Text-Bild-Ansicht Band 283

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haben Ader'sche Mikrophone mit Holzplatte, Magnetinductoren und Wechselstromwecker zum Anruf, gewöhnliche automatische Umschalter und löffelförmige Hörtelephone. Die Endstationen haben einen, die Mittelstationen aber regelmässig zwei Anruftaster. Die letzteren sind so eingerichtet, dass sie den Magnetinductor, der mit einem Anschluss zur Erde verbunden ist, nur nach der einen, bezieh. nach der anderen Richtung vor die Leitung legen, so dass das Läutezeichen nur nach jener Richtung läuft, in welcher der angerufene Posten liegt. Bei den neueren Anlagen auf Nebenlinien der bayer.

Staatsbahnen wird den „Störungen und Belästigungen durch den Anruf“ ziemlich radical begegnet, indem zwei Leitungen in Benutzung kommen, wovon die eine l1l2, wie das in Fig. 11 dargestellte Schema der von Fr. Reiner (München) gelieferten Mittel Stationen zeigt, und die Anrufs Vorrichtungen, d.h. die Anruftaster T1 und T2, den Wecker W und mittelbar den Läuteinductor J, der eben auch nur zum Anrufen benutzt wird, bezieh. benutzt werden kann, während die zweite, L1L2, ausschliesslich als Sprechleitung dient. Zum Anrufen sind in der Mittelstation wieder zwei Taster vorhanden und ein Anschluss des Inductors zur Erde gelegt, damit man nur nach jener Seite anruft, wohin man zu sprechen hat.

Textabbildung Bd. 283, S. 57
Einen Apparatsatz von der Form, wie sie auf den Secundärstrecken der k. k. österr. Staatsbahnen benutzt wird und durch Teirich und Leopolder ausgestellt war, zeigt Fig. 12. Für den Anruf ist wieder ein Wechselstromwecker W und der mit einem Centrifugalcontacte während der Ruhelage kurz geschlossene Magnetinductor J vorhanden. Die Hörtelephone F sind einpolige Phelps'sche Telephone mit hakenförmigen Magneten. Das Lucan'sche Mikrophon M, dessen zugehörige Batterie im Inneren des Schreibpultes S untergebracht ist, besteht im Wesentlichen aus einer durch zwei entsprechend ausgehöhlte Mikrophonkohlenconductplatten gebildeten Hohlkugel, in welcher Kohlenkörner eingefüllt sind. Diese Füllung wird durch eine in der fix angebrachten Kohlenplatte eingebohrte, mittels einer Schraube verschliessbaren Oeffnung ermöglicht. Die Blitzschutzvorrichtung B ist ein gewöhnlicher doppelter Saugkamm. Von derselben Firma waren ferner ähnliche Apparatsätze ausgestellt, bei welchen an Stelle des Lucan'sche Transmitters das in Fig. 13 dargestellte Leopolder'sche Mikrophon verwendet war. Diese Construction ist den bekannten Kohlenkörnermikrophonen verwandt, zeichnet sich aber durch eine eigenthümliche Art der Befestigung und der Leitungszuführung aus. In einem niedrigen Cylinder cc aus elastischem Materiale liegen die zwei Kohlenplatten k und k1 einander gegenüber, einen Raum r von etwa 6 mm Höhe zwischen sich frei lassend, der fast vollständig mit Kohlenkörnern ausgefüllt wird. Die Kohlenplatte k ist unbeweglich auf dem Boden b des Apparatgehäuses angeschraubt; dagegen ist k1 an der Membrane m befestigt und macht also die Schwingungen der letzteren mit. An dem Gehäuseboden sind die zwei einander gegenüberstehenden, zu Spitzenlager ausgearbeiteten Metallträger t und t1 angeschraubt, an welche die Mikrophoncontacte angeschlossen werden. Die weitere metallische Verbindung mit der Stromlaufleitung besorgen zwei eiserne Träger T und T1, welche mittels Spitzschrauben SS1 das ganze Mikrophon zwischen sich festhalten. Das Gehäuse kann unbeschadet des leitenden Anschlusses um eine wagerechte Achse beliebig gedreht werden. Bei jeder solchen Drehung des Apparates wird in demselben die Kohlenkörnerfüllung aufgeschüttelt und können auf diese Weise mühelos immer wieder neue Contactstellen geschaffen werden, wenn die Leitungsfähigkeit etwa zufolge Oxydbildungen oder wegen gegenseitiger Klemmungen der Kohlenstückchen eine Beeinträchtigung erfahren dürfte. Eine Abhilfe in ähnlichen Fällen kann bei allen verwandten Constructionen nur unvollkommen durch Klopfen aus Gehäuse erreicht werden.

Wenn auf Nebenbahnen, was ja immer häufiger vorkommt, die Leitungen der Fernsprecheinrichtungen wegen der stetig zunehmenden Zahl von Seitenposten und Abzweigungen innerhalb eines und desselben Stromkreises sehr dicht mit Apparaten besetzt werden, ergeben sich neben der hinderlichen übermässigen Inanspruchnahme zu bestimmten Tagesstunden, auch noch hinsichtlich der Unterscheidung der Klingelanrufzeichen bald recht fühlbare Schwierigkeiten.

Der Anruf auf solchen Linien geschieht am zweckmässigsten mit Weckerzeichen, die den Morsezeichen nachgebildet sind, wobei es als Regel zu gelten hätte, dass in keiner Station auf mehreren Weckern gleichzeitig Anrufe empfangen werden sollen. Anderen Falles wäre nur durch Vermehrung der Leitungen und dadurch, dass die akustischen Signale durch optische, z.B. Abfallscheiben erläutert, würden, Abhilfe zu finden. Die Vereinigung mehrerer Stationen mittels sogen. Centralapparate, entlang einer Bahn, erfordert aber eine allzu weitgehende, keineswegs anzustrebende Vermehrung der Leitungen und für die Leitungen und Centralstationseinrichtungen auch bedeutende Kosten, abgesehen davon, dass Centralstationen einer ständigen Bedienung bedürfen, die auf Nebenstrecken nicht verfügbar ist. Diesen Nachtheilen zu begegnen, treffen Siemens und Halske (Berlin) die in Fig. 14 dargestellte Anordnung. (D. R. P). Als Beispiel ist dabei eine Linie angenommen, welche aus den Hauptposten (Bahnstationen, A bis G und den Nebenposten a bis u gebildet wird. Jeder Hauptposten ist nur mit einem in der Zeichnung durch einen kräftigen Punkt angedeuteten Fernsprechapparate