay gefüllte Grüne besitzen eine grosse Weichheit und die Aufstriche auf Buntpapier sind in hohem Grade satinir- und lissirbar. Wichtig ist die Auswahl des zu verwendenden China clay, da die verschiedenen Handelssorten in ihrer Verwendbarkeit als Füllmittel ganz erheblich von einander abweichen. Die Zusammensetzung des normalen China clay entspricht der Formel Al2O3, 2SiO2, 2H2O, es gibt aber China clays, die so basisch sind, dass ihre Zusammensetzung sehr nahe der Formel (Al2O3)2(SiO2)3, 3H2O. Je näher ein China clay der letzteren Formel kommt, um so besser eignet sich derselbe für den Farbenfabrikanten. Während die China clays, die der ersten Formel entsprechen, sich durch grosse Deckkraft und dem entsprechendes Aufhellungsvermögen auszeichnen, sind die der zweiten Formel entsprechenden oder nahe kommenden Caoline viel durchsichtiger, d.h. weniger deckend, hellen daher die Nuance bei weitem weniger auf und sind deshalb vorzuziehen.

Nachdem vorstehend die Gründe angegeben wurden, die für die Wahl des einen oder anderen Füllmaterials maassgebend sind, erübrigt nur noch eine Besprechung des Verfahrens der Zumischung derselben zu dem Grün. Sehr weitverbreitet ist der Gebrauch, die Füllung in Wasser zu verrühren, aufzuschlämmen, die aufgeschlämmte Masse in das Bleisalz einzurühren und sodann die Fällung vorzunehmen. Die Idee scheint die zu sein, dass hierbei der Farbstoff auf das Füllmaterial gefüllt wird, das dabei so eingehüllt wird, dass das Weiss desselben nur ein Minimum von Aufhellung ausübt und ferner, dass hierbei das Füllmaterial in so enger Vereinigung mit dem Farbstoff erhalten wird, dass die spätere mechanische Verarbeitung des Niederschlags hierdurch wesentlich erleichtert und abgekürzt wird. Beide Annahmen sind durchaus irrig und ist in der That dieses Verfahren der Füllung das schlechteste und unvortheilhafteste, das man anwenden kann. Von vornherein führt dasselbe bei der Anwendung von Gyps zu der unangenehmen Complication, dass derselbe beim Zusammentreffen mit der Lösung des Bleisalzes dieses sofort in Bleisulfat umwandelt, ein in jeder Beziehung unerwünschtes Resultat. Die Schnelligkeit, mit der diese Umsetzung vor sich geht, ist in der That erstaunlich in Anbetracht der geringen Löslichkeit des Gypses. Der grösste Nachtheil ist aber der, dass das bei Abwesenheit von Schwerspath oder Gyps stets flockiger ausfallende Chromgrün bei Anwesenheit von Schwerspath von diesem sofort niedergerissen wird. Flockenbildung ist ganz unmöglich und das Grün wird als ein speckiger schlecht filtrirbarer Niederschlag erhalten, der für die Verwendung als Teigfarbe einen sehr unergiebigen „kurzen“ Teig bildet, und wenn getrocknet, ein schweres, lebloses und staubiges Pulver liefert. Wird dagegen die Füllung gleichzeitig mit der Fällung und mit dieser fortschreitend zugesetzt, oder wird sie nach der Fällung zugesetzt, so ist das Ausfallen des Grüns in Flocken ermöglicht, und in Folge dessen wird ein bedeutend schöneres Grün erhalten, das als Teigfarbe, wie als Pulver die vom Käufer verlaugten günstigen Eigenschaften besitzt. Unbedingt nöthig ist aber, dass die Füllmasse in einem nicht zu geringen Quantum Wasser gehörig vertheilt wurde, und empfiehlt es sich, gleichgültig ob während oder nach der Fällung gefüllt wird, die Füllmasse durch ein massig feines Sieb (Nr. 40) in den Fällungsbottich zu passiren.

Etwas anders liegt der Fall, wenn Thonerdehydrat die Füllmasse bildet. Es möchte scheinen, als ob in diesem Falle ein Niederreissen des Chromgrünes durch das so ausserordentlich leichte und schwammige Füllmaterial nicht zu befürchten wäre, so dass der bei der Anwendung von Schwerspath und Gyps angegebene Grund gegen das Einrühren der Füllung in die Lösung des Bleisalzes vor der Fällung, bei Anwendung von Thonerdehydrat unberücksichtigt bleiben könnte. In einem gewissen Grade ist dies in der That der Fall, doch hat sich auch hier gezeigt, dass es unvortheilhaft ist, die Gesammtmenge Thonerdehydrat vor der Fällung zum Bleisalz zu bringen. Andererseits besteht aber die Schwierigkeit, dass bei der sehr grossen Verschiedenheit der specifischen Gewichte und Volumen des Thonerdehydrat- und des Chromgrünniederschlages dieselben sich nach erfolgter Fällung sehr schwierig und unvollkommen vereinigen. In Folge dessen ist für Thonerdehydrat folgendes Zumischungsverfahren in Anwendung: Ungefähr 85 Proc. der auf Thonerdehydrat (für einen bestimmten Satz) zu verarbeitenden schwefelsauren Thonerde werden in einem über dem Grün-Fällungsbottich stehenden Bottich durch Fällen mit Soda in Thonerdehydrat verwandelt, der Niederschlag wird gut ausgewaschen. In einem kleinen Bottich werden die restlichen 15 Proc. Thonerdesulfat und in einem zweiten kleinen Bottich die äquivalente Menge Soda gelöst. Sobald nun das Grün gefällt ist, lässt man aus dem einen kleinen Bottich die 15 Proc. schwefelsaure Thonerde in das Grün abfliessen und gibt sodann unter gutem Rühren langsam die Soda zu. Hierdurch wird natürlich eine äusserst innige Vereinigung zwischen einer geringen Menge Thonerdehydrat und dem vorher gefällten Grüne bewirkt und da diese Thonerdefällung von starker Kohlensäureentwickelung begleitet ist, so wird der resultirende combinirte Niederschlag in sehr voluminöser Form erhalten. Das Grün wird nun vollständig ausgewaschen und sodann das aus den 85 Proc. Thonerdesulfat erhaltene Thonerdehydrat mit demselben gemischt. In Folge der geringen Menge in das Grün gefällten Thonerdehydrates findet nunmehr die Vereinigung mit dem Thonerdehydrat mit grösster Leichtigkeit statt.

Soll dem Grün neben Thonerdehydrat noch eine Füllung von Schwerspath, Gyps oder China clay gegeben werden, so wird diese dem Grün während oder unmittelbar nach der Fällung einverleibt, also vor der darauf folgenden Thonerdefüllung; im Uebrigen wird wie oben verfahren.

(Fortsetzung folgt.)