Text-Bild-Ansicht Band 283

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grossen Entfernung vernehmbar wird. Diese Wecker werden bei jeder Tasterbenutzung, also auch während des Morsetelegraphirens, mitläuten, und wenn dieser Umstand das Gute hat, dass er es den Bahnstationen leicht macht, die Benutzung der Fernsprecher seitens des Streckenpersonals zu überwachen und dass es möglich ist, dass sich auch die Wärterposten unter einander anrufen können, wenn man dies allenfalls einzuführen für geboten oder wünschenswerth erachten sollte, so ist durch denselben denn doch auch die Misslichkeit nahe gerückt, dass die Wärter durch das häufige Weckergeläute abgestumpft werden und einen wirklichen Ruf zum Telephon nicht mehr beachten oder auffassen. Bei Anwendung von Wechselstromweckern fällt der letztgedachte Uebelstand weg, denn dieselben ertönen eben nur beim wirklichen Anruf seitens der Bahnstation, in welche zu diesem Behufe je ein 6 lamelligen Läuteinductor aufgestellt ist. Soll bei den Wärtern der Anruf auch ausserhalb der Bude vernommen werden, so kann der Wechselstromwecker zu dem Ende immerhin mit einem Fortschellcontacte versehen und mit einer Localbatterie und einem an beliebige Stelle anbringbaren gewöhnlichen Wecker in Verbindung gebracht werden. Die Wärter erhalten keinen Magnetinductor, sondern rufen die Stationen wie im vorher besprochenen Falle nur mittels gewöhnlicher Unterbrechungstaster. In beiden Fällen erhalten also die Eisenbahn-Stationen keine Anrufwecker, sondern empfangen den Ruf der Wärter stets nur schriftlich, nämlich in der Form von Strichen auf dem Morseapparate. Die Mikrophone sind überall so eingerichtet, dass zwei bis vier Fernsprechposten gleichzeitig eingeschaltet sein können, ohne dass die Morserelais in den Eisenbahnstationen abreissen, d.h. also, ohne dass die gleichzeitige telegraphische Benutzbarbeit der Linie beeinträchtigt würde, obwohl übrigens in Fällen, wo mehrere Wärter gleichzeitig zum Telephon gerufen wurden oder selbst gerufen haben, die Aufrechthaltung der telegraphischen Mitbenutzung der Leitung kaum mehr von praktischer Bedeutung sein wird.

Textabbildung Bd. 283, S. 56
Verwandte, bei Schweizerbahnen übliche Einrichtungen waren von Peyer, Favarger und Co. (vormals Hipp, Neuenburg) in der Halle für Wissenschaft und Medicin, sowie von Zellweyer und Ehrenberger (Uster, Schweiz) in der Halle für Telegraphie und Telephonie zur Ausstellung gebracht. Darunter fehlten jenen Apparatsätzen, welche dafür bestimmt waren, in Ruhestromglockenlinien (Läutewerksleitungen) eingeschaltet zu werden, in der Regel jegliche besondere Anrufvorrichtungen, weil die betreffenden Bahnen ein eigenes Glockensignal „zum Telephon kommen“ eingeführt haben, das mit dem Glockensignaltaster gegeben wird. Alle schweizerischen Wärterbudenfernsprecheinrichtungen waren mit besonderen Handumschaltern ausgerüstet, mittels welcher der Wärter seinen Apparatsatz im Bedarfsfalle, z.B. bei Leitungsstörungen, nach beliebiger Richtung zur Endstation machen kann.

Textabbildung Bd. 283, S. 56
Auch die Frankfurter Ausstellung erhärtete, dass seitens der Eisenbahnen Fernsprechanlagen am häufigsten und mit Vorliebe an Stelle von Betriebstelegraphen für Strecken untergeordneter Bedeutung benutzt werden. Innerhalb dieses Anwendungsgebietes zeigen die gedachten Einrichtungen übrigens im Allgemeinen noch weniger Besonderheiten als sonst. Die z.B. von den königl. bayer. Staatsbahnen ausgestellten Telephonsätze für Nebenbahnen