Text-Bild-Ansicht Band 303

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Die landwirthschaftliche Gesellschaft hatte sich der Frage nach der Leistungsfähigkeit der Erdölmaschinen zugewandt, weil diese Maschinen besonders in der Form von Locomobilen eine hervorragende Bedeutung für die Landwirthschaft gewinnen, falls sie sich eben praktisch bewähren. Hierüber war aber nur durch gewissenhafte Versuche ein sicheres Ergebniss zu erzielen, weil der starke Wettbewerb auf dem Erdölmaschinenmarkt dazu geführt hatte, dass manche übertriebene Angabe über die Leistung, die Kosten und namentlich den Betrieb in das Publicum gelangte, andererseits aber auch unrichtige Vorstellungen von dem Wesen der Erdölmaschine Missdeutungen hervorbrachten, welche von den Mittheilungen solcher noch genährt wurden, deren Traum von der steten Bereitschaft einer nicht zu beaufsichtigenden und nicht zu wartenden Betriebsmaschine durch böse Erfahrungen mit dieser „unruhigen“ Erdölmaschine gestört wurde.

Die Prüfungen schlössen alle Maschinen aus, welche mit Benzin, Naphta u.s.w. arbeiteten; sie erstreckte sich nur auf Maschinen, welche mit Erdöl von 0,8 spec. Gew. gespeist wurden. Man schloss sich mit dieser Bestimmung der Meinung an, dass eben gerade der Betrieb mit dem fast ungefährlichen und billigen Erdöl für die Maschine von hervorragender Bedeutung sei.

Ueber die Ausführung der Prüfung enthielt das Preisausschreiben vom 15. November 1895 eingehende Bestimmungen, von denen folgende für die Beurtheilung der Prüfungsergebnisse wichtig sind:

„Der erste Theil der Prüfung wird ausgeführt durch Betrieb des Motors unter der Bremse bei gleichzeitiger Entnahme von Indicatordiagrammen, und zwar

  • a) bei der vollen vom Fabrikanten angegebenen Kraftleistung;
  • b) bei der halben Kraftleistung;
  • c) beim Leergange.

Hierbei wird festgestellt: Verbrauch an Erdöl, Schmieröl und Kühlwasser, Temperatur des ein- und ausströmenden Kühlwassers, Leistungsfähigkeit der Apparate, in denen das benutzte Wasser für erneute Verwendung abgekühlt wird; Gleichmässigkeit des Ganges durch Messung der Geschwindigkeitsunterschiede; höchste Kraftleistung.

Der zweite Theil der Prüfung wird ausgeführt durch praktischen Betrieb einer oder mehrerer landwirthschaftlicher Maschinen von einer Transmission aus (Dreschmaschine, Schrotmühle u. dgl.).

Hierbei wird festgestellt: Handhabung, Zeitdauer der Inbetriebsetzung, Einstellbarkeit und selbsthätige Regulirbarkeit für wechselnden Kraftbedarf; Verschmutzung nach einem mehrfach unterbrochenen Betriebe von zusammen 60 Stunden Arbeit bezieh. bis zum vorzeitigen Stillstand des Motors; Betriebsstörungen; Zeitdauer und Handhabung bei einer Reinigung einschliesslich der Zeit für Auseinandernehmen und Zusammensetzen; Geruch, Geräusch, Belästigungen durch Auspuff u. dgl.; bei fahrbaren Motoren das Gewicht unter Berücksichtigung der Kühlvorrichtungen; Gang der Maschine, ob ruhig oder stossend.

Zwecks Ausführung dieser Prüfung muss jede Maschine ausgerüstet sein:

1) mit der Einrichtung zum Ansetzen eines Indicators;

2) mit einer Riemenscheibe, gerade gedreht; von 600 mm Durchmesser und 150 mm Breite zum Aufsetzen des Bremsdynamometers.

Ausserdem ist eine besondere zweitheilige Riemenscheibe mit Flachkeil beizugeben für eine Transmissionswelle von 65 mm Durchmesser. Der Durchmesser dieser Riemenscheibe ist so zu bemessen, dass bei einem Riemenbetrieb vom Motor nach der Transmissionswelle die letztere 180 Umdrehungen in der Minute macht. Die Breite der Scheibe kann beliebig sein; sie wird im Allgemeinen durch die Grösse der zu übertragenden Kraft bestimmt werden.

Die Prüfungsbestimmungen wurden vervollständigt durch Ausführungsbestimmungen nach den Beschlüssen der Preisrichter vom December 1893. Von diesen letzteren Beschlüssen sind folgende von Wichtigkeit:

Auf Antrag einiger Fabrikanten wurde beschlossen, dass die Deutsche Landwirthschaftsgesellschaft für die Prüfung nicht allein amerikanisches, sondern auch russisches Erdöl unentgeltlich liefert und es den Fabrikanten überlässt, mit welcher Erdölsorte sie ihre Motoren während der Prüfung betreiben wollen. Das specifische Gewicht des amerikanischen Erdöls beträgt etwa 0,80, das des russischen etwa 0,825.

Die Motoren sollen gebremst werden unter gleichzeitiger Entnahme von Indicatordiagrammen, und zwar in einer Zeitdauer von

a) beim Leergange ½ Stunde
b) bei normaler vom Fabrikanten ange-
gebener Kraftleistung

1

c) bei der Hälfte dieser Kraftleistung 1
d) bei der höchstmöglichen Kraftleistung vorübergehend,
mindestens aber 5 Minuten.

Die Dauerprüfungen zur Feststellung der Verschmutzung sollen durch den Betrieb von landwirthschaftlichen Arbeitsmaschinen (Schrotmühlen, Pumpen, Dreschmaschinen) ausgeführt werden, und zwar in einer grössten Ausdehnung von 60 Stunden Arbeitszeit bezieh. bis zum vorzeitigen Stillstand der Maschine.

Für Prüfung auf Einstellbarkeit und selbsthätige Regulirbarkeit der Motoren bei wechselndem Kraft verbrauch ist der Betrieb einer Dynamomaschine in Aussicht genommen. Der Antrieb der Dresch- und der Dynamomaschine wird von einer Transmission aus erfolgen, an welche der Reihe nach die einzelnen Erdölmotoren angeschlossen werden. Als Getreideart für die Dreschmaschine wird Roggen zur Verwendung kommen.

Zu der Dauerprüfung können nur die Motoren zugelassen werden, welche bei den Bremsversuchen unter a), b), c) und d) die besten Ergebnisse gezeigt haben.

Wenn ein Fabrikant zwei Motoren gleicher Construction und gleicher Grösse in feststehender und fahrbarer Ausführung zur Prüfung einsendet, so sollen beim festen Motor sämmtliche Bremsversuche, beim fahrbaren Motor dagegen nur die unter normaler Kraftleistung gemacht werden. Die Dauerversuche werden in diesem Falle nur mit dem fahrbaren Motor ausgeführt.

Der Bericht über diese sorgfältig vorbereiteten und ausgeführten Versuche liegt nunmehr vor (Hartmann und Schöttler: Prüfung von Erdölmotoren, Berlin 1895). Wir verweisen auf dessen umfangreiche Erörterungen, die theilweise auch durch bildliche Darstellungen der einzelnen Ausführungen erläutert werden, und geben nur eine Uebersichtstabelle über die Abmessungen der untersuchten Maschinen und eine Uebersicht über die erzielten Ergebnisse im Folgenden wieder.