Text-Bild-Ansicht Band 143

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„Aus Ihrem Schreiben erhalte ich zum erstenmal Kenntniß von der im Königreich Bayern bestehenden Verordnung, welche das Schwefeln des Hopfens für unerlaubt und strafbar erklärt, und ich bin jetzt nicht mehr verwundert über die widersprechenden Urtheile, die ich häufig in den englischen und schottischen Brauereien über die ungleiche Beschaffenheit des sonst so sehr – namentlich auf den Continentalmärkten – geschätzten bayerischen Hopfens gehört habe. In Beziehung auf die beabsichtigte Eingabe an die Regierung, die Aufhebung des erwähnten Verbots betreffend, dürften Sie, wie ich glaube, dem Erfolg mit aller Zuversicht entgegensehen, denn die neuere Wissenschaft weiß nichts von einer schädlichen Wirkung des Schwefels, oder von Nachtheilen, welche daraus für die Gesundheit erwachsen sollen. – Auf welche Gründe das Verbot des Schwefelns des Hopfens gestützt ist, dieß ist mir völlig unbekannt, daß es aber von einer sehr mangelhaften Kenntniß der Wirkung der schwefligen Säure eingegeben wurde und auf einer falschen Auffassung des Zweckes beruht, der durch das Schwefeln erreicht wird, darüber hege ich keinen Zweifel und es bedarf sicherlich auf dem gegenwärtigen Standpunkt der chemischen Wissenschaft nur einer einfachen Hinweisung auf ganz unzweideutige Thatsachen, um das in unserer Zeit höchst seltsam erscheinende und für den Hopfenhandel störende Verbot für die Zukunft unwirksam zu machen. Die schweflige Säure, welche beim Verbrennen des Schwefels entsteht, besitzt die unter den Säuren seltene Eigenschaft, mit der festen Substanz der Blumen, Blätter und saftreichen Theile der Vegetabilien, ähnlich wie die Gerbsäure mit der thierischen Haut, eine chemische Verbindung einzugehen, wodurch sie die Fähigkeit einbüßt, in Gährung und Fäulniß, d.h. in Verderbniß überzugehen, ganz wie wir dieß vom Leder kennen, welches der Fäulniß widersteht, während die Häute für sich, ohne die Gerbsäure, so leicht im wasserhaltigen Zustande sich verändern. Durch die Wirkung der schwefligen Säure erleiden die aromatischen und die ernährenden Bestandtheile der Vegetabilien keine Aenderung in ihren Eigenschaften. Die feste Substanz der Pflanzentheile, welche schweflige Säure in chemischer Verbindung aufgenommen hat, verliert hierdurch das Vermögen, das in denselben aufgesaugte und gebundene Wasser (Vegetationswasser) zurückzuhalten, und es tritt, wie man dieß bei saftreichen Gemüsen sieht, nach dem Schwefeln die merkwürdige Erscheinung ein, daß das Wasser derselben förmlich ausfließt. An einer Blume, einer Rose z.B., die man über brennenden Schwefel hält, sieht man dieß sehr deutlich, so wie die Blumenblätter weiß werden, an dem raschen Zusammenfallen oder Abwelken, ohne daß der feine und flüchtige Rosengeruch abnimmt oder beeinträchtigt wird. In ganz gleicher