Text-Bild-Ansicht Band 129

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im Jahre 1851 gelang es Hrn. Tunner, zu Eibiswald in Steiermark auf Staatskosten die Cementstahlbereitung einzuführen und eine Hütte zu gründen, welche ein Musterwerk für die Gewerke seyn soll.

Da der österreichische Rohstahl im Laufe der Zeit verhältnißmäßig theurer und schlechter, dagegen der hauptsächlich mit ihm concurrirende schwedische Cementstahl billiger und besser geworden ist, so liegt das große Interesse der österreichischen Hüttenbesitzer für den letzteren Fabricationszweig auf der Hand. Die besten Rohstahlsorten können nur aus sehr reinem Roheisen und mittelst in ökonomischer Beziehung sehr unvortheilhafter Processe dargestellt werden, daher bei den jetzigen hohen Kohlenpreisen ihre Productionspreise ebenfalls hoch sind und die Verkaufspreise steigen mußten. Der Haushalt wurde aber immer gebieterischer; es mußten die schlechtem Erze ebenfalls Verblasen, die Schmelzöfen höher und weiter gemacht, die Gebläseluft verstärkt und erhitzt werden; das unter diesen Umständen erzeugte Roheisen blieb zwar sehr gut, es verlor aber dennoch an Reinheit und sein Preis stieg. – In den Stahlhämmern war es nicht anders, die Processe mußten durchaus so verändert werden, daß sich der Kohlenverbrauch verminderte, wodurch aber die Qualität verschlechtert wurde. Dieß war jedoch nöthig, um die Preise nicht zu hoch steigern zu müssen, da die Kohlenpreise in 20 Jahren auf das Doppelte gestiegen sind.

Dagegen ist in Schweden der Cementstahl immer billiger geworden, da sich einerseits die Eisenpreise wenig veränderten, die Fabricationsmethoden aber, sowohl beim Stabeisen als auch beim Stahl, sich im Verlauf der letzten 20 bis 30 Jahre wesentlich verbesserten. Bei der Erzeugung des Stahleisens wird die sogenannte Lancashire-Schmiede mit Gasschweißöfen und schweren Zängehämmern angewendet, und es wird dadurch ein sehr gutes und minder theures Stabeisen dargestellt. Im Jahre 1850 wurden 43,000 Cntr. Cementstahl ausgeführt, wovon 2128 Cntr. nach Oesterreich gingen. Sehr genaue, zu Freiberg mit Berggezähen angestellte Versuche haben bewiesen, daß der schwedische Cementstahl dabei dem Innerberger Schmelzstahl vorzuziehen sey. In Trieft kostete jener neuerlich mehr als letzterer.

Soll nun die österreichische, so bedeutende Stahlfabrication (sie betrug im Jahre 1821 für Steiermark 121,731 Cntr. und für Kärnthen 81,475 Cntr.) in der Folge mit der ausländischen Concurrenz halten können, so muß sie ebenfalls zur Cementstahlbereitung übergehen. In der Schmelzstahlbereitung hatte Oesterreich den Vorrang, allein die Zeit dieses Betriebes ist durch die gänzlich veränderten Brennstoffverhältnisse für die