Text-Bild-Ansicht Band 283

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patentirt) ist eine äusserst einfache Ergänzung des Stiftschreibers; die zweite, ältere Farbschreiberanordnung stammt aus dem Jahre 1886 und hat in erster Linie ebenfalls nur die billige Umstaltung von Stiftschreibern in Farbschreiber zur Absicht. Ausserdem war aber mit der letzteren Vorrichtung angestrebt, dass dieselbe sowohl für Ruhestrom als auch für Arbeitsstrom anwendbar sei. Beide dieser Einrichtungen sind bereits 1891 282 * 226 dargestellt und des Näheren besprochen worden.

Amerikanische und englische Morseklopfer (Soundero) sind in mehrfachen Variation von den Londoner Firmen „Eastern Telegraph Company“ und „Woodhouse and Rawson united Ld.“ ausgestellt gewesen, worunter sich bei der erstgenannten Firma ein kleiner, dosenförmiger Apparat besonders auszeichnete. (Vergl. 1891 282 * 12.) Bei Woodhouse und Rawson sah man auch einen Nadeltelegraphen nach Spagnoletti's Anordnung, wie solche auf mehreren Eisenbahnen Englands in praktischer Benutzung stehen.

Ebenso zahlreich wie die Morseschreibtelegraphen sind Telephoneinrichtungen für Eisenbahnzwecke vorhanden gewesen, die allerdings unter einander eine grosse Mannigfaltigkeit aufwiesen, in der Regel aber von den sonstigen dem privaten oder öffentlichen Verkehre dienenden Fernsprecheinrichtungen in nichts oder doch nur wenig verschieden waren.

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Einen Fernsprechsatz von jener Form, welcher für die Bureau- und Stationsbedürfnisse auf den Hauptstrecken der österr.-ung. Staatseisenbahngesellschaft, der österr. Südbahn, der königl. ung. Staatsbahnen und der königl. serbischen Staatsbahnen regulär zur Verwendung kommt, hatten Teirich und Leopolder (Wien) ausgestellt. Zum Anrufen dient der Wechselstrominductor, dessen Armatur während seiner Ruhelage durch einen sogen. Centrifugalcontact kurz geschlossen wird, und als Anrufempfänger ein Wechselstromwecker. Das Mikrophon ist der bekannte „Berliner'sche Universaltransmitter“; die zwei Hörtelephone haben die sogen. Löffelform.

Die benutzten automatischen Umschalter (Fig. 9), in welchen bei belastetem Hakenarme H der Stromweg pb hergestellt ist, die Stromwege nc und pa dagegen unterbrochen bleiben, sind in ihren Theilen aussergewöhnlich kräftig gehalten und die sämmtlichen drei Contactstellen haben die Form der insbesonders auch bei den Siemens'schen Blockapparaten gewöhnlich benutzten Kantencontacte, die sich als besonders zuverlässig bewähren. Die dem Apparatsatze beigegebene Blitzschutzvorrichtung ist von der bereits in Fig. 7 dargestellten Anordnung.

Die Fernsprecheinrichtungen, welche von Frd. Heller (Nürnberg-Glaishammer) und Fr. Reiner (München) für die königl. bayer. Staatseisenbahnen geliefert werden, wurden durch die Generaldirection der letzteren in einer übersichtlichen Sammlung vorgeführt. Die genannten Staatsbahnen haben fast alle ihre grösseren Bahnhöfe zum Zwecke der raschen Verständigung zwischen den dienstleitenden Stationsbeamten (Jourbeamten) und den Einfahrtsweichenwärtern mit Telephonen eingerichtet. Der Apparatsatz besteht aus zwei Hörtelephonen, einem Ader'schen Mikrophon mit zwei Gassner'schen Trockenelementen, Anrufinductor und Wechelstromwecker, dem Umschalter und einem Saugspitzenblitzableiter. Die Apparate für die Weichenwärter sind wie gewöhnliche Endstationen geschaltet, der als Mittelstation geschaltete Apparat des Beamten hat hingegen für jeden Weichenwärter einen eigenen Anruftaster, so dass die Wecker der nicht gerufenen Wärter nicht mitläuten.

Speciell für den Streckendienst bestimmt war u.a. ein von der königl. Eisenbahndirection Köln (rechtsrheinisch) zur Ansicht gebrachter Wärterbudenfernsprecher, welcher nur in aussergewöhnlichen Bedarfsfällen in die mit Morsehilfstelegrapheneinrichtung mit Ruhestrom versehene Läutewerksleitung eingeschaltet werden soll.

Der ganze in einem Kästchen K (Fig. 10) untergebrachte Apparatsatz besteht aus dem Hörtelephon F2, den Sprachtelephon F1, dem Umschalter U und dem Anruftaster T.

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Letzterer ist ein gewöhnlicher Unterbrechungstaster, durch dessen mehrmaliges, in regelmässigen Absätzen vorzunehmendes Niederdrücken die beiden Bahnstationen angerufen werden können, da dort nach bekannter Anordnung die Relais des Morsehilfstelegraphen regulär zu den Weckern Fig. 10. verbunden sind. Die Wärterposten auf der Strecke können nicht zum Telephon gerufen werden. F1 und F2 sind Siemens und Halske'sche Präcisionstelephone mit Hufeisenmagneten und Bandpolschuhen und die Sprachübermittlung ist genügend deutlich und klar. Dieselbe wird von der Induction der übrigen längs der Bahn laufenden Telephon- und Signalleitungen keineswegs wesentlich beeinflusst, nichtsdestoweniger muss sich das Ohr des Hörenden der eigenthümlichen Tonwirkung anfänglich immer erst accommodiren.

Ungleich deutlicher und zweckdienlicher sind allerdings Anordnungen mit Mikrophonen, wie sie von Siemens und Halske zur Aufstellung in auf Ruhestrom geschaltete und nur für das sogenannte Stationssprechen eingerichtete Zugmelde-Leitungen erzeugt werden. Es ist dabei die Bedingung vorausgesetzt, dass nicht nur die Bahnstationen von den Wärterposten aus, sondern dass auch die letzteren von den Bahnstationen angerufen werden können und lassen sich hierin zweierlei Anordnungen unterscheiden. Erstens diejenige, bei welchen für den Anruf der Streckenwärter Ruhestromwecker benutzt werden, und zweitens jene, bei welchen Wechselstromwecker Verwendung finden. Ersterenfalls braucht jeder Fernsprechposten als Anrufgeber nur einen einfachen Unterbrechungstaster, und es unterliegt keiner Schwierigkeit, die Wecker so kräftig zu construiren, bezieh. die zugehörige Localbatterie (zugleich Mikrophonbatterie) so zu wählen, dass der Anruf auch ausserhalb des Wärterhauses in einer mehr oder minder