Text-Bild-Ansicht Band 283

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aus Fuchsin und Safranin, ebenso für Methylviolett Anwendung. Hierbei wird das Garn erst wiederholt durch Seifenlösung, sodann für Rosa durch Zinnsalz, für Violetts gewöhnlich durch Chlorcalcium genommen, dann wird gespült. Häufig wird nun direct im lauwarmen Bade gefärbt, grössere Echtheit wird aber erzielt, wenn die Garne nach dem Spülen und vor dem Färben noch durch ein schwaches Tanninbad passirt werden. Die Schönheit dieser Färbungen ist unstreitig, deren Echtheit aber sehr mittelmässig, da die Färbung weder seifen echt, noch lichtecht ist, und ausserdem zeigen die so gefärbten Garne die Eigenschaft des Abrussens in unangenehmem Maasse.

Es bleibt nun noch übrig, eine Klasse von Säuren zu erwähnen, die zwar meist in hohem Grade die Fähigkeit besitzen, Farblacke zu bilden, die aber bis jetzt noch kaum zu diesem Zwecke benutzt werden. Ich meine die Farbstoffsäuren selbst in Form ihrer Alkalisalze der sogen. sauren Farbstoffe. Es ist bekannt, dass saure Farbstoffe mit basischen Farbstoffen wasserunlösliche Salze d.h. Lacke zu bilden vermögen, und thatsächlich ist mit Bezug auf dieses Verhalten von Rawson vorgeschlagen worden, die Farbstärke von Naphtolgelb (Natronsalz der Dinitronaphtol-α-Sulfosäure) durch Titration desselben mit einer Normallösung von Nachtblau (basischer Diphenyl-Naphtylmethan-Farbstoff) analytisch zu bestimmen. Die Fällung ist absolut vollständig, der Endpunkt der Reaction daher mit Leichtigkeit zu erkennen und das Verfahren gibt sehr verlässliche Resultate. Ganz allgemein aber ist jeder saure Farbstoff im Stande jeden basischen Farbstoff unter geeigneten Verhältnissen vollständig zu fällen, und lassen meine bisherigen Erfahrungen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass manche der möglichen, allerdings fast unzähligen Combinationen werthvoller Anwendung in der Fabrikation von Farblacken fähig sind.

[Kleinere Mittheilungen.]

Bedarf an Kohle für den Eisenbahnbetrieb.

Nach dem Finanz-Herold ist der Bedarf der preussischen Staatseisenbahnverwaltung für 1892/93 an Kohlen für die Beförderung der Züge auf 321 Millionen Locomotivkilometer, und zwar für je 1000 Locomotivkilometer mit 9,795 t Kohlen und 0,174 t Koks veranschlagt. Das sind im Ganzen 3144195 t Kohlen und 55854 t Koks. Die Tonne Kohlen ist mit 13,17 M., die Tonne Koks mit 21,62 M. und das Gesammterforderniss demnach mit 42616000 M. eingestellt. Dazu tritt noch der Bedarf für sonstige Heizungszwecke, Feuerung der stehenden Dampfkessel u. dgl.

Ventilationsanlage auf der Steinkohlenzeche Prosper I bei Berge-Borbek.

Auf der Steinkohlenzeche Prosper I wurde nach einer Mittheilung der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen, Bd. 38, in der neuesten Zeit behufs Verstärkung der Ventilation neben einem 12 m-Guibal ein neuer Ventilator nach Patent Capell aufgestellt und durch Ingenieur Herbst auf seine Leistungsfähigkeit untersucht. Der von der Maschinenfabrik R. W. Dinnendahl gelieferte Capell-Ventilator hat ein Flügelrad von 3,75 m äusserem Durchmesser und 2 m Breite; die beiderseits angeordneten Saugöffnungen haben je 2,1 m Durchmesser. Zum Betriebe dient eine Zwillingsmaschine mit Ridersteuerung von 520 mm Kolbendurchmesser und 800 mm Hub. Die Füllung wird während des Betriebes bei jedem Cylinder selbsthätig von je einem Regulator eingestellt. Der Antrieb des Flügelrades erfolgt bei einem Umsetzungsverhältnisse von 1 : 4 durch einen 650 mm breiten Kameelharriemen. Bei 72 minutlichen Umdrehungen der Maschinenwelle, also bei 288 Umdrehungen des Flügelrades, wurde eine Depression von 186 mm W-S beobachtet. Die mittlere Geschwindigkeit der Luft im Wetterkanale wurde mittels zweier Flügelradanemometer mit 546 m in der Minute bestimmt. Bei einem Querschnitte von 5,474 qm des Wetterkanales an der Messtelle beträgt sonach die minutlich angesaugte Wettermenge 2989 cbm. Unter Berücksichtigung der lebendigen Kraft der zuströmenden Luft berechnet sich die Nutzleistung des Ventilators mit 119,29 . Die indicirte Arbeit der Maschine wurde 229,2 gefunden, wonach sich der Wirkungsgrad mit 0,52 ergibt. Nach den gleichzeitig durchgeführten Wettermessungen in einem Ueberhauen der 234 m-Sohle wurden wegen Undichtigkeit des Wetterscheiders nur 76,3 Proc. der von dem Ventilator gelieferten Leistung für die Grube nutzbar gemacht. Mit demselben Ventilator wurden noch weitere Versuche bei 80 und 87,5 Umdrehungen der Maschinenwelle vorgenommen, wobei eine Depression von 223 und 269 mm W-S beobachtet wurden. Wettermessungen im Wetterkanale konnten hierbei wegen des starken Luftzuges nicht ausgeführt werden. Zur Schmierung der Ventilatorlager wird fein zerbröckeltes rohes Nierenfett verwendet, auf das beständig ein dünner Wasserstrahl geleitet wird. Die gewöhnliche Schmierung mit Oel oder Talg war unzureichend. In Anbetracht der grossen Leistung dieses Ventilators ist der gefundene Wirkungsgrad von 52 Proc. durchaus nicht als sehr gross anzusehen und dürfte unter gleichen Verhältnissen auch durch andere Ventilatoren wohl zu erreichen sein. (Nach der Oesterreichischen Zeitschrift, 1891 S. 199.)

Freitreppe.

Unter dem Namen „Columbus-Treppe“ (D. R. P. Nr. 56228) führt Rudolf Hermanns in Elberfeld eine Treppenconstruction (Fig. 1–3) ein, auf deren Wangen aus ⊓-Eisen, die nach dem Steigungsverhältniss verlegt sind, Tragschemel S einfach durch Einstecken der Nasen S1 in die Langlöcher des ⊓-Eisens befestigt werden. Die Tragschemel haben auf der Oberseite zwei Leisten, von denen die hintere u hakenförmig ausgebildet ist. Wird nun zwischen die Leisten ein die Setzstufe darstellendes Profileisen, z.B. ein I-Eisen, eingelegt und von Oberkante der einen Setzstufe bis zur Unterkante der nächsten Stufe Hinterfüllungserde eingebracht, so bewirkt der Druck der Hinterfüllung selbst einen festen Schluss aller Theile gegen einander. Da Kleineisenzeug vollständig vermieden ist, so kann das Verlegen auch von Leuten, die in Eisenarbeiten ungeübt sind (z.B. Gärtnern), vorgenommen werden. Die Treppen werden von der Firma Richard Hermanns und Co. in Elberfeld zum Preise von 6 bis 7 Mark für je ein Meter Stufenlänge bei Treppenbreiten von Walzlänge bis herab zu 1,5 m geliefert. Hierbei ist ein Steigungsverhältniss von 15 zu 37 cm vorausgesetzt. Geländer, welche eine kleine Abweichung in der Form der Schemel bedingen, werden besonders berechnet. (Centralblatt der Bau-Verwaltung 1891, S. 476.)

Textabbildung Bd. 283, S. 187

A. H. Cowles' Silberbronze.

Nach dem Telegraphic Journal, 1891 Bd. 29 S. 447, hat sich seit einiger Zeit A. H. Cowles bemüht, eine billigere und bessere Legirung als Ersatz für Neusilber herzustellen. Er hat gefunden, dass ein Zusatz von 1,25 Proc. Aluminium die Manganbronze minder strengflüssig macht und weniger dem Rosten aussetzt. Seine mit dem Namen Silberbronze belegte, besonders für Stangen, Blech und Draht bestimmte Legirung hat folgende Zusammensetzung:

Mangan 18,00
Aluminium 1,20
Silicium 5,00
Zink 13,00
Kupfer 67,55
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104,70.