Text-Bild-Ansicht Band 283

Bild:
<< vorherige Seite

entzündliche sein, da trotz der geringen Haftbarkeit ihre Entzündung auf phosphorfreien Reibflächen eine sehr häufige und leichte ist; und die Zündmassen der fest haftenden Sorten 15 und vielleicht auch 14 werden die schwerste Entzündlichkeit besitzen, da ihre Hölzer bei Reibung auf phosphorfreien Zündflächen nur relativ selten zur Entzündung gelangen. Die Zündmassen der Sorten 2, 3, 9, 4 haben mittlere Entzündlichkeit, da diese Hölzer bei bester und guter Haftbarkeit der Zündkuppen weder zu den leichtest, noch zu den schwierigst entzündlichen gehören.

Die Feuergefährlichkeit der Zündhölzer ist ausser von der leichteren oder schwierigeren Entzündlichkeit wesentlich auch davon bedingt, ob die Hölzchen nach dem Ausblasen oder dem Erlöschen der Flamme noch längere, oder nur kürzere Zeit, oder auch gar nicht nachglimmen.

Um in diesem Punkte klarer zu sehen, wurde das Verhalten der Hölzchen festgestellt, nachdem die Flamme bis auf reichlich ⅔ der Hölzchenlänge vorgedrungen und dann durch Blasen ausgelöscht worden war. Es ergab sich, dass bei den Sorten 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 16, 17 stets, bei Nr. 18 fast stets und allein bei Nr. 15 nur selten ein Nachglimmen stattfand. Dasselbe währte bei Nr. 11, 14, 15, 16, 17 fast stets nur kurze Zeit, bei Nr. 18 bald längere, bald kürzere und bei sämmtlichen anderen Sorten stets bezieh. fast stets längere Zeit.

Von den 18 untersuchten Sorten nähert sich daher lediglich die eine Sorte Nr. 15 dem Ideal eines Zündhölzchens in Bezug auf das Nichtnachglimmen nach Auslöschung der Flamme, indem die Hölzer dieser Sorte einerseits nur selten und andererseits auch dann nur kurze Zeit meist lediglich im Inneren der verbrannten Zündkuppe ein Nachglimmen zeigen. Bei vier weiteren Sorten (Nr. 11, 14, 16, 17) tritt das Nachglimmen im Inneren (oder in der Nähe) der verbrannten Kuppe, wenn auch nur kurze Zeit anhaltend, so doch stets bei jedem Hölzchen, ein, und bei 13 Sorten glimmt bei jedem oder fast jedem Hölzchen gewöhnlich ein längeres Endchen des zu Kohle verbrannten Holzes nach und fast stets während längerer Zeitdauer.

Das Nachglimmen der Hölzchen Nr. 11, 14, 15, 16, 17, 18 wird dadurch eingeschränkt bezieh. verhindert, dass sie in ihrer ganzen Ausdehnung mit einer in Wasser löslichen und leicht schmelzbaren, unverbrennlichen Substanz – vielleicht Borsäure, borsaures Natron o. a. – gerade so stark imprägnirt sind, dass zwar die Uebertragung der Flamme von der entzündeten Kuppe auf das – am Kopfende auch mit Paraffin getränkte – Hölzchen und die Weiterpflanzung der Flamme an dessen Oberfläche noch leicht sich vollzieht, dabei auch das Holz im Inneren der Flamme vollständig verkohlt und die imprägnirende Substanz zum Schmelzen gebracht wird, dass aber die die gebildete Kohle in dünner Schicht überziehende und so den Sauerstoff der Luft von ihr abschliessende Schmelze hinreicht, die verkohlten Theile vor weiterer Verbrennung – vor der vollständigen Veraschung – zu schützen. Es entsteht bei diesem Vorgange ein Kohlenstäbchen, in seiner ganzen Länge in einen feinen Mantel der unverbrennbaren Substanz gehüllt, an seiner Spitze die verbrannte Zündkuppe tragend und so weit glühend, als es im (äusseren) Flammenrande sich befindet. Beim Weiterschreiten der Flamme kühlen sich die von ihr verlassenen, in Folge der Schmelzhülle selbst nicht mehr verbrennlichen, daher auch selbst nicht mehr Hitze erzeugenden Theile sofort bis unter Rothglut ab.

Je gleichmässiger die Imprägnation die Holzstäbchen durchzieht, und je besser die passendste Stärke der Imprägnation für jede Holzart getroffen wird, desto momentaner hört mit dem Erlöschen der Flamme auch das Nachglühen – das Nachglimmen – der Hölzchen auf, während bei ungleichmässiger oder zu schwacher Imprägnation ein theilweises Nachglimmen stattfinden wird. Da in einen sehr schwachen Holzspan die imprägnirende Flüssigkeit im Allgemeinen gleichmässiger eindringen wird, als in einen stärkeren, so ist ersichtlich, dass für zu imprägnirende Zündhölzer der flachrechtwinklige Querschnitt von etwa 1,5 × 3 mm der untersuchten Sorten Nr. 15 und 16 weit zweckmässiger ist, als der quadratische von etwa 2 × 2 mm der Sorten Nr. 11, 14, 17 und 18. Dass es aus gleichem Grunde zur Erzielung eines guten Productes nothwendig ist, die grösste Sorgfalt darauf zu verwenden, dass alle Stäbchen aus möglichst gleichartigem, gleichweichem, von härteren Knoten und Jahresringen freiem Holze gefertigt werden, bedarf kaum der Erwähnung.

Die Kohlenstäbchen, welche sich bei der Verbrennung der mit einer unverbrennlichen Substanz imprägnirten Hölzchen bilden, sind befähigt, die verbrannten Zündkuppen an ihrem freien Ende festzuhalten, sie vor dem Abfallen zu bewahren. Dieses Festhalten wird erleichtert, wenn einerseits das Nachglimmen der gebildeten Kohle auch im Inneren der Kuppe aufs Minimum beschränkt ist, die Kohlenstäbchen (vorzüglich in der Kuppe) möglichst grosse Volumina, möglichst grosse Querschnitte besitzen, und wenn andererseits die Zündmassen beim Verbrennen zusammensintern und sich an das in ihrem Inneren befindliche Holz bezieh. an die entstehende Holzkohle fest anlegen, wie es bei den Zündhölzern Nr. 15 geschieht. Dagegen wird das Festhalten der Zündkuppen erschwert und eventuell ganz unmöglich gemacht, wenn umgekehrt die Zündmasse sich aufbläht, beim Abbrennen ihren Zusammenhang mit ihrer Unterlage lockert, oder die Unterlage selbst zum Theil oder gar ganz verglimmt, verascht, verschwindet.

Damit die Zündmasse fest hafte und unter ihr die Holzköpfe nicht veraschen, müssen die Hölzer zuerst in ganzer Länge mit der unverbrennbaren Substanz imprägnirt, getrocknet und dann am Kopfende mit nur wenig Paraffin getränkt werden, – nicht umgekehrt.1) Sodann wird es zweckmässig sein, die vorher vielleicht etwas angewärmten Hölzchen beim Eintauchen in die nasse warme Zündmassenmischung so lange in dieser zu lassen, bis das leicht schmelzbare und specifisch leichtere Paraffin möglichst vollständig von der Oberfläche des äussersten Holzkopfes, der sich mit der Zündmasse bedecken und an den sie sich fest anhängen soll, verdrängt wird. Vielleicht ist es sogar angebracht, nach dem Paraffiniren der Köpfe vor dem Aufbringen der Zündmasse die äussersten Spitzen der Hölzer nochmals in die heisse Imprägnirungsflüssigkeit eine Zeitlang einzutauchen und hierdurch zu bewirken, dass

1)

Die Hölzchen Nr. 11 scheinen zuerst am Kopfe mit Paraffin getränkt und dann erst in ihrer ganzen Länge mit der unverbrennlichen Substanz imprägnirt zu sein. Sie verglimmen daher am Kopfe und die verbrannte Zündkuppe fällt dabei ab.