Text-Bild-Ansicht Band 4

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Pharmakologie zu Florenz, fand127), daß Weizen-Kleber (Gluten) den Sublimat weit bester zersezt, und denselben entsäuert, wenn er im Verhältnisse von 4:1 demselben beigesezt wird, Weizen-Kleber, auch nach der Vergiftung mit Sublimat den Thieren gereicht, rettet sie von dem Tode. Da aber Weizen-Kleber sich nicht in Wasser auflöset, so räth er denselben mit 1/10 Potaschen-Seife zu mengen, und dann im Wasser aufzulösen. Diese Auflösung wird während 24 Stunden öfters umgerührt, und auf einem Ofen abgeraucht, wo dann der Rückstand, den Hr. Prof. TaddeiEmulsiva di glutine nennt, gepulvert, und zum stündlichen Gebrauche mit der gehörigen Menge Wassers gemengt bereit ist.

Der Demant.

Während Dr. Brewster den optischen Bau des Bernsteines untersuchte, gerieth er auf die Vergleichung desselben mit dem Demant. Er fand einige ganz sonderbare Aehnlichkeiten zwischen diesen beiden Substanzen, und ein Demant both ein ganz neues und unerwartetes Phänomen dar, welches wahrscheinlich einiges Licht über sein Entstehen und seine Bildung gewähren kann. Dieselbe Erscheinung findet sich auch an dem Bernsteine. Es ist „das Daseyn kleiner Lufttheilchen in beiden Substanzen, deren Expansiv-Kraft den Theilen, welche mit der Luft in unmittelbarer Berührung stehen, einen polarisirenden Bau ertheilte. Dieser Bau zeigt sich durch vier Sectoren des polarisirten Lichtes, welche ein Luftkügelchen umgeben, und kann durch Kunst sowohl im Glase als in gelatinösen Massen hervorgebracht werden, wenn eine drückende Kraft sich in Kreisen von einem Punkte aus fortsezt. Es ist offenbar, daß eine solche Wirkung nicht von irgend einer Art von Krystallisation entstehen kann, und wenn diese Behauptung irgend eines Beweises bedürfte, so würde es hinreichend seyn zu sagen, daß ich in mehr dann zweihundert Mineralien, die ich untersuchte, nie die geringste Spur davon gefunden habe, auch nicht in irgend einem der künstlichen Salze, die aus wässerigen Auflösungen sich krystallisieren. Diese Wirkung kann also nur aus der Expansiv-Kraft der in dem Demante und Bernsteine eingeschlossenen Luft hervorgehen, während beide noch in einem so weichen Zustande sich befanden, daß sie von einer geringen Kraft zusammengedrückt werden konnten. Daß dieser einer Zusammendrückung fähige Zustand des Demantes nicht durch Hize erzeugt werden konnte, ist aus der Natur und aus der neueren Bildung des Bodens, in welchem er gefunden wird, offenbar (manifest)128); daß er nicht in einer Masse vorhanden seyn konnte, die aus dem Wasser sich niederschlug, ist noch mehr einleuchtend; und daher werden wir, aller übrigen Analogie nach, zu dem wahrscheinlichen Schlusse geleitet, daß der Demant wie der Bernstein, vielleicht durch Verdichtung eines Pflanzenstoffes entsteht, welcher nach und nach durch Einwirkung der Zeit und der langsamen Thätigkeit der Körperkräfte eine krystallinische Form erhält.“ Diese polarisirende Struktur wurde an flachen regelmäßig krystallisirten Demanten, und auch an einem vollkommen oktaedrischen Demante gefunden. Edinb. Phil. Journal.

127)

Sopra un nuovo Antidoto pel Sublimato corrosivo e per le altre preparazioni venefiche del mercurio, ricerche chimico mediche del S. Gioach. Taddei etc. 8 Firenze. 1820. Vergl. Biblioteca italiana. Junius 1820. S. 416.

128)

Offenbar? kann nicht ein uraltes Steinchen sich in eine neuere Bildung verlieren? A. d. Uebers.