Text-Bild-Ansicht Band 283

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Farbstoff
Molekulargewicht
des reinen
Farbstoffes
Tanninbedarf
Fabrikant
für 1 Mol. Farbstoff in Procenten
Magenta krist. 395,5 622 = 2 Mol. 157 Dan. Dawson Bros. Lim., Huddersfield.
Fuchsin, kleine krist. 395,5 648 = 2 „ 164 Meister, Lucius und Brüning, Höchst.
Fuchsin, mittlere krist. 395,5 636 = 2 „ 161 L. Cassella und Co., Frankfurt a. M.
Fuchsin, kleine krist. 895,5 641 = 2 „ 162 Dan. Dawson Bros. Lim., Huddersfield.
Methylviolett BO. 393,5 510 = 2 „ 4 130 L. Cassella und Co., Frankfurt a. M.
Krystallviolett. 551,5 651 = 2 „ 118 Bad. Anilin- und Sodafabrik.
Malachitgrün krist.1 92613 1324 = 4 „ 3 143 Küchler und Buff, Crefeld.
Brillantgrün krist.2 482 650 = 2 „ 135 „ „ „ „
Victoriablau B 496 312 = 1 „ 5 63 Bad. Anilin- und Sodafabrik.
Auramine O 321,5 480 = 1,5 „ 149 „ „ „ „
Rhodamine B 478,5 196 = ? 6 41 „ „ „ „
Pyronin B 330,5 118 = ? 6 36 A. Leonhardt und Co., Mülheim i. H.
Pyronin G 302,5 136 = ? 6 45 „ „ „ „ „
Safranine GO 350,5 287 = ? 7 82 L. Cassella und Co., Frankfurt a. M.
Safranine GGS 350,5 603 = 2 Mol.8 172 „ „ „ „ „
Nachtblau 575,5 414 72 Bad. Anilin- und Sodafabrik.
Nilblau 676,0 824 122 „ „ „ „
Methylenblau B conc. 79313 1237 = 4 „ 156 Meister, Lucius und Brüning, Höchst.
Muscarine J 326,5 295 9 83 Durand und Huguenta, Basel.
Muscarine JR ? ? 163 „ „ „ „
Basler Blau BB 504,5 297 9 59 „ „ „ „
Basler Blau R ? ? 131 „ „ „ „
Acridinorange 434,5 452 104 A. Leonhardt und Co., Mülheim i. H.
Azingrün BTO 476,5 322 7 68 „ „ „ „ „
Vesuvin OOO extra 496 823 10 166 Bad. Anilin- und Sodafabrik.
Bismarckbraun G 496 664 = 2 Mol. 134 Hampson Bros., Manchester.
Chrysoidine FF 248,5 350 = 1 „ 11 141 L. Cassella und Co., Frankfurt a. M.
Indazin M 593 243 = 1 „ 12 41 „ „ „ „ „

1 Oxalat. 2 Sulfat. 3 Es ist dies für 1 Mol. der Farbbase: 662 = 2,0 Mol. Tannin. 4 Unter der Annahme, dass der Farbstoff 75 Proc. stark ist. 5 Der Farbstoff erscheint danach 50 Proc. stark. 6 Sehr stark verdünnter Farbstoff. 7 Ist ungefähr 50 procentige Waare. 8 Sehr starkes Safranin. 9 Diese Farbstoffe scheinen etwa 50 Proc. stark zu sein, die rothen Marken Muscarin JR und Basler Blau R sind aber offenbar weit stärkere Farbstoffe. 10 Diese Zahl für Vesuvin ist auffallend hoch. 11 Das Chrysoidin ist fast chemisch reine Waare, es scheint daher, soweit sich dies vorläufig feststellen lässt, dass Chrysoidin der einzige basische Farbstoff ist, der nur 1 Mol. Tannin zur Lackbildung erfordert. 12 Der Farbstoff scheint ungefähr 50 Proc. stark zu sein. 13 Enthält ein Doppelmolekül Farbbase.

Aus den Constitutionsformeln dieser Farbstoffe lässt sich nichts ableiten, was zum Verständniss dieses Verhaltens beitragen könnte. Chrysoidin besitzt die Constitutionsformel:

ist also danach eine zweisäurige Base, dasselbe gilt für Auramin, dessen Constitution der Formel:

Textabbildung Bd. 283, S. 184

entspricht. Besonders auffallend ist in Anbetracht der einbasischen Natur des Tannins, dass das Auramin 1,5 Mol. Tannin erfordert. Unter einem halben Molekül Tannin können wir uns nichts vorstellen und ist diese Bezeichnung nur zulässig als ein Ausdruck der quantitativen Verhältnisse. Richtiger sagen wir jedenfalls, dass 2 Mol. Auramin 3 Mol. Tannin erfordern. Die Reaction zwischen diesen 5 Mol. wird dadurch aber nicht klarer, obgleich die Idee einer Betheiligung der Phenolhydroxyle des Tannins nahe liegt, eine hypothetische Frage, die uns hier wenig interessirt.

Aus den in den beiden Tabellen über die directe und indirecte Bestimmung der zur Fixirung der basischen Farbstoffe erforderlichen Tanninmengen geht nun unmittelbar hervor, dass im Allgemeinen ¼ der zur vollständigen chemischen Fällung der basischen Farbstoffe erforderlichen Tanninmenge zur vollständigen physikalischen oder besser empirischen Fällung genügt. Die totale Vernachlässigung der chemischen Mengenverhältnisse in der Darstellung der Tanninlacke sowohl an und für sich, als auch auf der Faser in der Baumwollfärberei hat zur Folge, dass der grössere Theil des Farbstoffes nicht als Tanninlack, sondern, wie früher gezeigt, in Form eines mehr oder minder basischen Salzes im Lack oder auf der Faser existirt. Dass die unfixirten basischen Farbstoffe in ausserordentlichem Grade unecht sind, ist so wohl bekannt, dass wir uns dabei nicht weiter aufzuhalten brauchen, und es folgt daher, dass bei der heute üblichen Methode der Darstellung der Tanninlacke und der Färbung der basischen Farbstoffe auf Baumwolle Resultate erhalten werden, die in Bezug auf Licht- und Luftechtheit in vielen Fällen mangelhaft sind und erheblich hinter dem Erreichbaren zurückbleiben.

In der Fabrikation von Farblacken hat dies dahin geführt, dass die Darstellung der Tanninlacke der basischen Farbstoffe fast gänzlich aufgegeben worden ist und sie nur noch da angewendet werden, wo es auf höchste Brillanz des Tones mehr als auf Lichtechtheit ankommt. Selbst in diesen Fällen wird die Fixirung lieber durch Arsenite. Phosphate oder Stearate und Palmitate (Seifen) bewirkt, die dem Fabrikanten bessere Resultate geben als Tannin, aus dem einfachen Grunde, weil diese in solchen Mengen gegenüber dem Farbstoffe zur Anwendung kommen, dass derselbe stets vollständig chemisch fixirt ist, was bei der üblichen Methode der Tanninfixirung nie der Fall ist.

In der Baumwollfärberei ist dagegen die Tanninfixirung von allergrösster Bedeutung, und obgleich noch andere Methoden zur Färbung der basischen Farbstoffe auf Baumwolle existiren, so sind dieselben doch nur von sehr untergeordneter Wichtigkeit. Dem Färber ist es wohl bekannt, dass tiefere Schattirungen der verschiedenen Farbstoffe stärkere Mordantirung erfordern, aber hierbei wird den chemischen Molekularverhältnissen nur im gröbsten Sinne des Wortes Rechnung getragen und die Thatsache, dass die Menge Tannin, die auf der Faser befestigt wird, in