Text-Bild-Ansicht Band 129

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Grade vereint erforderlich sind, muß man, ungeachtet des hohen Eingangszolles, englischen Stahl anwenden. Es ist ganz augenscheinlich, daß Oesterreich zu wenig Gußstahl, zu theuern und nicht immer solchen von der gewünschten Qualität, vorzüglich in den härtern Sorten, erzeugt.

Zuvörderst müssen zur Steigerung des Fabricationsquantums von Gußstahl, die dazu nöthigen Rohmaterialien, Brennstoffe und Tiegel vermehrt werden. Besonders ist es nothwendig, mehr mineralische Brennstoffe anzuwenden, was bis jetzt nur in einer Fabrik geschieht, da Holzkohlen viel zu theuer sind. Es wird daher erforderlich seyn, die Gußstahlfabriken da anzulegen und zu betreiben, wo Steinkohlen oder gute Braunkohlen vorkommen, zumal es dort auch feuerfesten Thon zur Verfertigung der Tiegel gibt.

Die unzureichende Qualität des österreichischen Gußstahls zeigt sich zunächst bei den härtesten Sorten, z.B. beim Abdrehen sehr harter Walzen und in ähnlichen Fällen. Nun wird aber bei der Bereitung der härtern Gußstahlsorten Roheisen zugesetzt, durch welches fremde Bestandtheile in den Gußstahl gelangen, welche bei der Schmelzstahl- und Stabeisenbereitung abgeschieden werden. Je mehr Roheisen daher zugesetzt wird, desto mehr muß diese nachtheilige Wirkung zum Vorschein kommen. – In den besten englischen Gußstahlfabriken werden die verschiedenen Härtegrade lediglich durch den, auf verschiedene Grabe cementirten Gußstahl hervorgebracht. Da nun bei der Cementation nur Kohle mit dem Stabeisen verbunden wird, so beschränkt sich die ganze Kunst des englischen Gußstahlfabrikanten wesentlich darauf, das erprobt beste Stabeisen zu cementiren.

Ein anderer Grund der Untauglichkeit des österreichischen Gußstahls zu feinen Arbeiten liegt darin, daß roher Cementstahl sich nach Farbe und Textur leicht sortiren läßt, was beim ausgereckten Rohstahl niemals möglich ist. Man kann nach dem Bruchansehen des rohen Cementstahls mit aller Schärfe drei bis vier Sorten unterscheiden, welche bei der darauf folgenden mechanischen Bearbeitung und der dadurch herbeigeführten Texturveränderung, zur völligen Unkenntlichkeit verwischt werden. Nur ursprünglich sehr große Verschiedenheiten sind daher bei der geänderten Textur, so wie beim Schmelzstahl, nach dem Bruchansehen noch mit einiger Zuverlässigkeit zu beurtheilen. Ueberdieß ist die aus einem gleichartigen Stabeisen dargestellte Cementstahlstange ihrer Länge nach viel gleichartiger als der Schmelzstahlstab, und hierdurch die Sortirung an und für sich bei ersterem ungemein erleichtert.