Text-Bild-Ansicht Band 283

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der Elemente unter einander und mit den zu den Apparaten weitergehenden Leitungsdrähten nothwendigen Anschlussklemmen angebracht. Der Ständer soll nie ganz an eine Wand gerückt, sondern so weit davon aufgestellt werden, dass man rings herumgehen und die Elemente von allen Seiten sehen kann.

Siemens'sche Magnetinductoren zum Betriebe von Signalen und insbesondere Läuteinductoren gab es in allen möglichen Anordnungen, Grossen und Formen; wesentliche Neuerungen haben sich daran nicht erkennen lassen, ausser der Verbesserung der Stromabnehmer, welche darin besteht, dass man an Stelle der früher in der Regel benutzten Flachfedern kammförmige Federn oder eine grössere Anzahl von Drahtfedern anwendet.

Belehrend war diese Gattung von Stromquellen im Ausstellungsraume der königi. preuss. Staatseisenbahnverwaltung durch vier, auf eigenen Sockeln decorativ aufgestellte, aus verschiedenen Perioden stammende Vertreter illustrirt. Der älteste derselben wurde seinerzeit zum Betriebe von Einzelschläge gebenden Tunnelläutewerken benutzt und ist ein Magnetinductionstaster; ganz ähnlich, nur kräftiger gebaut, als die vor 30 bis 20 Jahren auf einigen Linien mit sogen. directen Morseschreibern verwendeten Stromschlüssel, wie sie Schellen in den ältesten Auflagen seines Werkes „Der elektrotechnische Telegraph“ schildert. Der zweite der gedachten vier Apparate ist ein Läuteinductor von der älteren, und der dritte ein solcher von der jüngeren Form; sie unterscheiden sich von einander eigentlich nur darin, dass der erstere ein Vorgelege mit Riemenübertragungen hat, während beim anderen die bekannte Zahnradübertragung angewendet ist, welche schon ursprünglich, gleich nach Erfindung des Cylinderinductors von Siemens (1856; vgl. Zetzsche's Handbuch der Telegraphie Bd. 1 S. 238) für die Zwecke des Zeigertelegraphen so gewählt worden und von der man bei den Läuteinductoren nur vorübergehend abgegangen war. Der letzte Apparat von den vieren ist eine kleine Handdynamomaschine, wie sie vor Jahren hier und da auf deutschen Bahnen für den Betrieb von Läutewerken benutzt worden sind und auf einigen Strecken der sächsischen Staatsbahnen noch benutzt werden. Die letzteren Ortes verwendeten Maschinen (vgl. Zetzsche's Handb. d. Telegraphie Bd. IV S. 365) sind aber aufrechtstehend angeordnet, wogegen der ausgestellt gewesene Apparat liegend gebaut ist. Die drei zuerst geschilderten Apparate entstammen natürlich dem Berliner Hause Siemens und Halske; der vierte scheint von W. Gurlt (Berlin) herzurühren.

Zu den vielen interessanten, in der Eisenbahnhalle untergebracht gewesenen, historischen Objecten der preuss. Staatsbahnen zählt auch eine reiche Zusammenstellung von Umschaltern, Wippen, Blitzschutzvorrichtungen, Galvanoskopen und Relais, in welcher fast alles vertreten schien, was bei den preussischen Bahnen seit Einführung der elektrischen Telegraphie an derlei Nebenapparaten je benutzt worden ist. Die Mannigfaltigkeit und der Formenreichthum dieser Gegenstände, unter denen sich allerdings nur Bekanntes gefunden hat, fiel gegenüber der heutigen Einfachheit und Einheitlichkeit besonders auf. Von den in der eben besprochenen Sammlung vorhandenen zahlreichen Blitzschutzvorrichtungen fanden sich bei den modernen Anlagen nur mehr vier Gattungen, nämlich die sogen. Spindelblitzableiter, wie sie schon seit Jahren seitens der deutschen Reichspost- und Telegraphenverwaltung zum Schütze ihrer Fernsprecheinrichtungen in Gebrauch stehen, dann die bekannten Spitzenblitzableiter für exponirte Signalapparate und Plattenblitzableiter für die Telegraphenbureaux sowie schliesslich die ebenso bekannten Stangenblitzableiter für Kabelüberführungen oder für Versicherungen in der Leitung überhaupt.

Neuartige Stangenblitzableiter hatte G. Wehr (Berlin) ausgestellt; diese Vorrichtungen sollen nicht bloss für Kabelüberführungen oder für Telephon- und Lichtleitungen im Allgemeinen dienen, sondern auch die sonst in den Apparaträumen befindlichen Blitzableiter der Telegraphen- oder Signalanlagen entweder völlig ersetzen oder vervollständigen.

Textabbildung Bd. 283, S. 52
Die Anordnung dieses Stangenblitzableiters erhellt aus der einen Querschnitt darstellenden Fig. 5. Ein hohler Messingcylinder a, auf dessen Aussenseite wagerechte Rippen eingedreht sind, ist durch die beiden Schrauben d mit der Ebonitscheibe c fest verbunden und ebenso mit dem eisernen Träger S, der einer gewöhnlichen Isolatorenstütze gleicht, fest verschraubt. Die obere, offene Seite des Messingcylinders erhält durch eine Ebonitplatte b einen isolirenden Abschluss. Ueber das Ganze wird die gusseiserne Glocke g gestülpt, zu deren Befestigung die beiden Flügelschrauben h dienen und deren Innenfläche im oberen cylindrischen Theile senkrecht gerippt ist. Ein passender, weicher Gummiring k, der vor dem Aufsetzen der Glocke über den Absatz der Scheibe c gelegt wurde, schliesst, gepresst von g, den Luftraum zwischen g und a so dicht ab, dass das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit vollkommen verhindert wird. Bei der Klemmschraube E wird die Endleitung und bei der Schraube t ein von der zu schützenden Leitung abzweigender Draht L angeschlossen. Soll die Vorrichtung zwei oder mehrere Leitungen schützen, so ändert sich, wie Fig. 6 zeigt, die Hauptanordnung vorerst dahin, dass die Glocke g nunmehr an die Stützet angegossen und zur Erde verbunden ist. Der innere Messingcylinder oder Kegel (a in Fig. 5) dient hingegen für die Leitungsanschlüsse L1, L2 und wird zu dem Ende durch senkrechte Durchschneidungen in so viele von einander isolirte Theile getheilt, als Leitungen angeschlossen, bezieh. geschützt werden sollen.

Eine andere, etwas eigenthümliche Blitzschutzvorrichtung, Fig. 7, vertrat die Stelle der sonst in der Regel verwendeten Spindelblitzableiter bei den Eisenbahntelephonsätzen der Firma Teirich und Leopolder (Wien). Die