Text-Bild-Ansicht Band 345

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Die Erfindung der innenmattierten Glühlampen.

Von Ingenieur B. Duschnitz.

Genau vor einem Jahre, am 1. November 1929, brachten die führenden Glühlampenfabriken der Welt die innenmattierten Glühlampen auf den Markt und bezeichneten sie als den neuesten Fortschritt auf dem Gebiete der Glühlampentechnik. Während aus den meisten Ankündigungen nicht zu entnehmen war, wem dieser Fortschritt zu verdanken sei, fanden sich unter den ausländischen Werken solche, die angaben, daß ihre Ingenieure die innenmattierte Glühlampe schufen. Deshalb ist der folgende wahre Tatbestand lehrreich und von allgemeinem Interesse.

Der Erfinder der innenmattierten Glühlampe war G. B. Herrmann in Berlin-Halensee. Er hat seine Erfindung bereits am 17. Dezember 1912 dem Patentamt in Berlin offenbart und von diesem nach gehöriger Prüfung im Jahre 1913 das Patent 264 548 zuerkannt erhalten. Acht Jahre lang hat er die Patentjahresgebühren bezahlt, doch wegen Nichtzahlung der neunten Jahresgebühr erlosch das Herrmansche Patent am 23. Juni 1921. Um zu ermessen, inwieweit Herrmann die heute gepriesenen Vorteile der Innenmattierung bereits im Jahre 1912 erkannt hat, ist es notwendig, aus seinem Patentgesuch seine ureigensten Angaben wie folgt anzuführen:

„Um bei elektrischen Glühlampen eine möglichst gleichmäßige Zerstreuung der Lichtstrahlen zu erzielen, bedient man sich bekanntlich einer Mattglasbirne, d.h. einer Glasbirne, deren Außenmantel durch an sich bekannte Verfahren, z.B. durch das Aetzverfahren, etwa unter Anwendung von Flußsäure, zu einer äußeren Mattglasfläche ausgebildet wird. Hierdurch wird wohl die angestrebte, über den ganzen Glasmantel verteilte Leuchtwirkung der Lichtquelle erzielt, doch muß der Uebelstand in Kauf genommen werden, daß derartige Mattglaslampen, insbesondere dann, wenn sie sich, z. B für Außenbeleuchtung, im Freien oder in Räumen befinden, in denen geraucht oder stauberzeugende Tätigkeit ausgeübt wird, an Lichtdurchlässigkeit verlieren. Denn die matte (gerauhte) Außenfläche der Lampe läßt Staub und Unreinigkeiten ansetzen, deren Entfernung nicht nur wegen der oft erschwerten Zugänglichkeit der Lampe, sondern auch insofern umständlich ist, als es für die Beseitigung des Staubes und dergl. der Anwendung besonderer Reinigungsmittel (staublösender Flüssigkeiten) bedarf. Der Versuch, derartige Lampen in der üblichen Weise einfach durch Abwischen zu reinigen, würde fehlschlagen, da der angesetzte Staub dann nur noch mehr in die kleinen Aufrauhungen des äußeren Glühlampenmantels eindringen und sich dort festsetzen würde. Es ergibt sich hieraus, daß die bisher üblichen Glühlampenbirnen zufolge des erwähnten Ansetzens von Staub und dergl. nach und nach in ihrer Leuchtwirkung beeinträchtigt werden und demgemäß eine rationelle Ausnutzung der Leuchtwirkung nicht möglich ist.

Nach vorliegender Erfindung werden die erwähnten Uebelstände dadurch beseitigt, daß die die Zerstreuung der Lichtstrahlen bewirkende Fläche nach außen hin durch eine völlig durchsichtige, glattwandige Fläche überdeckt ist, z.B. dadurch, daß die lichtzerstreuende Fläche nicht auf der Außenseite des Birnenmantels, sondern auf dessen Innenseite vorgesehen wird, so daß also der Außenmantel der Glühbirne als gewöhnliche glatte, mit bezug auf die innere Mattfläche durchsichtige Glasscheibenfläche unverändert aufrechterhalten bleibt. Demzufolge können sich Staub und dergl. Unreinigkeiten so gut wie gar nicht an dem Außenmantel der Birne festsetzen, oder sie lassen sich, wenn dieser Fall dennoch eintreten sollte, ohne weiteres leicht durch trockenes Abwischen entfernen.

Gleichwertig dieser Verlegung der Mattierung von der Außenseite des Lampenmantels nach dessen Innenseite wäre die Umschließung des üblichen außen mattierten Lampenmantels mit einem glatten und durchsichtigen Ueberzuge. Die neue Glasbirne bietet also den Vorteil der dauernd unbeeinträchtigten Leuchtwirkung bei ebenso guter Zerstreuung der Lichtstrahlen.“

Diese Herrmannsche Patentbegründung ist so vorzüglich, weil überzeugend und völlig richtig, daß sie heute, nach 18 Jahren, nicht besser verfaßt werden könnte. Sämtliche Vorzüge, die in den neuesten Prospekten der Glühlampenwerke den innenmattierten Glühlampen zugeschrieben werden, sind in der Beschreibung Herrmanns bereits genannt, so daß es sich auch erübrigt, die heutigen Innenmattlampen noch besonders zu empfehlen.

Doch sind Fachleute, die mit der Auslegung von Patenten zu tun haben, gewohnt, sich hierzu der dem Erfinder bzw. Anmelder gewährten Patentansprüche zu bedienen, da aus diesen, wenigstens bei deutschen Patenten, deren Erteilung gewöhnlich eine strenge Neuheitsprüfung vorausgeht, der Umfang der Erfindung hervorzugehen pflegt. Diese lauten nun:

„1. Glühlampe mit Mattglasmantel, dadurch gekennzeichnet, daß die die Zerstreuung der Lichtstrahlen bewirkende Fläche nach außen hin durch eine völlig durchsichtige, glattwandige Fläche überdeckt ist.

2. Glühlampe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Mattierung nur auf der Innenseite des Glasmantels angeordnet ist, die Außenfläche des Glasmantels dagegen glatt und lichtdurchlässig verbleibt.