Text-Bild-Ansicht Band 282

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liegt im Wesentlichen darin, dass man in der Lage ist sehen zu können, wie weit man die Verbrennungsluftmenge zu vermindern oder zu vermehren im Begriffe ist, was man ohne eine solche Skalavorrichtung selbst bei geschultestem Gefühl nicht zu beurtheilen in der Lage ist. Dass hierin aber wirklich ein Vortheil in ökonomischer Beziehung zu erblicken ist, erhellt aus dem Umstände, dass eine sehr verschiedenartige Verbrennung, wie man sie erzielt, wenn man ohne genaueres Beobachtungsmittel das Ventil auf- und zudreht, häufig eine zeitweilig bedeutende Steigerung des Brennmaterialbedarfes nöthig macht, weil das Brennmaterial nicht die Eigenschaft besitzt genau proportional dem Verbrennungsluftquantum zu verbrennen und bei zu starkem Vermindern der Luftzufuhr zumeist auch ganz zu brennen und zu glimmen aufhört. –

Textabbildung Bd. 282, S. 225
Als zweite Ofenart führe ich einen schwedischen Koks-Ofen nach Jonköping's System in den Abbildungen Fig. 5 u. 6 vor, ohne jedoch diese Konstruktion als besonders empfehlenswerth zu bezeichnen, da dieselbe weder eine besondere Brennmaterialökonomie in Aussicht stellt noch in hygienischer Beziehung als eine neue Errungenschaft zu benutzen ist; doch mag sich dieser Ofen für einen speziellen Zweck sehr gut eignen, für welchen ihn jedoch dem Anscheine nach der Erfinder nicht bestimmt hat, ich meine für den Bauzweck.

In grossen Städten, in welchen Neubauten, noch bevor sie im Innern verputzt sind, schon bis zum kleinsten Winkel vermiethet zu sein pflegen, bedarf man bekanntlich eines Mittels die Mauern auszutrocknen, um sie baldigst verputzen, mit Tapeten bekleiden und mit Malereien ausstatten zu können. Zu diesem Zweck stellt man im Spätherbst und Winter in Berlin in den im Rohbau vollendeten Gebäuden eine Anzahl von sogen. Kokskörben auf, das ist aus Blechstreifen und Draht hergestellte Gefässe, welchen von allen Seiten her die Verbrennungsluft zuströmen kann und die, einmal mit Koksstücken gefüllt, lange Zeit keiner Nachfüllung bedürfen.

Natürlich sind derartige provisorische Korb-Oefen so ungesund wie möglich, da sie die Luft so reichlich mit Kohlensäure versorgen, dass häufig die sich an ihnen erwärmenden Arbeiter erkranken, so dass vor Kurzem ein Ofensetzer-, Maler- und Stukkateur-Streik hauptsächlich dem Zweck diente, die Bauherrn zum Abschaffen dieser Korb-Oefen zu zwingen.

Der hier vorgeführte schwedische Ofen soll sich nun ganz besonders für seltene Nachfüllung des Brennstoffes, als welches nur Koks (und Anthrazit) bezeichnet wird, eignen und derselbe besitzt dabei zugleich die Eigenschaft unverwüstlich zu sein, indem er nicht nur sehr einfach konstruirt ist, sondern auch aus einem sehr dauerhaften Materiale hergestellt wird, nämlich schwedischem Stahl- und Eisenblech.

Für den soeben erwähnten Zweck würde der Mantel des Ofens mit zahlreichen Löchern zu versehen und der Wasserbehälter c wegzulassen sein, wohingegen eine Abdichtung des Deckels b durch Sand, der den ganzen oberen Raum nach Weglassung des Wasserbehälters c erfüllen würde, nur zweckmässig sein könnte, da ein grosses Sandbad für das Wärmen der Speisen der Arbeiter nicht unerwünscht sein würde. Da zudem der Ofen auf Rädern ruht und man für das Abführen der sich in ihm entwickelnden Kohlensäure nur des Einführens des Rohrstutzens, mit welchem der Ofen versehen ist, in ein beliebiges Mauerloch oder in ein provisorisches Kaminloch bedarf, so könnte er dem in Rede stehenden Zwecke wahrscheinlich sehr gut dienen. Natürlich würde ihm dazu ein zierloses Aeussere zu geben sein.

Textabbildung Bd. 282, S. 225
Textabbildung Bd. 282, S. 225
Einer eingehenderen Beachtung würdig erscheint die in Fig. 7 dargestellte Konstruktion eines Charles Clamond in Paris patentirten Gasofens, mit welchem sowohl Leuchtgas, gemischt mit Luft, als auch Gerneratorgase gebrannt werden können.

Derselbe enthält zwei mit einer grossen Anzahl kleiner Löcher versehene dünne Platten B und G, von denen die erstere aus schwerschmelzendem Metall (wie Schmiedeeisen) und die andere (die innere G) aus feuerfestem schlechtleitenden Material (wie Thon oder drgl.) besteht. Parallel zu diesen beiden Platten ist eine gemauerte Scheidewand A aus Chamottemauerwerk aufgeführt, welche mit einer grossen Anzahl wagerechter Kanäle versehen ist und in Verbindung mit einer Eisenplatte C hinter diesen wagerechten Kanälen einen durch eine weitere Eisenplatte D in zwei Züge getheilten Hohlraum bildet,