Text-Bild-Ansicht Band 323

Bild:
<< vorherige Seite

der Umdrehungszeit t der Fallstückwelle erhöht, d. i.

Nachdem das Fallstück heruntergefallen ist, bringt dessen Weiterdrehen die außer Eingriff gekommenen beiden Teile – Zahnrad und Fallstück – wieder in Verbindung, wodurch die Hebung von Neuem beginnt. Der jedesmalige höchste Punkt beim Steigen des Fallstücks stellt die jeweilige Fahrgeschwindigkeit dar und wird durch einen auf der Fallstückringfläche aufliegenden Stift i mittels Zahnstange und Zahnbogen auf den Zeiger übertragen. Eine leichte Schleppfeder hält den Zeiger in jeder Stellung fest. Die obere, dünnere Hälfte des Fallstücks B trägt einen steilen Schraubengang d, der mit seinem unteren Ende nicht ganz bis an die Ringfläche K des Fallstücks herabreicht, sondern zwischen sich und diesem eine Lücke läßt, durch welche der Stift i bei der Drehung des Fallstücks hindurchgeht. Ist nun beim zweiten Spiel das Fallstück nicht bis zu der im vorhergehenden Spiel erlangten Höhe gelangt – bei Verzögerung der Zugfahrt –, das heißt erreicht Ringfläche K nicht den Stift i, so wird dieser bei der Umdrehung des Fallstücks durch den Schraubengang d so lange nach abwärts bewegt, bis er in die Höhe der Lücke gekommen ist, durch die er dann ohne weiteres hindurchgeht. Der Zeiger ist hierbei mit zurückgestellt und bleibt nunmehr stillstehen. Die Welle des Fallstücks macht in 12 Sekunden eine Umdrehung, so daß in dieser Zeit auch die Einstellung erfolgen würde.

Textabbildung Bd. 323, S. 316

Es ist jedoch noch eine, das Prinzip der Wirkungsweise keineswegs berührende Vorrichtung angebracht, die eine Einstellung des Zeigers alle sechs Sekunden bewirkt, während der als Hammer mit Spitze ausgebildete Schreibstift nur alle 12 Sekunden anspricht, mithin die Geschwindigkeitskurve nicht so zuverlässig bei Geschwindigkeitsänderungen ist, als die Anzeige. Beim Erreichen einer bestimmten Höchstgeschwindigkeit wird selbsttätig ein fortwährendes Glockensignal gegeben. Das Uhrwerk zieht sich durch Exzenterantrieb während der Fahrt selbsttätig auf.

Der erste Haußhälter-Apparat ist auf einer Schnellzugmaschine der Königlichen Sächsischen Staatsbahnen eingebaut worden und wurde Ende des Jahres 1885 dem Versuch unterworfen. Es ist bekannt, daß sich die Bauart seitdem großer Verbreitung zu erfreuen hat und der Bauart Petri vorgezogen wird.

Die Beschaffungskosten betragen 350–400 M.; die Ausbesserungskosten nebst gründlicher Reinigung betragen bei laufender Unterhaltung nach Feststellungen des Verfassers etwa 10–15 M. im Jahr.

3. Bauart Hasler, 1903 (Fig. 12 und 13).

Auf demselben Prinzip wie die Bauart Haußhälter beruht der Geschwindigkeitsmesser von Hasler. Um jedoch eine schnellere Einstellung des Zeigers zu erreichen, sind an Stelle eines Fallstücks drei angeordnet, die nacheinander fortlaufend gehoben werden und herabfallen. Das Prinzip der Wegmessung in konstanter Zeit ist konstruktiv in anderer Weise gelöst. Eine aufrechte Spindel trägt auf eine gewisse Länge Schraubengewinde, in welches die drei Fallstücke mit Muttergewinde eingreifen. Die Spindel wird vom Triebwerk der Lokomotive deren Fahrgeschwindigkeit entsprechend gedreht, die Fallkörper werden in gleichmäßig wiederkehrenden Zeitabschnitten aus dem Gewinde nacheinander ausgeklinkt, fallen herab, werden sofort wieder eingeklinkt, um das Aufsteigen sofort wieder zu beginnen. Es bildet also ebenfalls die Höhe, bis zu der die Körper im gegebenen konstanten Zeitabschnitt ansteigen, ein Maß für die Umdrehungsgeschwindigkeit der Spindel, mithin für die Fahrgeschwindigkeit der Lokomotive. Bei einer Spindelumdrehung ist die Erhebung eines Fallstücks gleich der Ganghöhe des Gewindes. Die Umdrehungszahl der Spindel ist

in einer Sekunde, wobei Z das gesamte Uebersetzungsverhältnis des Werks von der Fahrzeugachse bis zur Spindel bedeutet.

Während einer Einschaltzeit von t-Sekunden erreicht der Fallkörper eine Höhe

wenn bei einer Umdrehung i. d. Sekunde die Erhebung = h ist. Es ist also H = konstant. V km/Std.

Durch diese Anordnung ist das Werk recht vielteilig geworden. Die Anzeige ist jedoch mehr stetig geworden, da der Zeiger alle Sekunden neu eingestellt wird, so daß seine mittlere Stellung die Durchschnittsgeschwindigkeit der beiden letzten Sekunden angibt. Das Diagramm wird durch Nadelstiche erzeugt, die alle drei Sekunden erfolgen. Der Antrieb erfolgt durch Schleppkurbel, vereinzelt ist auch Kettenantrieb ausgeführt worden, während Riemenantrieb sich wegen der Gleitverluste nicht bewährt hat. Die Beschaffungskosten betragen mit Einbau 460 M. und sind wegen ihrer Höhe ein wesentliches Hindernis zur Einführung bei großen Verwaltungen. Auf den Schweizer Bundesbahnen und einigen französischen Bahnen sind mit dem Geschwindigkeitsmesser gute Erfahrungen gemacht worden.

4. Cinémomètre, Bauart Jules Richard in Paris (Fig. 14 und 15).

Zwei gleichachsige Scheiben P laufen in entgegengesetztem Sinne um. Die Bewegung wird von der zu messenden Maschine selbst eingeleitet und durch einen Foucaultschen Regler genau gleichmäßig geregelt. Zwischen den Scheiben befindet sich die Rolle Q, deren Abstand von dem Mittelpunkt der Scheiben der Umdrehungszahl der zu messenden Welle proportional ist. Die Rolle ist zwei Bewegungen unterworfen. Einmal wird sie durch die beiden Scheiben gedreht, und zwar nach Maßgabe ihrer Entfernung vom Mittelpunkt der Scheibenachse mit veränderlicher Geschwindigkeit.2) Die zweite Drehung der Reibungsrolle Q erfolgt gemäß der Geschwindigkeit der zu messenden Welle und zwar bewirkt die Drehung gleichzeitig eine Entfernung vom Mittelpunkt der Scheiben weg. Die Rolle wird aber nach außen proportional der Umdrehungszahl der zu messenden Welle bewegt, während

2)

Die beiden Scheiben P mit der Rolle Q stellen den bei Maschinen der Textilindustrie zur Erzielung schnell zu ändernder, beliebiger Uebersetzung häufig verwendeten, von Reuleaux „Diskusgetriebe“ benannten Mechanismus dar.