Text-Bild-Ansicht Band 282

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von der Seite des Stuhles aus geschieht, wobei das Einstecken der langen Halme äusserst beschwerlich ist und auch für den Betrieb der einzelnen Stühle ein grosser Raum gefordert wird, ist nach den späteren Patenten das Bestreben vielfach dahin gerichtet, einerseits den Webstuhl so einzurichten, dass das Einlegen der Rohrhalme von oben auf die Trägerdrähte ermöglicht ist, andererseits der Betrieb des Webstuhles möglichst selbstthätig zu gestalten, um die Productionskosten der Rohrgewebe verhältnissmässig bedeutend zu ermässigen.

Der Webstuhl für Handbetrieb von Hermann Janke in Cottbus (D. R. P. Kl. 86 Nr. 16606)3) ermöglicht das Einlegen der Rohrhalme von hinten aus oben auf die Trägerdrähte. Dabei ist angenommen, dass als hintere Stuhlseite derjenige Theil verstanden ist, an welchem die Rollen für die Webekette liegen und mit vorderer Stuhlseite der Theil bezeichnet wird, an welchem sich der Waarenbaum befindet. Die gazebindigen Gewebe werden auf diesem Stuhl dadurch erzeugt, dass die Halme auf den Trägerdrähten mittels feiner Drähte festgebunden werden, welche letztere auf Rollen enthalten sind, denen eine auf- und nieder- und hin- und hergehende Bewegung ertheilt wird.

Ernst Schentke und Ernst Hille in Cottbus haben einen Webstuhl construirt (D. R. P. Kl. 86 Nr. 16751)4), auf welchem das Einbinden der Rohrstengel in die Kette gazebindig in selbsthätiger Weise ausgeführt wird, indem die Stengel auf starken Drähten durch feine Bindedrähte befestigt werden. Das Festbinden der mittels Hand von hinten oben auf die Trägerdrähte aufgelegten Rohrstengel auf diesen Drähten durch die Bindedrähte wird durch eine Anzahl schwingender Arme bewerkstelligt, welche rechts und links von den Trägerdrähten je einen Kopf besitzen, von denen je ein solches zu einem Trägerdraht gehöriges System ein Schiffchen mit Bindedrahtspule aufnimmt. Zur Ausführung der Bindung werden die schwingenden Arme über und unter die frei zwischen diesen Armen und deren Köpfen befindliche Trägerdrahtkette bewegt und die Schiffchen von dem Kopf des einen Armes an den gegenüberliegenden Kopf des anderen Armes geschoben.

Um auf diesem Webstuhl auch krummgewachsene Rohrstengel ohne Störung des Betriebes der Maschine verweben zu können, hat Ernst Schentke (D. R. P. Kl. 86 Nr. 31702) den Stuhl mit einer Einlagevorrichtung für die Rohre versehen, durch welche die krummen Rohre vor dem Erfassen durch die Greifer gerade gedrückt werden, Fig. 1. Das zu verwebende Rohr wird bei dem Einlegen in die Maschine zunächst auf je fünf sich kreuzende Drähte o und Federn r gelegt; durch die Bewegung der Maschine werden die Greifer o nach rückwärts geschoben, stossen dabei an die mit den Drähten o vereinigten Blechhaken q an und drängen diese zurück. Hierdurch werden auch die Drahthaken o zurückgelegt, welche jetzt das Rohr auf die über Walze H gespannten Trägerdrähte x fallen lassen. Zu gleicher Zeit bewegt sich ein Rahmen mit fünf aus Draht gebogenen Trapezen e nach unten, wodurch die letzteren auf das Rohr sanft aufgedrückt werden und dasselbe gerade halten, damit jetzt die nach vorwärts gehenden Greifer o das Rohr sicher fassen können. Gleichzeitig mit den Trapezen e geht auch der Winkel l nach unten und ertheilt dadurch den mit ihm verbundenen Wellen h und k eine solche Drehung, dass sich die damit vereinigten Drähte l1 und m, von denen ebenfalls je fünf vorhanden sind, gegen einander nach unten zu bewegen. Die Drähte l1 und m kreuzen sich dabei und bilden so einen Halt- und Druckpunkt für das krumme Rohr. Schliesslich legen sich bei dem Weitertransport des Rohres durch die Greifer o fünf Federn s lose auf dasselbe und halten es so lange gerade, bis es durch die Bindedrähte mit den Trägerdrähten x vereinigt ist.

Textabbildung Bd. 282, S. 248
Auf dem Webstuhl von P. Stauss und H. Raff in Cottbus (D. R. P., Kl. 86, Nr. 32 608), Fig. 2 und 3, lassen sich sowohl einfache Rohrgewebe, als auch Doppelrohrgewebe herstellen, welche als Matten für Gewächshäuser sowie zum Berohren von Decken und leichten Zwischenwänden benutzt werden können. Bei der Herstellung des einfachen Rohrgewebes werden die Rohr- oder Holzstäbchen neben einander auf Längsdrähten, die in bestimmten Entfernungen, beispielsweise 20 cm, parallel zu einander laufen, mittels eines dünnen Drahtes gazebindig festgewebt, Fig. 4 und 5. Bei dem Doppelrohrgewebe wird oberhalb der Lage von dünnem Rohr eine zweite Lage von stärkerem Rohr derart festgewebt, dass auf etwa drei dünne Rohre ein starkes kommt, also zwischen je drei dünnen ein starkes Rohr mittels des Webedrahtes auf dem stärkeren Längsdraht festgewebt wird. Um dem ganzen System mehr Zusammenhang zu verleihen, hauptsächlich aber um das Doppelgewebe bequem mittels Haken an der Decke oder den Wänden befestigen zu können,

3)

1882, 246, 72, 74.

4)

1882, 246, 71.