Text-Bild-Ansicht Band 345

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Textabbildung Bd. 339, S. 185

2. Die Crackung: Die höher siedenden Bestandteile des Erdöles werden bei erhöhter Temperatur und unter Druck erhitzt, „gecrackt“, sie erleiden dadurch eine Aufspaltung und zerfallen in leichter siedende Bestandteile, also Benzine einerseits und in Koks andererseits. Durch Destillation und Crackung kann die Benzinausbeute des Erdöles bis zu 60% gesteigert werden. Für die Crackung lassen sich allerdings nur schwefel- und asphaltarme Oele verwenden. Besonders für Deutschland bedeutungsvoll sind die Kraftstoffe, die als Nebenprodukte der Kokereien und Braunkohlenschwelereien gewonnen werden. Während das aus den Braunkohlen gewonnene Benzin bis jetzt nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist das aus den Kokereien stammende Benzol, als ganz hochwertiger und ausgezeichneter Kraftstoff, sehr geschätzt. Fast ein Drittel des deutschen Kraftstoffbedarfes wird durch Benzol oder Benzol-Benzingemische gedeckt. – Durch enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Technik wurden in den letzten Jahren Verfahren ausgearbeitet, die eine neue, in Zukunft vielleicht ausschlaggebende Quelle der Gewinnung von Benzinen vorstellen. Diese Verfahren werden unter dem Namen „Kohleverflüssigung“ zusammengefaßt.

Das erste Patent auf diesem Gebiete meldete F. Bergius am 6. Mai 1913 an: Es bezieht sich auf die Spaltung hochsiedender Kohlenwasserstoffe in Benzin und gleichzeitige Ueberführung der dabei entstehenden ungesättigten Verbindungen in gesättigte durch Zuführung von Wasserstoff.

Vier Verfahren haben heute größere Bedeutung erlangt:

  • 1. Das Bergiusverfahren,
  • 2. Das Verfahren von Fischer-Tropsch,
  • 3. Die Methanolsynthese der I. G. Farben A. G.
  • 4. Die Braunkohlehochdruckhydrierung der I. G. Farben A. G.

Untenstehendes Schema gibt ein kurzes Bild der Verarbeitung der Rohstoffe auf Kraftstoffe.

Es sei nun kurz auf die einzelnen Verfahren eingegangen.

1. Das Bergiusverfahren: Braunkohle wird mit Schwerölen gemischt, zu einer Paste verrieben und mit Wasserstoff zusammen unter Druck in den Reaktionsraum eingepreßt, in dem die Hydrierung stattfindet. Der mit Benzindampf beladene Wasserstoff verläßt auf der anderen Seite die Apparatur, wo das Benzin kondensiert wird. Durch einen, über dem Reaktionsraum aufgesetzten Rückflußkühler wird ein Ueberreißen der schwerer siedenden Oele vermieden, sie fließen in den Reaktionsraum zurück. Das Bergiusverfahren ist also eine Hochdruckhydrierung unter Anwendung von hoher Temperatur und Druck ohne Verwendung von Katalysatoren. Eine Versuchsanlage größeren Umfanges befindet sich in Mannheim-Rheinau.

2. Das Verfahren von Fischer-Tropsch: Dieses gelangt auf dem Umwege über die gasförmige Phase der Kohle zu flüssigen Kraftstoffen: d.h. Steinkohle wird zu Kohlenoxyd verbrannt und dieses, gemischt mit Wasserstoff (praktisch wird Wassergas verwendet), bei 280–350° C über Katalysatoren, meist Metalloxyde, wie Zinkoxyd, Chromoxyd usf. geleitet. Man erhält dann leicht siedende Kohlenwasserstoffe (Benzine), die mit sauerstoffhaltigen Produkten (Alkohole) gemischt sind. Fischer bezeichnet dieses Gemisch als Synthol. Wenn auch dieses Verfahren noch im Versuchsstadium steckt, so kann ihm eine große Zukunft prophezeit werden, besonders da Fahrversuche mit Synthol seine Brauchbarkeit hervorragend bewiesen haben.

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