Text-Bild-Ansicht Band 346

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bauen verstanden hat, sind erstaunlich hoch. Generatoren und Transformatoren für 100000 Kilowatt sind in Deutschland schon mehrfach in Betracht gekommen. Neben dem wirtschaftlichen Bedürfnis bestimmt die Grenze der Transportfähigkeit ihre Größe. Um die Abmessungen nicht noch weiter wachsen zu lassen, muß schärfste künstliche Kühlung mit umlaufenden Kühlmitteln, Luft bezw. Oel, angewendet werden. Solche großen Einheiten stellen die höchsten Anforderungen an die Werkstoffestigkeit. Die technisch schwierig aufgebauten Rotationskörper haben Umfangsgeschwindigkeiten von 120–150 Meter in der Sekunde. Bei den großen Abmessungen müssen auch bereits die verschiedenen Wärmedehnungen der einzelnen Baustoffe beachtet werden.

Die Fortleitung geschieht bei den höchsten Spannungen zurzeit durch Freileitungen, deren Bau bis zu Betriebsspannungen von 400000 Volt der heutigen Technik möglich ist. Wichtige Hauptstrecken mit 200000 Volt sind bereits seit einiger Zeit in Deutschland in Betrieb. Die Hauptaufgaben sind: Aeußerste mechanische Festigkeit, Vermeidung zusätzlicher Verluste durch Glimmererscheinungen und Kompensationen der Ladeströme.

Aber auch die Kabeltechnik hat große Fortschritte gemacht. Kabel für 100000 Volt speisen bereits wichtige Stadtgebiete. Nur ist ihre Anwendung für große Strecken noch schwierig und kostspielig wegen der hohen Ladeströme und der Verlegungskosten.

Die Frage der Schaltung großer Leistungen hat die Elektrotechnik lange beunruhigt. Seit man aber in der Lage ist, in einigen großzügigen Versuchsanstalten Entwicklungsversuche im großen Ausmaße systematisch durchzuführen, sind erhebliche Fortschritte gemacht worden. Sie gehen zunächst dahin, das Oel aus dem Schalter zu verdrängen und die Lichtbogenlöschung entweder durch Preßluft oder durch expandierende Dämpfe zu bewirken. Bereits heute sind große Erfolge mit beiden Mitteln erzielt worden. Aber auch die Oelschalter haben sich als sehr verbesserungsfähig erwiesen.

Unter den Ueberspannungserscheinungen sind die atmosphärischen Einflüsse am meisten gefürchtet. Die Erforschung der elektrischen Gewittereinflüsse ist seit einigen Jahren in vollem Gang und hat schon wichtige Erkenntnisse gebracht. Die Bekämpfung der Gewitterstörungen kann in erheblichem Maße bereits durch geeigneten Aufbau der Uebertragungsanlagen erfolgen. Daneben spielen Blitzschutzapparate neuerdings wieder eine größere Rolle. Nach Erkenntnis der Unzulänglichkeit bisheriger Typen hat man in den letzten Jahren erfolgreich neue Wege beschritten.

Kurzschlüsse beanspruchen die Anlageteile durch stoßweise Erwärmung und mechanische Kraftwirkungen; das Wärmeproblem muß durch geeignete Dimensionierung, das Kraftproblem durch konstruktive Abstützungsmaßnahmen gelöst werden. Zur Herabsetzung der Beanspruchung dienen kurzschlußbegrenzende Drosselspulen, Sicherungsmaßnahmen, welche schnellste Abschaltung von Fehlerstellen bewirken, und geeignete Netzschaltung. Hier wachsen die Aufgaben mit der Größe der im Netz vereinigten Leistungen.

Erdschlüsse sind anders zu behandeln als Kurzschlüsse. Oft handelt es sich nur um Lichtbögen, die durch irgendwelche äußeren Einflüsse, z.B. Blitzschläge, eingeleitet werden, die aber nach Aufhören der Ursache keine bleibende Störung abzugeben brauchen, wenn beim Bau der Anlagen entsprechend vorgegangen wird. Das trifft aber nur zu, wenn der Nullpunkt der An läge nicht starr geerdet wird, wie man es in Amerika zu machen pflegt. In Deutschland hat sich das System der Nullpunktserdung über Kompensationsdrosselspulen nach Petersen allgemein durchgesetzt. Es bewirkt eine überspannungsfreie Lichtbogenlöschung ohne Abschaltung der betreffenden Leitung. Daher wäre auch für die höchsten Spannungen der Zukunft seine Anwendung technisch vorzuziehen; es könnten aber die etwas geringeren Aufwendungen für die Isolation der Leitungen bei den höchsten Spannungen doch auch bei uns zu starren Nullpunktserdungen führen. Somit sollte man sich auch weiter mit der Frage beschäftigen, ob diese Betriebsweise höhere Rückwirkungen auf Fernmeldeanlagen hat, und wie diese gegebenenfalls zu bekämpfen wären.

Je ausgedehnter die Netze werden, um so mehr treten die Regelungsprobleme in den Vordergrund. Nicht nur die Anforderungen des Verbrauchers an die Gleichmäßigkeit der Spannung und der Periodenzahl sind zu erfüllen; es müssen auch Schwierigkeiten, welche sich unter besonderen Bedingungen dem stabilen Zusammenarbeiten entfernter Kraftwerke entgegenstellen, überwunden werden. Bei langen Uebertragungsentfernungen kommt hinzu, daß der Kompensationszustand der Leitung fortlaufend dem Belastungszustand der Leitung angepaßt werden muß.

Mit der schnellen Ausdehnung der Konzentration der Energieerzeugung ist das Problem der Fernmessung vor einigen Jahren plötzlich in den Vordergrund getreten und hat eine erstaunlich schnelle Entwicklung auf diesem Gebiet hervorgerufen. Es ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung, daß für die schnelle Disposition über die Lastverteilung von zentraler Stelle aus die meßtechnischen Unterlagen aus dem ganzen Netz verzögerungsfrei auf die Kommandostelle übertragen werden können. Weitere Betriebsverbesserungen sind auch von der schnellen Registrierung und Fernübertragung störender Einflüsse zu erwarten. Es darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß solche Hilfseinrichtungen so einfach wie möglich gehalten werden müssen. Die betriebsmäßige Messung bei höchsten Spannungen erfordert an sich schon kostspielige Einrichtungen von großen Abmessungen. Aber auch hier sind große Fortschritte in letzter Zeit gemacht worden und noch weitere zu erwarten. Als einer der hervorragendsten Fortschritte auf dem Gebiet der Meßtechnik im Zusammenhang mit Hochspannungsanlagen ist noch der Kathodenstrahloszillograph zu erwähnen, mit dem es gelingt, Vorgänge zu analysieren, die sich in Milliotelsekunden