Text-Bild-Ansicht Band 143

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ist keineswegs nur Vermuthung. Personne 30) hat in neuerer Zeit diese Säure aus dem Hopfen dargestellt.

Die Valeriansäure ist aus dem Hopfen auf chemischem Wege nicht zu entfernen. Eben so wenig, als die Chemie im Stande ist, aus Essigsäure Weingeist, aus Caprinsäure Rautenöl, aus Zimmtsäure Zimmtöl darzustellen, eben so wenig ist Aussicht vorhanden, Valeriansäure zu Valerol zu reduciren und aus altem Hopfen frischen zu erzeugen.

Außer der Veränderung des ätherischen Oeles erleidet ferner der Hopfen durch den atmosphärischen Sauerstoff die allen organischen Substanzen gemeinsame Veränderung. Es tritt allmähliche Verwesung ein, deren erstes Anzeichen eine durch Zunahme des Kohlenstoffgehaltes der Organe bedingte dunklere Färbung ist.

Diese Färbung und der charakteristische Käsegeruch, das sind die Kennzeichen, durch die der Händler und Consument den alten Hopfen erkennt.

Wenn nun, wie oben angeführt, der Chemiker nicht vermag, ohne vollständige Desaggregation der Hopfendolden, dem alten Hopfen den widrigen Geruch zu benehmen, so gilt nicht dasselbe von der dunklen Farbe.

Gleich vielen anderen Pigmenten des Thier- und Pflanzenreiches kann auch die dunklere Färbung des Hopfens durch chemische Mittel in eine hellere übergeführt werden. Daß die Qualität des Hopfens sich dadurch nicht verändert, liegt auf der Hand. Der alte Hopfen bleibt was er ist, und der Hopfenhändler ist außer Stande, durch chemische Mittel die Zahl der Jahre des Hopfens herabzudrücken. Er kann höchstens mit seiner Waare das bewirken, was der Engländer finishing nennt.

Es entsteht nun die Frage, auf welche Weise bewirkt werden könne, daß der Hopfen bei der Aufbewahrung nicht in der angegebenen Weise verändert werde.

Die Bedingungen, unter welchen jene Veränderung nur stattfinden kann, sind Feuchtigkeit (Wasser) und atmosphärische Luft (Sauerstoff). Zur Entfernung des Wassers wendet man das Trocknen an der Luft und durch künstliche Wärme (das Darren), zur Abhaltung der Luft das Zusammenpressen des getrockneten Hopfens durch starke Pressen und das sogenannte „Schwefeln“ an. Letzteres wird auf die Weise ausgeführt,

30)

Personne (1854), Comptes rendus t. XXXVIII, p. 309; Pharm. Centralblatt, 1854, S. 228; Liebig und Kopp's Jahresbericht für 1854, S. 653.