Text-Bild-Ansicht Band 303

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Die Priestmann'sche Erdölkraftmaschine wird von der Firma Paul Behrens in Magdeburg für Deutschland vertrieben. Die Maschine besitzt einen eigenartigen Zerstäuber, dessen gute Wirkung die angeblich grosse Verbreitung der Maschine in England veranlässt haben soll.

Textabbildung Bd. 303, S. 249

In Fig. 1 ist der Zerstäuber an dem Verdampfer dargestellt. Das eine Rohr, welches von dem Erdölbehälter ausgeht und mit dem Oelraume in Verbindung steht, führt nach K, während ein zweites Rohr, welches mit dem Luftraume in Verbindung steht, zu dem Raume I führt. Das Erdöl tritt durch einen kleinen Kanal M in dem Hahn H in den Kanal E und trifft hier auf den Luftstrom, welcher durch die Form der Düse von seiner geradlinigen Bewegung so abgelenkt wird, dass er sich unter einem stumpfen Winkel auf den Flüssigkeitsstrahl stürzt, diesen in einen feinen Nebel verwandelt und diesen durch eine dem Kanal E gegenüberliegende Oeffnung in den Verdampfer treibt. In dem Verdampfer findet die Erwärmung des Gemisches von Erdöldunst mit atmosphärischer Luft statt. Da die Menge der Luft für die Verbrennung im Cylinder noch nicht ausreichend ist, so wird beim Ansaugen des Gemisches durch den Kolben während der Saugperiode das Ventil L geöffnet, so dass Luft durch den Kanal F bei geöffneter Drosselklappe C in den Kanal B treten kann, der concentrisch um die Düse E angeordnet ist. Durch kleine Oeffnungen D tritt die Luft in den Verdampfer und mit dem Gemisch in den Cylinder. Die Anordnung des Kanales B ermöglicht es, dass die Luft sich innig mit dem Gemisch des Verdampfers vermengen kann.

Ist der Verdampfer vorgewärmt, so wird er durch die Auspuffgase, welche vor ihrem Eintritt in den Auspufftopf den Verdampfer umspülen, warm erhalten. Die Temperatur der Auspuffgase um den Verdampfer beträgt etwa 300° C.

Versuche, welche in Glaser's Annalen, 1896 S. 52, veröffentlicht sind, haben ergeben, dass der Priestmann'sche Motor innerhalb 12 Minuten betriebsfähig ist. Ein Motor von 273 mm Cylinderdurchmesser und 355 mm Hub, welcher als 9 pferdig verkauft wird, verbraucht 2,4 l Erdöl im Leergang bei 174 Umdrehungen. Bei halber Belastung unter Leistung von 8,3 wurden 5,75 l Erdöl verbraucht, d.h. 0,55 k für die stündliche Pferdekraft. Bei stärkerer Belastung unter Leistung von 10,92 braucht die Maschine 0,476 k für die stündliche Pferdekraft.

Das Pyrometer zeigte für die Auspuffgase eine Temperatur von 298° C. an. Der Auspuff selbst war tadellos. Ein unangenehmer Geruch wurde an den Auspuffgasen nicht wahrgenommen.

Bei einem Dauerversuch von mehreren Stunden leistete der Motor 8,81 effective und verbrauchte für die effective Pferdestärke in 1 Stunde 0,53 k Erdöl. Der Motor arbeitete während dieser Zeit ohne Wartung tadellos. Eine irgendwie nennenswerthe Verschmutzung ist nicht gefunden worden.

Die Erdölmaschine von B. Loutzky in Nürnberg (D. R. P. Nr. 81530) besitzt zwei starr verbundene Kolben, welche drei Arbeitsflächen bieten, um die Maschine im Eintact arbeiten zu lassen. Fig. 2 erläutert diese Maschine.

Zwei Verdichtungs- und Explosionsräume A und B sind von den Wassermänteln a und b umgeben. Um die äusseren Doppelmäntel dieser Verdichtungskammern greifen die Kolben k1 und k2, welche unter einander fest verbunden sind und so einen Hohlcylinder darstellen. Dieser cylindrische Doppelkolben besitzt Ausschnitte s und durchdringt den unteren Cylinderdeckel C2 mittels Lamellen. Er dichtet von innen gegen die Aussenwände der Explosionsräume ab und ist ausserdem in dem Gestell G geführt. In die Räume A und B bei e1 und e2 wird ein Gemisch von Luft und Erdöl oder Benzindampf eingeleitet und dort in geeigneter Weise, z.B. durch Glührohr, entzündet. Die auftretenden Explosionen wirken abwechselnd auf die Wände w1 und w2 des gemeinsamen Kolbens K1K2, welche durch die bei M angreifende Schubstange auf die Kurbel wirken. Die Maschine erfährt auf diese Weise bei jeder Umdrehung der Kurbel einen Kraftschub und arbeitet somit unter Verwendung einer Schubstange als Zweicylindermaschine.

Textabbildung Bd. 303, S. 249

Der Doppelkolben kann in Folge seiner eigenartigen Construction zugleich als Luftpumpe dienen. Zu diesem Zweck trägt der untere Cylinderdeckel C2 einen mit Ventil v versehenen cylindrischen Kasten O, welchen der unter Wand w1 angeordnete hohlcylindrische Theil w des Kolbens K1K2 beim Abwärtsgange umgreift. Die sich verdichtende Luft wird durch Ventil v in den Kasten O und von da in einen Behälter B gedrückt, wo sie dazu dient, das Erdöl oder Benzin ausfliessen zu lassen.

Bei der in Fig. 3 dargestellten Zweitactmaschine von J. Söhnlein in Wiesbaden (D. R. P. Nr. 83210) bewegt sich in dem vorn durch eine Kammer F, hinten durch ein Ventil v und das der äusseren Beheizung zugängliche Ventilgehäuse (Vergaser) k geschlossenen Cylinder der Arbeitskolben,