Text-Bild-Ansicht Band 282

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erschien und die Gefangenen ausnahmslos frische, klare Gesichter hatten, und doch waren in beiden Abtheilungen völlig gleiche Lüftungseinrichtungen vorgesehen, welche mit gleicher Sorgfalt behandelt wurden.

Die Ursache dieser eigenthümlichen Verschiedenheit der Wirkung der Lüftungseinrichtungen in den beiden Abtheilungen ergibt sich einestheils aus der Verschiedenartigkeit der Beschäftigung der männlichen und der weiblichen Gefangenen, indem die Beschäftigung der ersteren Gefangenen an sich weit mehr Staubentwickelung im Gefolge hat als die der letzteren; ausserdem aber kommt hierbei auch das Reinhalten der Räume an und für sich mit in Betracht und es ist begreiflich, dass in der Abtheilung für weibliche Gefangene mehr Sorgfalt auf die Reinerhaltung verwendet wird als in der Abtheilung für Männer, und in der That trat die Verschiedenheit in dieser Beziehung grell zu Tage, da in der Männerabtheilung die Fussböden eine schmutziggraue Farbe zeigten, während die Fussböden in der Abtheilung für weibliche Gefangene von denkbar zartester Reinheit waren und auch an keiner Stelle der Räume hier irgend welche Staubwinkel zu sehen waren.

Die Verschiedenartigkeit der Luftbeschaffenheit in den beiden Gefängnissabtheilungen wurde also wesentlich durch die Verschiedenartigkeit der inneren Verhältnisse bedingt, denen der Bauausführende, selbst wenn er sie kannte, bei Anordnung der Lüftungseinrichtungen kaum in der Lage war hinreichend Rechnung zu tragen, wenn er nicht dafür Sorge tragen konnte, dass die Luft der Männerabtheilung stets stark befeuchtet wurde.

Eine gute Wirkung der Lüftungsanlagen ist, auch wenn dieselben mit aller Sorgfalt und Umsicht projectirt und ausgeführt werden, doch immer an gewisse Bedingungen geknüpft, über welche der Projectirende oder der Ausführende nicht verfügen kann; derselbe kann aber, wenn ihm die Nichterfüllung solcher Bedingungen bekannt ist, in vielen Fällen den schädlichen Einfluss dieser Nichterfüllung auf ein zulässiges Maass beschränken; ist er jedoch über das Nichterfüllen der von ihm vorausgesetzten Bedingungen nicht von vornherein unterrichtet, so ist er in vielen Fällen von aller Schuld freizusprechen, wenn seine Lüftungseinrichtung sich lediglich aus Grund solcher Nichterfüllungen nicht als befriedigend erweist.

Ueber die Ausführung von Zug- oder Sauglüftungs-Anlagen.

Auf die Frage, „wo soll man eine Absaugevorrichtung anbringen, vermittelst deren ein Raum zu lüften ist?“ wird man vom ökonomischen Standpunkte aus nur antworten können, dahin, wo sie die kleinste Luftleitung (d. i. die kleinste Summe der Zu- und Ableitung) benöthigt.

Daraus geht aber noch nicht hervor, dass eine Zuleitung immer entbehrlich ist, wenn man eine Absaugevorrichtung so anbringen kann, dass sie die Raumluft unmittelbar durch eine Umfassungswand des Raumes hindurch ins Freie hinaus zu fördern vermag; denn man darf nicht vergessen, dass sich die lüftende Wirkung eines frei zugängigen Luftsaugers (d. i. eines solchen ohne Zuleitung) immer an denjenigen Stellen am meisten bemerkbar macht, an welchen die Zuströmung von Aussenluft am wenigsten gehemmt wird.

Wählt man beispielsweise für einen grossen Raum oder für einen mittelgrossen aber langgestreckten Raum einen einzigen Luftabsauger ohne Zuleitung, so kann es ebensowohl vorkommen, dass derselbe auf entferntere Stellen gar keinen Einfluss ausübt, wie es auch vorkommen kann, dass er auf die Luft an den entferntesten Stellen einen guten reinigenden Einfluss ausübt, während die in unmittelbarer Nähe des Absaugers befindlichen Raumtheile stark verunreinigte Luft haben, so dass hier von einer luftreinigenden Eigenschaft des Absaugers nicht das Geringste zu bemerken ist.

Beide Fälle sind in Berlin zahlreich vertreten.

Der erstere Fall ist ohne weiteres begreiflich, wenn sich in geringer Entfernung von dem Luftabsauger grosse Fenster befinden, welche mangelhaft schliessen oder Thüren, die häufig geöffnet werden und dem zufolge in der Nähe des Luftabsaugers so viel Aussenluft in den Raum eindringt, als jener überhaupt absaugt, und der zweite Fall ist leicht begreiflich, wenn sich in der Nähe des Luftabsaugers keinerlei Maueröffnungen oder Spaltöffnungen befinden, solche aber in grösserer Entfernung vorhanden sind und daselbst insbesondere Thüren häufig geöffnet werden.

Dieser letztere Fall macht sich im Winter in einer Bierwirthschaft im Norden Berlins stark bemerkbar, einem Locale von gewöhnlicher Zimmerhöhe, welches zu den stärkstbesuchten der betreffenden Gegend gehört. Das Local besteht aus drei einzelnen Räumen, einem langgestreckten Hauptraum, einem etwa in der Mitte der Länge desselben mit stets offener Thür daran anstossenden etwas kleineren, niedrigeren quadratischen Raume und einem wieder an diesen anstossenden noch kleineren Raum. Ueber der Thürverbindung der beiden zuerst genannten Räume befindet sich die etwa 70 cm weite Mündung des Saugrohres eines Luftabsaugers, in den Hauptraum etwa 0,3 m hineinragend. In diesem Hauptraume ist die Luft an der vom Luftabsauger entferntesten Stelle, in der Nähe des Zugangs zum Local, auf eine Länge von etwa 7 m stets ziemlich rein und ist der Aufenthalt in einiger Entfernung von der durch schwere Thürvorhänge theilweise verdeckten Zugangsthüre ganz angenehm; in unmittelbarer Nähe der Thüre aber wird man von Zugluft unangenehm berührt. Unmittelbar unter der Saugmündung des Luftabsaugers ist die Luft fast gänzlich undurchsichtig, gemischt mit Tabaksrauch, und in den beiden hier befindlichen Seitenräumen herrscht ausser mehr oder weniger starkem Tabaksqualm auch eine drückende Hitze, trotzdem hier nur massig geheizt wird.

In weitaus den meisten durch Sauglüftung gelüfteten Wirthshauslocalen haben die an den Zugangsthüren sitzenden Gäste beim Oeffnen dieser Thüren einen oft sehr empfindlichen Luftzug zu erdulden, trotzdem zur Verminderung desselben in der Regel Schutzthüren, Schutzwände und dichte Thürvorhänge vorgesehen sind, während Gäste an anderen Stellen oft dem Küchendunst ausgesetzt sind und zwar mitunter selbst dann, wenn die Küche durch mehrere Zwischenräume von dem Gastlocal getrennt ist.

Ein lehrreiches Beispiel solcher Art führe ich hier in Fig. 25 im Bilde vor. Es stellt diese Figur den Grundriss eines im Centrum Berlins befindlichen feineren Bierlocales dar.

Dasselbe liegt zu ebener Erde und besitzt seinen Zugang im Treppenhause des Hauptgebäudes, dessen Hausthüre T1 fortwährend offen steht. Es besteht dieses Local aus zwei