Text-Bild-Ansicht Band 4

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„Daß das Wasser durch das Eisen nicht, wie die angesehensten Chemiker bisher lehrten, zersezt wird; daß sein Sauerstoff sich nicht mit dem Metalle verbindet, und der Wasserstoff dadurch frei wird; sondern daß reines Wasser bei der gewöhnlichen Temperatur der Atmosphäre von dem Eisen nicht zersezt werden kann, sobald es von allem verschlungenen Sauerstoffgase frei, und von der Berührung mit der atmosphärischen Luft vollkommen abgesperrt ist. Eben so wenig vermag Sauerstoffgas oder atmosphärische Luft, von aller Feuchtigkeit beraubt, bei der gewöhnlichen Temperatur das Eisen zu oxydiren. Oxydirung des Eisens fordert die vereinten Kräfte des Sauerstoffes und des Wassers, und Wasser scheint bloß das Medium zu bilden, durch welches der Sauerstoff auf das Wasser wirkt: vielleicht, daß der Sauerstoff gar nur als Hydrat auf das Eisen wirken kann.

Wenn gewöhnliches lufthaltiges Brunnen-Wasser, gegen den weiteren Zutritt der atmosphärischen Luft gesichert, auf Eisen wirkt, so bildet es ein schwarzgrünes Oxyd, das rostbraun wird, sobald man der atmosphärischen Luft den Zutritt zu diesem Wasser neuerdings gestattet.

Gelatine aus Knochen. Von Hrn. Joh. Murray.

Sie wissen, daß die Franzosen sich die Ehre zuschrieben, die ersten gewesen zu seyn, welche durch verdünnte Kochsalzsäure Gelatine aus den Knochen ausgezogen, und dieselbe als Nahrungsmittel in Spitälern etc. angewendet haben. Hr. Karl de Gimbernat, königl. baierscher Legationsrath, versicherte mich jedoch, daß der erste Versuch hierüber von ihm angestellt war, und daß er denselben während der Belagerung von Strasburg zuerst in Anwendung brachte. Die Belagerten wurden dadurch in den Stand gesezt eine längere Zeit über Widerstand zu leisten, als sie, ohne dieses Mittel auf alle Schrecknisse der Hungersnoth gebracht, nicht im Stande gewesen seyn würden sich zu halten. Es ist nichts wie Billigkeit, demjenigen sein Verdienst zu sichern, dem es angehört. (Aus Thomsons Annals of Philosophy. Decemb. 1820. N. 96. S. 466.)

Ueber das Aussterben der Obst-, besonders der Aepfelbäume. Von dem hochw. Wilh. Williamson zu Westbere bei Canterbury.

Der Hochw. Hr. Williamson sucht zu beweisen, daß das Aussterben der Obstbäume nicht vom Alter des Stockes, von welchem die Pfropfreiser genommen sind, herrühre, indem sonst aus Kernen gezogene Stämme davon befreit bleiben müßten, was nicht der Fall ist, sondern daß vorzüglich die kalten Sommer, die seit dem Jahre 1811 so oft wiederkehrten, Ursache des Verderbens der Obst-, besonders der Aepfelbäume, sind. Er räth, mit dem Aushauen alter kränkelnder Bäume zu warten auf bessere Sommer, und führt einen Fall an, wo mehrere Obstgarten, die ganz ausgetragen schienen, und zur Axt bestimmt waren, in dem lezteren wärmeren Sommer wieder reichlich zu treiben und tragen begannen. (Im Auszuge aus den Transactions of the London Horticultural Society. Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. II Series. N. CCXXIV. Januar 1821. S. 115.