Text-Bild-Ansicht Band 283

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durch welche den Consumenten mehr Licht für gleichen Preis zugeführt wird.

Bei der Discussion des Vortrages hebt Hasse (Dresden) hervor, dass die Naphtalinplage im Jahr beginnt, wenn die Sonne am Tage noch ziemlich warm scheint, die Nächte aber schon kühler sind. Das Gas wird am Tage in den Behältern stark erwärmt, der Boden ist auch noch warm, und so gelangt das Gas Abends noch warm zu den Gasmessern in der Stadt, welche häufig an vor Kälte wenig geschützten Orten liegen. Dort tritt Abkühlung ein und die Naphtalinabscheidung ist vorhanden. Ebenso wie Abkühlung ist Reibung für die Abscheidung förderlich. Die Erhöhung der Ofentemperatur, welche seit Einführung der Generatoröfen aufgetreten ist, kann auf die Naphtalinbildung keinen Einfluss haben; die Naphtalinplage war auch schon vor 25 Jahren bei den alten Rostöfen vorhanden. Hasse ist der Ansicht, dass auch das Ammoniak Träger von Naphtalin sei, denn wenn das Gas vor dem Reinigen mit Säure gewaschen werde, so setze sich Naphtalin ab. Jedenfalls ist für die Entfernung des Naphtalins eine gute Condensation das einzige Mittel, und zwar langsam wirkend. In Dresden wurden die Naphtalinstörungen immer dann hauptsächlich bemerkbar, wenn die Production so gestiegen war, dass die Grenze der Wirkung der Condensationsapparate überschritten war. Im neuesten Gaswerk, das eine vorzügliche Condensation besitzt, kommt Naphtalin nicht vor, ebensowenig in dem von diesem versorgten Stadttheil. Dass häufig den Generatoröfen die Schuld vermehrten Naphtalins zugeschrieben wird, liegt daran, dass bei der hierdurch gesteigerten Production versäumt wurde, die Apparate der Fabrik entsprechend zu vergrössern. Sobald dies geschehen war, trat keine Störung mehr auf, wie in manchen Fällen klar gezeigt wurde. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 529. Vortrag, gehalten in der Versammlung des Gas- und Wasserfachmänner-Vereins zu Strassburg.)

Gravivolumeter von Fr. R. Japp.

Verf. construirte einen Apparat, mittels dessen man mit einer gewöhnlichen Graduirung in Cubikcentimeter jedes beliebige einfache Gas ohne Beobachtung von Temperatur und Druck und ohne Berechnung unter solchen Bedingungen messen kann, dass je 1 cc 1 mg des Gases repräsentirt. Die Form des Apparates ist mit geringen Aenderungen die des Lunge'schen Gasvolumeters2), die Anwendung des Regulators ist aber eine abweichende. Der Apparat besteht aus zwei Gasbüretten, jede zu etwa 50 cc Inhalt. Die eine derselben ist die Gasmessröhre, die andere verrichtet die Function des Regulators in Lunge's Gasvolumeter und wird vom Verf. Regulatorröhre genannt. Beide sind, wie in Lunge's Gasvolumeter, durch eine starke, biegsame Röhre und ein T-Stück verbunden mit demselben beweglichen Quecksilberbehälter. Beide Röhren werden im Inneren durch einen Tropfen Wasser feucht gehalten, damit die in ihnen enthaltenen Gase mit Wasserdampf gesättigt sind. Die 25 cc-Theilung der Regulatorröhre bildet den Ausgangspunkt zur Berechnung der „gravivolumetrischen Werthe“ der verschiedenen zu messenden Gase. Beispielsweise berechnet Verf. für Stickstoff, auf welches Volumen 25 cc desselben gebracht werden müssen, damit 1 cc 1 mg des Gases entspricht; man hat 0,001256 × 25 = 0,0314 g, somit müssen diese 31,4 mg Stickstoff auf das Volumen von 31,4 cc gebracht werden. Die Theilung 31,4 an der Regulatorröhre wird mit N2 bezeichnet. In derselben Weise werden für die verschiedenen anderen Gase entsprechende Punkte bestimmt und auf der Regulatorröhre mit O2, CO2 u.s.w. bezeichnet. Schliesslich liest man Thermometer- und Barometerstand ab (was nur einmal beim Einstellen des Regulators nöthig ist) und berechnet das Volumen, welches 25 cc normal trockene Luft einnehmen würde, wenn sie feucht und bei der beobachteten Temperatur und gleichen Druck gemessen würden. Dieses berechnete Luftvolumen lässt man in die Regulatorröhre eintreten und schliesst den Hahn, worauf das Instrument zum Gebrauche fertig ist. Angenommen, man wünscht das Gewicht einer in der Messröhre enthaltenen Quantität Stickstoff zu ermitteln. Der Quecksilberbehälter wird gesenkt, bis das Quecksilber in der Regulatorröhre auf der Stickstoffmarke (31,4) einsteht, und gleichzeitig die Regulatorröhre selbst durch Heben oder Senken adjustirt, so dass das Quecksilberniveau in der Messröhre und Regulatorröhre gleich steht. Unter diesen Umständen beträgt jedes Cubikcentimeter Gas in der Messröhre 1 mg Stickstoff. Somit geben die Cubikcentimeter und Zehntelcubikcentimeter direct das Gewicht des Gases in Milligramm und Zehntelmilligramm. Die verschiedenen anderen einfachen (d.h. ungemischten) Gase werden in derselben Weise gewogen, indem man das Quecksilber in der Regulatorröhre auf die „gravivolumetrische Marke“ des betreffenden Gases bringt und die Niveaus wie angegeben adjustirt. Eine Ausnahme ist bei Wasserstoff zu machen, welcher auf solches Volumen gebracht werden muss, dass 1 cc 0,1 mg enthält. Wird endlich das Quecksilber in der Regulatorröhre auf die Marke 25 cc gebracht, so wird ein Gas oder Gasgemisch in der Messröhre das Volumen haben, welches es in normal-trockenem Zustande einnehmen würde. In dieser Form ist der Apparat lediglich ein Gasvolumeter und kann für gewöhnliche Gasanalysen Anwendung finden. (Chemiker-Zeitung, 1891 Bd. 15 S. 656, Verhandlungen der Chemical Society, London.)

Ueber die Herstellung und Verwendung von Sauerstoff für Beleuchtungszwecke von G. Kassner.

Das Verfahren des Verf., Sauerstoff mittels Calciumplumbat zu gewinnen, ist früher beschrieben worden3); der bleisaure Kalk wird hergestellt durch Glühen eines Gemisches von Bleioxyd und kohlensaurem Kalk bei heller Rothglut; es wird hierbei die Kohlensäure ausgetrieben und Sauerstoff aus der Luft aufgenommen. Nun lässt man durch Absperren des Heizgases den bleisauren Kalk etwas abkühlen und leitet einen Strom reiner Kohlensäure darüber, solange diese absorbirt wird. Es bildet sich wieder kohlensaurer Kalk und Bleioxyd zurück, unter Erhöhung der Temperatur, wobei Sauerstoffgas entweicht. Die Temperatur darf nicht zu hoch werden, da sonst auch Kohlensäure entweicht; normal ist der Sauerstoff nahezu frei von letzterem Gase. Will man ihn frei von Kohlensäure haben, so leitet man ihn durch schwach angefeuchteten porösen bleisauren Kalk, in welchem schon bei niedriger Temperatur (am schnellsten bei 80 bis 100°) dieselbe absorbirt wird.

2)

Vgl. 1890 277 * 474.

3)

Vgl. 1889 274 136 u. ff., 1890 278 468.