Text-Bild-Ansicht Band 282

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die dunkeln Blaue für diesen Zweck so gut wie unbrauchbar sind, liegt der Fall für die Chromgrüne gerade umgekehrt und gibt ein Blau um so bessere Resultate, je stärker violettstichig (rothstichig) dasselbe ist. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die Nuance, sondern auch in Bezug auf die Deckkraft der Grüne, obgleich an und für sich das deckkräftigste Blau nicht gerade die feurigsten Grüne liefert. In Folge dessen finden in den rationell arbeitenden Fabriken drei verschiedene Pariserblaue Anwendung, nämlich ein Pariserblau mit Ultramarinton (Stahlblau), ein Pariserblau mit tiefem Indigoton und ein dunkles rothstichiges Blau. Ersteres dient ausschliesslich für Zinkgrüne, das zweite für die feinen feurigen Grüne für Lithographiedruck und Lederfärberei und das dritte für die Chromgrüne im Allgemeinen, gleichgültig ob in Teig oder trocken.

Das Verfahren zur Erzeugung aller dieser Blaue beruht auf der Bildung der Eisenoxydulverbindung des Ferrocyankaliums und nachfolgender Oxydation des so erhaltenen Weissteiges zu Blau. Die Nuance des erhaltenen Blaues ist von einer grossen Anzahl von Umständen abhängig. Die wichtigsten derselben sind: die bei der Fällung des Weissteiges angewandten Mengenverhältnisse, die Natur des angewandten Eisenoxydulsalzes (Sulfat oder Chlorid), das angewandte Oxydationsmittel und die Säure und deren Menge, in deren Gegenwart die Oxydation vollzogen wird.

I. Stahlblau: Bei der Darstellung von Stahlblau dient Eisenchlorür als Fällungsmittel. Die Fällung des Weissteiges wird in folgender Weise ausgeführt. 100 k Ferrocyankalium werden in 1500 l Wasser gelöst und sodann in einen Bottich von 4000 l Inhalt abgelassen. Die Ferrocyankaliumlösung wird zum Sieden erhitzt und sodann 25 k Salzsäure (1,150 spec. Gew. = 30 Proc. HCl) zugefügt und eine halbe Stunde mit directem Dampf gekocht. Inzwischen wurde eine Lösung von 65 k Eisenchlorür (FeCl2) in 500 l Wasser gelöst, zum Sieden erhitzt und, wenn in vollem Kochen, der Lösung des Ferrocyankaliums unter gutem Rühren zugefügt. Ein anderes, eine etwas hellere Nuance lieferndes Verfahren ist, das Ferrocyankalium und Eisenchlorür in zwei über dem Fällungsbottich stehenden Gefässen in je 300 l Wasser zu lösen, der Fällungsbottich wird zur Hälfte mit Wasser gefüllt, 25 k Salzsäure zugefügt und während diese Lösung in vollem Kochen, die beiden vorbereiteten Lösungen gleichzeitig in den Fällungsbottich abfliessen gelassen. Auf welche Weise die Fällung des Weissteiges bewirkt wurde, stets muss nach der Fällung, unter fortgesetztem Rühren, das Kochen für eine halbe Stunde weiter unterhalten werden. Dann wird mit kaltem Wasser bis zum Rande aufgefüllt und der Weissteig zwei Tage der Ruhe überlassen. Am dritten Tage wird das über dem Weissteige stehende Wasser abgehebert, darauf 25 k Salzsäure zugesetzt, eine halbe Stunde unter Rühren mit directem Dampf gekocht und eine Lösung von 12 k Kaliumchlorat in 100 l siedendem Wasser langsam und unter fortwährendem Kochen zugefügt. Die Oxydation beginnt sofort und ist nach ungefähr 20 Minuten langem Kochen beendigt, während welcher Zeit beständig gerührt werden muss. Der Bottich wird mit kaltem Wasser bis zum Rande aufgefüllt und das Blau absetzen gelassen. Dasselbe muss so lange gewaschen werden, bis es völlig säurefrei ist. Die Beschaffenheit des verwendeten Wassers ist von erheblicher Wichtigkeit, da dasselbe unter gewissen Umständen im Stande ist, einem Blau alles Feuer und Glanz zu nehmen. In dieser Weise wirken alle Calciumcarbonat bezieh. Bicarbonat haltenden Wasser, während Calciumsulfat kaum einen solchen Einfluss ausübt. Wo die Verwendung eines solchen Calciumcarbonat haltenden Wassers unvermeidlich ist, versäume man nicht, dem Blau vor jedem frischen Waschwasseraufguss 1 bis 2 k Essigsäure (30 Proc.) zuzufügen, die ungünstige Wirkung eines ungeeigneten Wassers wird dadurch, wenn auch nicht ganz, so doch zum grossen Theil aufgehoben.

Das in vorstehendem Processe verwendete Eisenchlorür wird stets in den Farbenfabriken selbst aus Salzsäure und Eisendrehspänen hergestellt, doch sind nur solche von Gusseisen verwendbar, da schmiedeeiserne Späne nur sehr langsam und unvollkommen gelöst werden. Die gewonnene Lösung von Eisenchlorür ist stets sehr schmutzig, indem darin eine Menge Graphit und theerige Kohlenwasserstoffe suspendirt, die aus dem Eisen, theilweise auch von unvermeidlichen Verunreinigungen der Drehspäne herrühren. Um die Lösung von diesen zu befreien, filtrirt man dieselbe durch Holzkohle und Sägespäne, die sich in einem flachen Kasten mit durchlöchertem Boden befinden. Auf den Boden des Kastens kommt die Holzkohle, darüber die Sägespäne (von Nadelhölzern).

II. Pariserblau, Indigoton: Für die Darstellung dieser Sorte Pariserblau dient Eisenvitriol. Man löst 100 k Ferrocyankalium und 90 k Eisenvitriol in je 500 l Wasser, fügt zur Lösung des Ferrocyankaliums 25 k Schwefelsäure 66° Bé. und zur Lösung des Eisenvitriols 10 k Schwefelsäure 66° Bé. und eine Lösung von 1,5 k Zinnchlorür (Zinnsalz) in 20 l Wasser. Inzwischen ist der Fällungsbottich zur Hälfte mit Wasser gefüllt und dieses zum Sieden erhitzt; unter fortgesetztem Sieden lässt man dann die beiden obigen Lösungen gleichzeitig in den Fällungsbottich einfliessen und fährt mit dem Kochen und Rühren für weitere 30 Minuten fort. Der Zusatz des Zinnsalzes zu der Lösung des Eisenvitriols hat natürlich in erster Linie den Zweck, etwa vorhandenes Oxydsalz zu reduciren; es geht aber ausserdem das Zinn in das Blau über und übt einen nicht unwesentlichen Einfluss auf dessen Nuance aus. Der erhaltene Weissteig bleibt nun, nachdem der Bottich mit kaltem Wasser aufgefüllt wurde, zwei Tage stehen und wird sodann nach dem Abziehen des Wassers oxydirt. Für die Oxydation dieser Sorte werden zwei Verfahren benutzt, in deren einem Salpetersäure, im anderen Chromsäure das Oxydationsmittel darstellen.

Zur Oxydation mittels Salpetersäure lässt man den Weissteig in einen verbleiten Bottich oder noch besser einen rechteckigen verbleiten Kasten fliessen, wobei es aber wichtig ist; den Weissteig so concentrirt zu haben, als ohne Filtration möglich ist. Da bei der Salpetersäureoxydation stets Ströme von Untersalpetersäure entweichen, so ist es wichtig, für deren prompten Abzug ohne Belästigung der Arbeiter zu sorgen. Man gibt daher dem verbleiten Kasten folgende Einrichtung: Der Kasten besitzt für den obigen Ansatz aus 100 k Ferrocyankalium 2 : 3 m Grundfläche und ist Im hoch; um das Rühren und Mischen zu erleichtern, ist es sehr zweckmässig, den Boden in der Längsrichtung oval zu machen. Auf dem Kasten sitzt eine Haube, die denselben nach allen Seiten und oben abschliesst, nur eine der Schmalseiten bleibt offen, um einem Arbeiter das Rühren und Durchmischen