Text-Bild-Ansicht Band 129

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Eine genaue Beschreibung des Verfahrens bei der Cementstahlbereitung in der englischen Grafschaft York, vom französischen Bergingenieur Le Play, wurde im polytechn. Journal Bd. XCI S. 443 mitgetheilt, auf welche wir hier verweisen. Hr. Le Play hielt sich an die Verhältnisse, welche vor zehn und mehr Jahren in England bestanden, und stellte daher in seiner Abhandlung die Ansicht auf, daß nur das schwedische Eisen guten Cementstahl geben könne und die Spatheisenstein-Districte in Steiermark, Kärnthen, Krain, Siegen, Schmalkalden etc. auf die Schmelzstahlbereitung nach wie vor verwiesen seyen. Diese, nach der Meinung des Hrn. Tunner, unrichtige Ansicht zu beseitigen, war der Hauptzweck der Abhandlung, welcher wir das hier Mitgetheilte entnahmen.

Hr. Tunner sagt nun auch Einiges über das zu der Cementation zu verwendende Stabeisen, weil dieses die Grundlage zur Cementstahlbereitung bildet und bisher noch gar keine bestimmten Anhaltspunkte für die Wahl des Stabeisens gegeben waren. Seinen Beobachtungen zufolge sind die nöthigen Eigenschaften eines guten Cementstabeisens folgende:

1) Möglichste Reinheit von allen fremden Beimischungen, außer Kohle und Mangan, die zwar nicht erforderlich, aber auch nicht nachtheilig sind, und den Beweis liefern, daß das Stabeisen aus einem sehr guten Roheisen bereitet wurde. Obgleich dasselbe auch vom Rohstahl gilt, so ist es doch weit wohlfeiler, gutes Cementstabeisen als guten Rohstahl darzustellen, weil bei der Bereitung des ersteren die Abscheidung der fremden Beimischungen mit allen Mitteln befördert werden kann, während bei letzterem dieß nicht der Fall, sondern eine große Vorsicht erforderlich ist, um die nothwendige Kohlenmenge zurückzubehalten. Aus gutem Rohstahleisen, wie es in den Spatheisenstein-Districten erblasen wird, kann das beste Cementstabeisen dargestellt werden.

2) Möglichste Dichtigkeit, d.h. es muß frei von allen unganzen Stellen, Schiefern, Häuten und Schlacken seyn. Es muß daher sehr gut ausgeheizt und nur vollkommen ganzgemacht ausgereckt werden. Zu empfehlen ist folglich die Arbeit mit zwei Hitzen, einer ersten sehr starken, und einer gleich darauf folgenden gelinden. Das Eisen von sogenannten schwammigen Luppen ist nicht zu verwenden.

3) Möglichste Gleichartigkeit, wobei es ziemlich gleichgültig ist, ob das Eisen weich oder hart ist, nur darf es im erstem Fall nicht von dunkler, großfaseriger Textur, sondern muß gleichartig, entweder licht körnig oder licht feinfaserig seyn.

Als die für das steiersche, kärnthensche und alle ähnlichen Roheisensorten am besten passende Frischmethode stellt sich die in der Eifel übliche